Rödingen - Wanderausstellung: Menschen mit wunderbarer Gelassenheit

Wanderausstellung: Menschen mit wunderbarer Gelassenheit

Von: ptj
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Ideengeberin Maria Hintzen-Muckel betont im Rahmen der Ausstellungseröffnung die Wichtigkeit des Austausches der Generationen. Foto: Jagodzinska

Rödingen. „Neue Fotos mit alten Menschen am alten Ort mit neuer Nutzung“, wie Ideengeberin Maria Hintzen-Muckel es ausdrückte, präsentiert der Bürgerverein „Unsere Alte Schule“ Rödingen über drei Wochen lang mit der Wanderausstellung „100 Jahre Leben“ des Diözesan-Caritasverbandes für das Erzbistum Köln.

Die zehn eindrucksvollen großformatigen Porträts ausgewählter Hochbetagter, die die Schönheit und Weisheit des Alters zum Ausdruck bringen, umrahmen Name, Geburtsdatum, Zitate und Unterschrift der Fotomotive, aber auch individuell ausgewählte (Detail)Fotos aus ihrem langen Leben. Die dazugehörigen Lebensgeschichten sind in einem Katalog zusammengefasst. Damit zeigt die Ausstellung einen eindrucksvollen Ausschnitt aus dem Wissens- und Erfahrungsschatz der aktuell rund 15.000 Hundertjährigen in ganz Deutschland.

Mehr als zwei Dutzend Hundertjährige in den mehr als 150 stationären Caritas-Pflegeeinrichtungen hatten sich vorab zum Interview in ihren Einrichtungen bereit erklärt. Zehn unter ihnen hatte der Veranstalter ausgewählt, sieben Frauen und drei Männer. Die international arbeitende Porträt- und Architekturfotografin Nathalie Dampmann porträtierte die Hochbetagten, die sich allesamt durch „ausgeprägte Lebenslust“ auszeichnen.

Im Rahmen der Fototermine hatte Dampmann eine „wunderbare Gelassenheit und Magie und den gemeinsamen unbändigen Willen zur Zuversicht“ festgestellt. Die abgelichteten Gesichter sind geprägt von ihren ganz persönlichen Schicksalen in der aufregenden Zeitepoche mit zwei Weltkriegen, politischen Umbrüchen, Flucht, Teilung, Wiedervereinigung und ganz persönlichen Schicksalen, deren Spuren sich tief in die Gesichter eingegraben haben.

Und sie haben viel zu erzählen: „Wie Sie 100 werden? Sie sollten sich einfach Ihres Lebens freuen“, sagt etwa die 101-jährige Elisabeth Abstohs. Die 104-jährige Hildegard Mathey betont: „Ich habe zwei Kriege mitgemacht. Da kommt die Bescheidenheit von selbst.“ Der 103-jährige Josef Höing ist der festen Ansicht, nur so alt geworden zu sein, weil er „jeden Tag Kartoffeln isst“.

In seiner „bereichernden Ansprache“, die sich der Bürgerverein von Bürgermeister Jürgen Frantzen gewünscht hatte, resümierte letzterer: „100 Jahre – oder noch älter werden“ bedeute unter anderem vier Währungsreformen, Kaiser, Reichskanzler, Weltwirtschaftskrise, Führer, Besatzung, sieben Bundeskanzler und eine Kanzlerin. „Ein Wunder, diese Zeit überlebt zu haben.“

Nach einem Exkurs über die kontinuierlich gestiegene Lebenserwartung stellte Frantzen heraus, die Ausstellung passe in die aktuell geführten Diskussionen über den demografischen Wandel. In erster Linie aber gebe sie dem Alter ein Gesicht, einer Generation, „der unsere Generation viel zu verdanken hat“.

Zum Thema „Alte Schule“ betonte er die Wichtigkeit, Vereinen, Kultur und Brauchtum eine Heimat zu geben. Hier sei auch der Caritasverband ein wichtiger Partner. Vereinsvorsitzender Wilhelm Hintzen hieß die Gäste „besonders herzlich willkommen“ und stellte das Vereinsanliegen heraus, „das Haus mit zusätzlichem Leben zu füllen“.

Initiatorin Hintzen-Muckel ist der Austausch verschiedener Generationen im Bürgerhaus „Alte Schule“ besonders wichtig. „Genau deswegen haben wir den Bürgerverein gegründet“, betonte sie. Erwähnenswert sind historische „Spuren des Lebens“ wie alte Bücher, Stickzubehör, Klappwecker oder Reise-Necessaire im ledernen Köfferchen auf den Tischen und Fensterbänken, die nicht zur Ausstellung gehören, sondern von den Organisatorinnen Martina Braun und Maria Hintzen-Muckel platziert wurden. Im Anschluss an die Ausstellungseröffnung mit Sektempfang wurde eine leckeres „Sonntagssüppchen“ gereicht. Rödinger Kinder backten am Nachmittag Waffeln.

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