VW-Krise: Händler aus der Region müssen viele Fragen beantworten

Von: hfs.
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„Auch dieser Golf hat die manipulierte Abgastechnik eingebaut“, müssen Oliver Meyburg und Wilfried Wilden (v.l.) vom Autohaus Bataille dem Besitzer mitteilen, nachdem sie mit modernem Werkstatt-Prüfgerät einen Blick in den Bordcomputer geworfen haben. Foto: hfs.
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Die Mitarbeiter von VW-Händlern, wie zum Beispiel bei Bataille in Jülich, müssen zurzeit viele Fragen ihrer Kunden beantworten.

Jülicher Land. „Wenn man eine grüne Plakette am Auto hat, dann bleibt die auch grün.“ Das sagt der TÜV Rheinland. Bei den Prüfstationen werden die Mitarbeiter zurzeit mit Fragen bombardiert, wenn Fahrzeughalter mit ihren Volkswagen vorfahren.

Denn der Abgasskandal, der die Autobauer aus Wolfsburg in Verruf brachte, verunsichert diejenigen, die mit den Motoren unterwegs sind, die nur mittels manipulierter Steuersoftware die offiziell vorgeschriebenen Emissionstests im Prüfmodus erreichten. Und sie beschäftigt natürlich auch die Autohändler, bei denen die VW-Modelle Jetta, Golf, Beetle, Tiguan und Passat, zudem die Audi-Modelle A1, A3, A4 und A6 gekauft und gewartet werden.

Es sind Fahrzeuge, die zwischen 2008 und 2015 mit Zweiliter- beziehungsweise Vierzylinder-Dieselmotoren hergestellt wurden und mit Direkteinspritzung und Turboaufladung unterwegs sind. Alle erfüllen die Abgasnorm Euro 5, folglich klebt an ihren Frontscheiben auch die grüne Plakette.

Bei dieser geht es um Feinstaub, genauer gesagt um die Rußpartikel. Stickoxid-Werte, die mit der Manipulation heruntergerechnet wurden, so sagen es die Fachleute beim TÜV, spielen da nicht mit rein. So werden zum Beispiel die Fragesteller aufgeklärt, die sich Sorgen machen, demnächst nicht mehr in die ausgewiesenen Umweltzonen der Städte hineinfahren zu dürfen.

Das betont auch Hans-Wilhelm Mäurer, Verkaufsleiter des VW-Autohauses Simons in Inden/Altdorf. „Die grüne Plakette hat nichts mit den Stickoxid-Werten zu tun“, sagt der Fachmann, der sich jeden Tag vermehrt mit Kundenanfragen beschäftigen muss. „Wir wissen im Grunde genommen auch nicht mehr als die Öffentlichkeit.“ Auch Mäuer bezieht seine Informationen aus den Medien. Auf diesem Wege hat er erfahren, dass Autobesitzer sich jetzt per Internet informieren können, ob ihr Wagen von der Abgasaffäre betroffen ist. „Auf der Infoseite von Volkswagen.de/Info muss man die Fahrgestellnummer eingeben, dann bekommt man die Antwort, ob der eigene Wagen den betroffenen EA 189-Dieselmotor eingebaut hat“, nennt Mäurer außerdem die Fachbezeichnung für den Motor, dessen Abgaswerte „aufgehübscht“ wurden. In der Öffentlichkeit werden auch viel spekuliert, sagt der Fachmann.

Das bestätigt Mark Braun, Geschäftsführer der Autohäuser Bataille in Jülich und Lafos in Aldenhoven. „Wir sind auf die Informationen vom Hersteller angewiesen“, sagt er, möchte sich ansonsten nicht zur allgemeinen Infopolitik des Konzerns äußern. „Aufgrund der Komplexität teile ich allerdings die Meinung des neuen Konzernchefs Matthias Müller, dass Sorgfalt vor Schnelligkeit geht.“ Auch Braun wurde nach eigenen Angaben von dem Skandal überrascht. „Ich war mehr als erstaunt, dass so etwas möglich ist.Wir hatten natürlich keinerlei Kenntnis davon, dass die Ergebnisse des Abgastests bei Dieselmotoren manipuliert werden können.“

Konsequenzen vor Ort sieht Mark Braun zurzeit nicht. „Wir hatten noch keine Abbestellungen, ich bin mir auch sicher, dass wir das Vertrauen unserer Kunden wieder zurückgewinnen werden. Auch wenn es etwas dauern wird.“ Braun ist gespannt, wie die vom VW-Konzern angekündigte Rückrufaktion zu Beginn des kommenden Jahres ablaufen soll, wie die technische Lösung zur Behebung des Problems aussehen wird. „Aber wie gesagt, die Sorgfalt bei einer solchen Aktion geht vor.“

Was die rechtliche Seite anbelangt, können und wollen weder Hans-Wilhelm Mäurer noch Mark Braun diese bewerten. Sicher dürfte sein, dass dem VW-Konzern noch viel Ärger ins Haus stehen wird. Denn mittlerweile verlangen das Kraftfahrtbundesamt, das Bundesverkehrsministerium, die Europäische Kommission und nicht zuletzt die New Yorker Staatsanwaltschaft als Ermittlungsbehörde und das US-Justizministerium Aufklärung. Das gilt auch für die Kundschaft – wie zum Beispiel Golf-Fahrer Simon Wolff aus Jülich. „Laut damaliger Werbung habe ich ein Auto mit dem saubersten Diesel aller Zeiten gekauft.

Jetzt ist es ein Auto, dass die festgelegten Emmissionswerte um bis zum Dreißigfachen überschreitet“, wettert er. Er fühlt sich vom Autokonzern betrogen und fügt an, dass er sich an einer Sammelklage gegen VW beteiligen würde, „wenn sich denn hier in unserer Gegend ein Anwalt bereiterklären würde, gegen VW vorzugehen“. Mittlerweile sind, so wurde bekannt, auch Marken wie Seat und Skoda mit der manipulierten Diesel-Technologie ausgestattet.

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