Jülich - Wasserverband dreht am Ablassventil

Wasserverband dreht am Ablassventil

Von: Otto Jonel
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Jülich. Angesichts der dramatischen Verhältnisse im Norden Australiens oder auch des jährlichen Elbe- und Oder-Hochwassers geht es den Anrainern der Rur noch gut. Aber spurlos gehen Schneeschmelze und Dauerregen auch an den zahmsten Flüssen nicht vorüber.

Die Rur ist voll - in manchen Abschnitten übervoll. Aber wo sie über die Ufer tritt, geschieht das gleichsam nach Plan. Unkontrolliertes Hochwasser herrscht im Jülicher Land nicht, stellte Marcus Seiler, Sprecher des Wasserverbands Eifel-Rur (WVER), fest.

Von 40 auf 60 Kubikmeter

Nichtsdestotrotz bleiben die jüngsten Regenfälle nicht ohne Folgen. „Um die Freistände in der Talsperre” zu bewirtschaften, hat der Wasserverband am Donnerstag sozusagen den Hahn aufgedreht. Die Abgabe in den Unterlauf ab dem Staubecken Heimbach wurde Donnerstagnachmittag von 40 auf 60 Kubikmeter pro Sekunde erhöht. Damit ist die Maximalabgabe an die Rur erreicht.

Die Begründung leuchtet ein. „Zurzeit läuft in die Talsperre mehr rein als raus”, formuliert Seiler salopp. In Zahlen bedeutet das: Die Rurtalsperre nimmt pro Sekunde 90.000 Liter Wasser auf, gibt an die Rur aber nur 40.000 beziehungsweise seit Donnerstag, 14 Uhr, 60.000 Liter pro Sekunde ab. Der Stausee füllt sich also trotzdem weiter. Am Donnerstag war der Hauptsee der Rurstalsperre mit 153 Millionen Liter Wasser zu 82 Prozent gefüllt. Sein Gesamtfassungsvermögen liegt bei 187 Millionen Litern.

Was bedeutet die Mehrabgabe für die Rur? Sie muss schlicht 20.000 Liter Wasser mehr pro Sekunde Richtung Maas transportieren. Das macht ihr weniger zu schaffen als der Zulauf der Inde bei Kirchberg. Die Inde ist, wie Seiler erklärt, im Gegensatz zur Rur, die über die Abgabe aus der Rurtalsperre „gesteuert” wird, ein unreguliertes Gewässer. Sie schwillt bei starkem Regen an, was in Eschweiler zu ernsten Hochwasserproblemen führt. Sie schwillt aber auch ebenso schnell wieder ab, wenn die Niederschläge nachlassen. Beim Zusammenfluss an der Ortsgrenze Kirchberg macht die Inde zurzeit jedenfalls noch den mächtigeren Eindruck im Vergleich zur Rur.

Halb so viel

Ab Kirchberg ist die Rur selbst ein strammer Fluss, der das gesamte Bett ausfüllt. Am Pegel Stadion Jülich erreichte die Rur am Donnerstag gegen 16 Uhr einen Stand von 2,82 Metern und lag damit deutlich über der 2. Meldestufe von 1,85 Metern. Wie stark die Inde sich an dieser Pegelmessstelle bemerkbar macht, zeigt der Vergleich zum Pegel bei Altenburg, also oberhalb des Indezuflusses.

Dort wurde gegen 16 Uhr ein Wasserstand von 1,47 Metern gemessen. Nur fast halb so viel wie am Stadion Jülich, aber auch diese Menge lag schon über dem 2. Altenburger Warnwert von 1,35 Metern.

Den Auenbereich zwischen Jülich und Tetz nutzte die Rur weidlich, um sich in das dafür vorgesehene Überschwemmungsgebiet auszudehnen. Dort herrschte Land unter. Auch der Barmener See blieb nicht frei von Rurwasser. In dem Bereich, der bis zum Einbau von Spundwänden regelmäßig einen Durchbruch des Flusses in den See erlebte, ist eine Flutmulde angelegt. Die läuft bei der herrschenden Hochwasserlage voll und gibt Wasser an den See ab.

Insgesamt ergibt sich aber bis zur Grenze zum benachbarten Kreis Heinsberg, so Seiler, „keine erhöhte Hochwasserproblematik”. Die kleineren Überstauungen seien nicht zu vermieden, und - siehe die Broicher Auen und die künstlich angelegte Retentionsfläche bei Körrenzig - sogar eigens vorgesehen.
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