Wasser gegen Wasser: Barrieren sollen vor den Fluten schützen

Von: hfs.
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Mit Wasser gegen Hochwasser: Damit die beiden Barrieren schnell befüllt werden können, wurde eigens - wie hier an der Unterführung „Hundscheider Weg” - ein zusätzlicher Hydrantenanschluss installiert. Foto: hfs.

Jülich/Broich. Das Wasser schießt im Sturzbach durch die Bahnunterführungen „Knauzengracht” und „Hundschleidener Weg”, setzt in kürzester Zeit den unteren Bereich der Stadtteils Broich unter Wasser. Für die Betroffenen ist das ein Horror, zuletzt erlebt beim „Jahrhundertregen” am 7. August.

Denn im „Gepäck” hatten die Fluten den Schlamm von den oberen Feldern in rauen Mengen, den sie in Keller und Wohnstuben transportieren. Nun soll mit den Überschwemmungen Schluss sein.

Es musste etwas passieren: Darin waren sich die Betroffenen in Broich und die Entscheidungsträger im Jülicher Rathaus nach dem letzten Hochwasser einig.

Gut ein Jahr zuvor, am 28. Mai 2008, hatten sie das gleiche Dilemma erlebt. Die Schadenssumme ging in die Hunderttausende, der Ärger der Anwohner war verständlich. „Beim ersten Ereignis wurde überlegt, den Engpass an den Unterführungen mit Sandsäcken abzudichten”, sagt Markus Danz, Leiter des Jülicher Bauhofes.

Diese Lösung erwies sich jedoch bei den letzten Überflutungen als wenig hilfreich. „Sechs Mann brauchen ungefähr drei Stunden, um einen Damm mit Sandsäcken zu legen”, erklärt Danz, dessen Überlegungen von einem Schott oder ähnlichem nicht zum Tragen kamen. „Wir dürfen an den Unterführungen keine baulichen Veränderungen vornehmen. Das untersagt uns die Kreisbahn aus Stand- und Sicherheitsgründen.”

Dennoch musste eine Lösung her, die, so hoffen nun die Politiker, gefunden ist. „Hydrobaffle” heißt die Sperre, die jetzt bei Unwetterwarnungen eingesetzt wird. „Das System kommt aus Amerika”, schwärmt Markus Danz, dem diese mobilen Sperren auf der Suche nach geeigneten Lösungen für Broich besonders geeignet erschienen.

„Das System nutzt die Kraft des Wassers, um stabil zu bleiben”, umschreibt der Leiter des Jülicher Bauhofes die Barriere aus PVC. Daraus besteht der „Gummischlauch”, in den 18 Tonnen Wasser gefüllt werden.

„Wir haben es natürlich vor der Anschaffung ausprobiert. Auf- und Abbau sind schnell erledigt.” So schaffen es nun zwei Mitarbeiter des Bauhofes, die Sperre in den beiden Unterführungen in gut einer Stunde zu installieren. „Es bleibt Zeit, auf Hochwasserwanrungen zu reagieren”, meint Danz. Denn ein Transport der im gefüllten Zustand an ein dickes Gummikissen erinnernden Barriere entfällt.

In zwei Containern, die an den Broicher Gefahrenstellen aufgestellt wurden, lagern die Sperren auf einem Wagen. Der muss in Gefahrensituationen nur herausgezogen werden. „An Ort und Stelle wird die Sperre ausgerollt und mit Wasser gefüllt. Das dauert rund 30 Minuten. Danach haben wir eine 1,20 Meter hohe Schutzwand, die durch ihr Eigengewicht von 18 Tonnen genug Standsicherheit hat, die Wassermassen abzuhalten.”

Zur schnellen Befüllung der Wassersäcke wurde an jeder Unterführung eigens Hydranten installiert. „Weil der Sack zwischen zwei Wänden eingesetzt wird, bleibt alles dicht”, betont Danz. Sollten die Wassermassen die Höhe übersteigen, ist durch die angeordnete Membrantechnik ein langsames Fließen des Wassers gewährleistet.

„Aber das Wesentliche ist, dass der Schlamm auf der anderen Seite liegen bleibt und nicht mehr den Kanal verstopft.” So schnell wie die Sperren aufgebaut sind, so schnell sind sie auch entfernt. „Einfach den Auslaufstutzen öffnen”, so Markus Danz.

Die beiden Reservoirs für Broich kosteten zusammen knapp 8000 Euro, können aber bequem auch an jedem anderen Ort eingesetzt werden.

Im Zuge dieser Anschaffung und geänderter Notfallpläne änderte sich beim Jülicher Bauhof auch der Bereitschaftsdienst. Ab sofort stehen jeden Tag zwei Mitarbeiter nach Dienstschluss in ständiger Bereitschaft.
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