Jülich - Wanderausstellung in Jülich zu Frauen in der Reformation

Wanderausstellung in Jülich zu Frauen in der Reformation

Von: ptj
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Faszinierende Reformatorinnen als Kunstinstallation in der Christuskirche: Halblinks ist etwa die schöne Sibylle von Jülich-Kleve-Berg als 14-Jährige zu sehen, hinter ihr Dorothee Sölle aus dem 20. Jahrhundert. Mittendrin am Altar führt die Düsseldorfer Theologin Dr. Claudia Eliass in die Wanderausstellung ein. Foto: Jagodzinska

Jülich. „Ich habe euch kein Frauengeschwätz geschrieben, sondern das Wort Gottes als ein Glied der christlichen Kirche“. So lauten die berühmten Worte der Argula von Grumbach in einer an die Universität Ingolstadt gerichteten Protestflugschrift gegen die Verbannung des jungen Magisters Seehofer.

Die Reformatorin ist adelig, gebildet und die erste Frau, die öffentlich für die Reformation eintritt. Ihr Brief wird 1523 als Flugschrift 30 000 Mal gedruckt und verbreitet – eine Sensation.

18 verborgene Erneuerinnen

Argula von Grumbach ist eine von 18, lange verborgenen Erneuerinnen, die in der Wanderausstellung „Reformatorinnen. Seit 1517“ bis zum 27. Oktober in der Christuskirche präsentiert wird.

Zugleich ist sie „besonderer Liebling“ sowohl von Elke Bennetreu, Leiterin der evangelischen Erwachsenenbildung im Kirchenkreis Jülich, als auch der Theologin Dr. Claudia Eliass aus dem „Evangelischen Erwachsenenbildungswerk Nordrhein“ in Düsseldorf, die die „faszinierende Ausstellung“ aus Anlass des Reformationsjubiläums ein Stück näher brachte.

War die Reformation eine „Erweckungsgeschichte für unabhängige Frauen? Hat sie auch zur Emanzipation beigetragen?“ Zur Auseinandersetzung mit solcherlei Fragen regte Pfarrer Dr. Udo Lenzig an, der als einziger Mann zur Begrüßung in den Kreis der künstlerisch installierten mutigen Frauen trat, die in Lebensgröße um den Altar aufgebaut waren.

Eliass startete ihre Einführung in die Ausstellung mit der wohl bekanntesten Reformatorin, wie eine Kurzbefragung des Publikums bestätigte, nämlich der entlaufenen Nonne Katharina von Bora. Als Luthers Ehefrau managte sie gleichzeitig ein Großunternehmen, an dessen „Riesentafel täglich Luthers berühmte Tischreden gehalten wurden“.

Kritischer Blick auf Frauenklöster

Gleichzeitig warf die Referentin einen durchaus kritischen Blick auf Frauenklöster in der Reformation. Einerseits „öffneten sich etliche Klostertore“, andererseits war „für Frauen, die das Kloster verließen, der Weg in das Leben ein bitterer. Sie waren vogelfrei und ohne soziale Absicherung“.

Die durch die Reformation aufgewertete Ehe wurde zur „einzigen Lebensform für die Frauen. Die Reformation schuf keine geistlichen Ämter für Frauen – den Zugang zum Theologiestudium und zum Pfarramt mussten sich Frauen erst im 20. Jahrhundert mühsam erkämpfen“. In diesem Zusammenhang ist Dr. Ilse Härter erwähnenswert, die 1943 „als eine der ersten Frauen ordiniert wurde“.

Regionalen Bezug hat die schöne Sibylle von Jülich-Kleve-Berg, Luthers Landesherrin und eine „versierte Briefeschreiberin und Gesprächspartnerin in Glaubensfragen“. Auffallend ist zusammengefasst, dass fast alle Reformatorinnen adelig und gebildet waren, sie lasen und diskutierten (mit) Luther, aber sie argumentierten mit der Bibel und folgten nicht Luther, sondern Christus“.

Eine „Reformatorin der Gegenwart“ ist Dorothee Sölle. Die „ungeheuer kämpferische Frau mit Charisma“ aus dem 20. Jahrhundert, die Eliass vor Jahren „selbst erlebt hat“, macht deutlich, „dass die Reformation noch lange nicht an ihr Ende gekommen ist“. Durch Hörbeispiele fiktiver Szenen aus der dem Ausstellungskatalog beigefügten CD gestaltete sich letztere abschließend ganz lebendig.

Ein Beispiel ist ein Dialog mit den gesicherten Zitaten der eingangs erwähnten Argula von Grumbach und fiktiven Einwänden ihres Ehemannes. So ahnt dieser bereits, dass ihn das mutige Engagement seiner Frau für die Reformation sein Amt kosten werden. Er hegt aber gleichzeitig echte Anerkennung für seine furchtlose Gattin.

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