Weihnachtskrippen: Botschafter für eine begrenzte Zeit

Von: jago
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Hobby-Krippenbauer Michael Sonnenwald aus Welldorf. Foto: jago

Jülich. Weihnachtskrippen mit der Darstellung des gerade geborenen Jesus gehören in vielen Familien traditionell zur Adventszeit und zu den Weihnachtstagen. Den Ursprung findet man im Lukas-Evangelium, in dem geschrieben steht, dass für Maria die Zeit der Niederkunft kam, als sie mit Josef in der „Stadt Davids, die Bethlehem heißt“, ankam. „...sie gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen. Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz für sie war“ (Lk 2, 6-7).

Die figürliche Darstellung entwickelte sich in Kirchen und Klöstern, bevor sie in den privaten Raum Einzug hielt, nachdem sie von Kaiserin Maria Theresia und Josef II aus den Kirchen verbannt worden war. Heute gibt es Krippen in allen nur denkbaren Variationen. Für Michael Sonnenweg aus Welldorf sind Krippen zu einem zentralen Bestandteil seiner Freizeit geworden, und das nicht nur zur Weihnachtszeit. Auf dem Jülicher Weihnachtsmarkt hat er einen Stand, der für Krippenfreunde eine wahre Fundgrube ist.

Was macht Michael Sonnenwald aber mit seinen Hunderten Figuren und über 30 Krippen nach dem Weihnachtsfest. „Nun, ich verpacke alles sorgfältig und sicher in Kisten, die dann auf ihren angestammten Lagerplatz kommen“, verriet er im Gespräch.

Ob irgend jemand seine Krippe stehen lässt? Die Antworten darauf waren immer sehr ähnlich. Svenja Handloser hat eine wunderbare liebe- und fantasievoll gestaltete Naturholzkrippe mit Landschaftsanlage. Ein wahres Prachtstück, das sie aber dennoch „in einem Karton vorsichtig übersommern lassen“ will.

„Unsere Krippe kommt mit den anderen Weihnachtsdeko-Sachen in einen Karton und wartet im Schuppen auf ihren nächsten Einsatz“, verrät Sabine Jacobs aus Hompesch und ist damit in bester Gesellschaft mit Bettina Bröker aus Rödingen, deren Familienkrippe jedes Jahr nur ein kurzes Gastspiel vom vierten Advent bis Mitte Januar hat: „Dann schlummert sie schön verpackt auf dem Dachboden in guter Gesellschaft mit der anderen Deko.“

Ein letzter Versuch, vielleicht haben Maria und Josef und das Jesuskind mitsamt Esel und Kuh ja bei Familie Renker aus Opherten eine Chance, auch das Frühjahr, den Sommer und den Herbst ohne Verpackung drumherum genießen zu dürfen. Aber auch hier Fehlanzeige: „Die Krippe überdauert immer noch in der Originalverpackung das Jahr.

Vor vielen Jahren im Billigladen gekauft als ‚Nativity Set‘ leistet sie uns unbeschadet jährlich ihren Dienst vom 24. Dezember bis zum 6. Januar.“ Überall heißt es: Ab in die Kiste auf den Dachboden wie jedes Jahr, diesmal aber so, dass man im nächsten Jahr nicht wieder den kompletten Dachboden umkrempeln muss, um die Sachen zu finden. Die Erfahrung lehrt jedoch: Man wird wieder suchen müssen.

Krippen sind nicht nur Zierde unter dem Weihnachtsbaum, sondern sollen auch die christliche Botschaft transportieren. Vielleicht dient die in Liedern als trautes hochheiliges Paar mit dem holden Knaben im lockigen Haar besungene Flüchtlingsfamilie, für die in keiner Herberge Platz war, auch über die Weihnachtszeit hinaus als gutes Beispiel. Ein Platz für Menschen, die wie sie eine Herberge suchen, sollte auch in unserer Region zu finden sein.

Nächstenliebe kostet nichts und wird dennoch mit einem dankbaren Lächeln belohnt. Könnten die Krippenfiguren selbst zu Wort kommen, würden sie ihre Stimme für einen Fortbestand des weihnachtlichen Friedens über das ganze Jahr hinweg erheben, und wenn die Menschen dies dann schaffen sollten, ihr Jahres-Exil im Karton auf dem Speicher oder im Keller ganz sicher gerne akzeptieren.

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