Wasserkraftanlage ebnet den Fischen den Weg ruraufwärts

Von: Antonius Wolters
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Mit einer Fallhöhe von 3,20 Metern ist das Rurdorfer Wehr derzeit für Fische praktisch nicht zu überwinden. Beim Bau einer Wasserkraftanlage könnte jedoch auch der Weg für Lachs, Aal & Co. freigemacht werden. Foto: Wolters

Linnich. Trotz des für sein Projekt positiven Urteils des Verwaltungsgerichtes Aachen bleibt Hubert V., privater Investor aus dem Kreis Heinsberg, skeptisch, dass er nach zehn Jahren (!) doch noch eine Genehmigung der Bezirksregierung Köln für den Bau und den Betrieb eines Wasserkraftwerks am Rurdorfer Wehr erhält.

„Ich habe zwar die Hoffnung, dass sie einlenken, doch mir fehlt der Glaube. Die sind ziemlich stur“, lautet die pessimistische Einschätzung des Elektroingenieurs, der zunächst die ausführliche Urteilsbegründung des Verwaltungsgerichtes lesen und die Reaktion der Behörde abwarten möchte.

Deren Ablehnungsbescheid von 2009 hatte das Gericht in der vergangenen Woche aufgehoben und der Bezirksregierung eine erneute Prüfung der 2007 für Hubert V. beantragten wasserrechtlichen Erlaubnis aufgegeben. Der Antragsteller habe zwar keinen Anspruch auf die wasserrechtliche Bewilligung, er könne aber verlangen, dass die Bezirksregierung umfassender als bislang prüfe, mit welchen Maßnahmen das Wasserkraftwerk auch den Schutz der Fische gewährleisten könne.

Weniger zurückhaltend äußert sich der grüne Bundestagsabgeordnete Oliver Krischer. „Das Gerichtsurteil bietet die Chance, dass die nun schon über zehn Jahre andauernde Blockadesituation am Rurdorfer Wehr endlich aufgelöst werden kann“, sieht er die Bezirksregierung am Zug. Von der Mittelbehörde erwartet Krischer, dass sie ihre „dogmatische Blockadehaltung aufgibt“. Der Abgeordnete wird sogar noch deutlicher: „Zehn Jahre behördliche Genehmigungsschikane reichen nun wirklich.“

Da das Wehr bis heute nicht von Fischen passiert werden könne, würden alle Schutzprogramme für Lachs, Aal und andere Wanderfische konterkariert, erläutert der Parlamentarier. Dieser Zustand ließe sich durch den Bau einer modernen Wasserkraftanlage mit einer Fischtreppe beseitigen, so dass Fische dadurch keinen Schaden nehmen würden. Doch das verhindere die Behörde seit über zehn Jahren auf Kosten von Natur und Gewässerökologie.

In diesem Zusammenhang verweist Krischer auf den Koalitionsvertrag der rot-grünen Landesregierung, in dem „der Ausbau der naturverträglichen Wasserkraftnutzung“ festgeschrieben sei. Wörtlich heißt es im Koalitionsvertrag, dass „in einem ersten Schritt in jedem Regierungsbezirk mindestens eine neue Referenz-Wasserkraftanlage mit modernster Technologie errichtet wird“.

Solch ein Referenzanlage könnte beispielsweise am Rurdorfer Wehr entstehen. Daher denkt Hubert V., dem das Interesse der Politiker nicht entgangen ist, bereits über eine erneute Umplanung seiner Anlage nach.

Vorbild ist ein Wasserkraftwerk in den benachbarten Niederlanden an der Maas bei Venlo, das innerhalb eines dreiviertel Jahres von den dortigen Behörden genehmigt worden ist.

Durch andere Geometrien und eine geänderte Turbinentechnik mit einem walzenförmig gebogenen Rechen vor der Turbine werden die Fische dort besser abgeleitet. Das Landes-Umweltministerium setze große Hoffnungen in diese neue Technik, die sie unbedingt getestet sehen möchte, um auch an anderer Stelle im Land die Wasserkraft bei der Energiewende stärker zu nutzen.

Die Stromerzeugung durch Wasserkraft ist in Deutschland eher unterentwickelt, denn sie trägt mit lediglich 3,2 Prozent dazu bei. Weltweit liegt der Durchschnitt bei stattlichen 16 Prozent. Im Unterschied zur Wind und Sonne hat Wasserkraft den Vorteil, dass sie kontinuierlich zur Verfügung steht, also weder durch Dunkelheit noch eine Windflaute ausgebremst wird.

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