Jülich - Weiter Warmhaltekost an Jülicher Schulen und Kitas

Weiter Warmhaltekost an Jülicher Schulen und Kitas

Von: Volker Uerlings
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Was kommt auf die Teller des Jülicher Nachwuchses? Der Stadtrat hat beschlossen, dass in Schulen und Kitas weiterhin Warmhaltekost aufgetischt wird. Foto: Roland Weihrauch/dpa

Jülich. Gutachten zur Schulverpflegung gibt es in Hülle und Fülle, weil das Thema wichtig ist. Dabei herrscht seltene Einigkeit: Die frische Zubereitung von Speisen ist die beste Lösung. Die Garung von Tiefkühlkost gilt als zweitbester, die Warmhalte-Variante als drittbester Weg.

Das sagen von der Bertelsmannstiftung über die Deutsche Gesellschaft für Ernährung bis hin zur Verbraucherberatung NRW so ziemlich alle. Und weil es aus dem Kreis der Kinder und Eltern in Jülich auch schon etliche Beschwerden gegeben hat, wollte die Stadtverwaltung hier einen neuen Weg beschreiten. Der Stadtrat hat sie auf der jüngsten Sitzung mit großer Mehrheit zurückgepfiffen und kann sich für die vorgeschlagene Tiefkühlkost buchstäblich nicht erwärmen. Es soll bei der Warmanlieferung bleiben.

Eigentlich wollten die Kommunalpolitiker, die das Thema schon mehrfach erörtert hatten, die Entscheidung erneut vertagen. Eine Mahnung von Bürgermeister Heinrich Stommel („Das hat jetzt ein bisschen einen langen Bart“) und die laut Stadtverwaltung rechtliche Notwendigkeit, die Mittagsverpflegung für Schulen und Kindergärten auszuschreiben, verlangte eine zügige Entscheidung. Die gab es nach einer Sitzungsunterbrechung: CDU, SPD, Jül und FDP sprachen sich gegen die neue Lösung aus, die Grünen und der Bürgermeister hätten hingegen gern den Systemwechsel gesehen.

Zur Erklärung: 120.000 Mahlzeiten tischt die Stadt inzwischen jährlich auf (siehe Infobox). Bislang wird das Essen von CateringBetrieben angeliefert und darf bis zu drei Stunden warmgehalten werden. Das nennen die Experten „Cook & Hold“. Weil das mitunter Beschwerden hervorruft und in Fachkreisen entsprechend bewertet wird, wollte die Stadt auf Tiefkühlkost („Cook & Freeze“) umsteigen, die dann in den meisten Einrichtungen zum Einsatz gekommen wäre. Dazu wären spezielle Gar-Automaten (Konvektomaten) angeschafft worden, was neben der Tiefkühllagerung recht hohe Kosten verursacht hätte. Es wäre deutlich günstiger gewesen als die Frischzubereitung, die schlicht an fehlenden Küchen und den höchsten Kosten (durch Personal) scheitert.

Vor diesem Hintergrund hatte sich auch ein Arbeitskreis bestehend aus Leiterinnen von Kindergärten, Schulleitungen, Elternvertretern und Küchenkräften für das zweitbeste System – der Tiefkühllieferung – ausgesprochen. „Cook & Freeze ist der Warmverpflegung überlegen“, argumentierte Dezernentin Katarina Esser. Die Verwaltung habe sich von der zentralen Frage leiten lassen: „Was ist für die Kinder ein sehr hochwertiges Angebot?“ Sie stand aber im Stadtrat auf verlorenem Posten.

In den Beiträgen von CDU, SPD, Jül und FDP wurde deutlich, dass sich die Mehrheit eine standortnahe Lösung wünscht. Bei einer Ausschreibung der Tiefkühlkost wäre es durchaus möglich, dass große Produzenten aus Nord- oder Süddeutschland die Ware nach Jülich liefern.

Bei der Warmverpflegung ist das so nicht möglich. Die Tiefkühl-„Gegner“ argumentieren, dass sich nun auch lokale Cateringbetriebe bewerben können und dadurch die Warmhaltezeiten kürzer würden. Das stimmt theoretisch, denn die Hersteller vor Ort müssen natürlich auch konkurrenzfähige Angebote unterbreiten, um den Zuschlag zu erhalten. Eine solche Ausschreibung der Mittagsverpflegung für Jülicher Kinder und Jugendliche wird es in Kürze geben.

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