Wasserkraft: Referenzanlage am Rurwehr?

Von: ahw
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Die Bezeichnung Fischtreppe (r.) führt in die Irre, denn das Rurwehr ist für Wanderfische derzeit praktisch unpassierbar. Foto: Wolters

Rurdorf. Nachdem das Verwaltungsgericht Aachen den Ablehnungsbescheid der Bezirksregierung zum beantragten Wasserkraftwerk an der Rur bei Linnich an die Behörde zur erneuten Prüfung zurückverwiesen hat, ist Bewegung in das festgefahrene Projekt der dort geplanten Wasserkraftnutzung gekommen.

Am „Welttag des Wassers“ berichtete Freia Johannsen, Sprecherin der Bezirksregierung Köln, dass seitens der Behörde nicht beabsichtigt sei, „die Zulassung der Berufung zu beantragen“. Somit liegt der Ball in Sachen Wasserkraftanlage an der Rur wieder bei den Fachleuten der Bezirksregierung, die den vorliegenden Antrag nun erneut unter die Lupe nehmen.

Deren Vorgehen hatte nach dem Gerichtsurteil der grüne Bundestagsabgeordnete Oliver Krischer scharf kritisiert („endlich zehnjährige Blockade auflösen“), was wiederum Pressesprecher Oliver Moritz erzürnte: Der Antrag auf wasserrechtliche Genehmigung der Anlage sei 2007 gestellt und zwei Jahre später abgelehnt worden. Das sei bei einem solch komplexen Sachverhalt durchaus üblich. Von zehn Jahren könne somit keine Rede sein.

Unterdessen äußerte sich Krischer überzeugt, dass es zu einer vernünftigen Lösung kommt. So hat der Parlamentarier unlängst eine neuartige Wasserkraftanlage an der Kinzig in Baden-Württemberg besucht, die alle ökologischen Auflagen und die Vorgaben der EU-Wasserrahmenrichtlinie erfüllt und auch die entsprechende Genehmigung erhielt.

Beispielanlage an der Kinzig

Die Kinzig, berichtet Krischer weiter, sei ein mit der Rur vergleichbarer Fluss mit dem Unterschied, dass dessen Wasserführung nicht von einer Talsperre reguliert wird. Clou des im Juli 2010 eröffneten Wasserkraftwerks ist das bewegliche Turbinenhaus, das von auf- und absteigenden Fischen unter und überschwommen werden kann. Der zusätzliche Fischauf- und -abstieg sorgt für eine komplette Durchgängigkeit der Kinzig für Wanderfische, die so unbeschadet von und zu ihren Laichplätzen schwimmen können.

An dieser Frage dürfte letztlich die Genehmigung der geplanten Anlage am Rurdorfer Wehr gescheitert sein, wo nicht zuletzt die Petri-Jünger „Fisch-Gulasch" im Bereich der Turbine befürchten, wie auch aus den Kommentaren im Internet zum Bericht Mitte März hervorgeht.

An der Kinzig scheint es solche Häckseleien nicht gegeben zu haben, wie Lobeshymnen, Preise und nachfolgende Untersuchungen an der Pilotanlage unterstreichen. Das Rurwehr könnte Standort einer solchen Referenzanlage für NRW werden, die mit den Zielen der EU-Wasserrahmenrichtlinie vereinbar ist. „In einem ersten Schritt wird in jedem Regierungsbezirk modellhaft mindestens eine neue Referenz-Wasserkraftanlage mit modernster Technologie errichtet", schrieben SPD und Grüne in ihren Koalitionsvertrag zum Thema Wasserkraft und Nutzung erneuerbarer Energien.

Sein großes Interesse an dieser Frage unterstrich unlängst NRW-Umweltminister Klaus Remmel, der sich in Herford trotz der Ablehnung eines dort geplanten Wasserkraftprojektes für den Bau einer beweglichen Anlage stark gemacht hat, um die Energiewende voranzubringen.

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