Wasser leuchtet wie flüssiges Gold

Von: thd
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Bewundern die Farbe und den Mo
Bewundern die Farbe und den Moment: Rudolf Froitzheim(v. l.), Martin Marquardt, Pfarrer Wolfgang Theiler, Sarah Ködderitzsch und Detlef von Brandt. Foto: Theres Dickmeis

Eschweiler/Jülich. „Ich gehe mit offenen Augen und Ohren durch die Landschaft und klaue mir die Begebenheiten.” Bewaffnet mit dieser Fähigkeit und seiner Kamera hält Martin Marquardt aus Jülich Momentaufnahmen fest.

In seiner Ausstellung „Erdbilder” zeigt er im Evangelischen Gemeindehaus Weisweiler Farbfotografien aus dem Tagebau Inden und eröffnet damit einen neuen Einblick in bekannte Landschaft.

Die großformatigen Farbfotografien sind 2006 entstanden. Martin Marquardt erklärte beim Tagebau sein Anliegen und erhielt direkt eine Einladung. „Mit einem Mitarbeiter fuhr ich drei Stunden über das Gelände und machte mehr als 600 Fotos - ohne eins doppelt zu schießen”, erklärte Marquardt.

Auf die Besucher der Ausstellung warteten allerdings keine typischen Landschaftsaufnahmen. Der Fotograf hielt Episoden der Erde fest, wie sie sich an den Abbaukanten im Laufe der Jahre abbildeten.

„Die 30 bis 40 Meter tiefen Abbruchkanten zeigen viele Schichten, die sich über die Jahre bildeten. Teilweise sind sie in einander verschwommen, teilweise auch noch gut erkennbar”, beschrieb Martin Marquardt den Braunkohletagebau, der in der Regel bei Besichtigungen den Fokus auf die Verwundung der Landschaft, die riesigen Erdmassen und die gewaltigen Maschinen zieht.

In seinen Aufnahmen machte sich Martin Marquardt von den übermächtigen Eindrücken frei. Er richtete das Objektiv auf die Details, wie Pfützen oder verkohltes Holz, Wasserablagerungen sowie Steinschichten. Durch die Mineralien im Boden färbten sich beispielsweise Wasserablagerungen gelb, die auf seinen Bildern wie flüssiges Gold aussehen.

„In der Natur sind die Farben verblasst. Aber auf dem Computer kann ich die Kontraste und Farben verstärken”, erklärte Martin Marquardt. Die digitale Bearbeitung sei auch einer der Gründe, warum er erst mit Digitalkameras das Fotografieren anfing.

„Mit Bildbearbeitungsprogrammen kann ich Landschaften sogar abstrakt aussehen lassen und Einfluss nehmen.” Das Stichwort „Einfluss” spielt in den Fotografien aber auch in Bezug auf die Entwicklung der Erde eine wichtige Rolle. „Die unterschiedlichen Schichten zeigen erst, wie sehr sich die Welt verändert hat. Der Wandel wird uns direkt vor den Augen vorgeführt”, mahnte Martin Marquardt.

Passend zum Weisweiler Erntedankfest, das unter dem Motto „Wie viel Erde braucht der Mensch?” steht, kann sich jeder Besucher der Ausstellung diese Frage selber stellen. „Die Fotografien zeigen unsere Verbundenheit zur Erde, aber sie erfüllen uns auch mit Demut. Das künstlerische und historische verschmilzt ineinander und jeder kann überlegen, wie weit wir die Reichweite des Erdenreichs verkürzen wollen?”, sagte Pfarrer Wolfgang Theiler bei der Eröffnung.

Die Ausstellung ist noch bis Dienstag, 2. Oktober, von 14 bis 18 Uhr im Evangelischen Gemeindehaus Weisweiler geöffnet.
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