Vortrag „Herz in Gefahr“: Konzentration auf den Motor in der Brust

Von: ptj
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Aufklärungskampagne der Deutschen Herzstiftung: Dr. Mario Meuser referiert in der gut gefüllten Schlosskapelle über Entstehung und Behandlung von koronaren Herzerkrankungen. Foto: Jagodzinska

Jülich. Im Rahmen der einmonatigen Aufklärungskampagne der Deutschen Herzstiftung referierte Dr. Mario Meuser, Bereichsleiter Kardiologie mit kardiologischer Praxis am St.-Elisabeth-Krankenhaus Jülich in der Schlosskapelle. Die Veranstaltung zum Thema „Herz in Gefahr – Koronare Herzkrankheit und Herzinfarkt“ entstand in Kooperation des ctw-Krankenhauses mit der AOK-Gesundheitskasse.

Ein wichtiger Ansatzpunkt seines sehr kompakten Vortrags war, dass die koronare Herzkrankheit (KHK), eine Erkrankung der Herzkranzgefäße, die das Herz mit Blut versorgen, sich in einem schleichenden Prozess oft schon Jahrzehnte vor dem Herzinfarkt entwickelt.

Verantwortlich für die Entstehung der Krankheit, an der in Deutschland rund sechs Millionen Menschen leiden, ist der risikoreiche Lebensstil und sich daraus entwickelnde Risikokrankheiten. Zu 80 bis 90 Prozent sind die Risikofaktoren Bewegungsmangel, Bluthochdruck, Diabetes, Fettstoffwechselstörungen, Rauchen, Stress und Übergewicht. Durch sie bilden sich im Laufe der Zeit Ablagerungen, genannt „Plaques“, die sich an den Innenwänden der Arterien ablagern, die Herzkranzgefäße verengen und die Durchblutung des Herzens behindern (Arteriosklerose). Bei einer „Angina Pectoris“ kommt es infolge der Arteriosklerose zu einer Mangeldurchblutung des Herzens und so zu einer schlechteren Sauerstoffversorgung.

Ein Infarkt entsteht, wenn eine Plaque aufreißt und sich an dieser Stelle ein Blutgerinnsel bildet, das das Gefäß verschließt. Ein stabile Angina Pectoris tritt meist bei körperlicher Belastung auf, eine instabile ist belastungsunabhängig und kann zum Infarkt führen.

Zeigen sich intensive, häufige und länger andauernde Beschwerden wie etwa Druck, Engegefühl, mit Atemnot einhergehende Brustschmerzen, ist die schnelle Abklärung beim Kardiologen oder in der Klinik notwendig, um einen Herzinfarkt zu verhindern. Besondere Eile ist geboten, wenn der Brustschmerz bei minimaler Belastung oder in Ruhe auftritt.

Beim Herzinfarkt zählt jede Minute. Deshalb ist das Zögern vor dem Notruf 112 so gefährlich, weil der Infarkt jederzeit lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen, sogenanntes „Kammerflimmern“ auslösen kann. Werden sie nicht sofort behoben, kann der Herzstillstand eintreten. Im herbeigerufenen Rettungswagen kann der Notarzt den Patienten durch den Einsatz eines Defibrillators vor dem plötzlichen Herztod schützen, deshalb sollte der Verdacht auf Herzinfarkt beim Notruf formuliert werden. Als augenzwinkernde Eselsbrücke zu der Notrufnummer nannte Meuser das Datum der Veranstaltung, den 11.11. Die Ziffern 1 + 1 hinter die Elf gestellt, ergibt 112.

Zur Erkennung der KHK ist das Belastungs-EKG am aussagekräftigsten. Bildgebende Verfahren sind die Computertomographie, die Stressechokardiographie, die Stress-MRT-Untersuchung oder die Myokardszintigraphie, welche Durchblutungsstörungen des Herzens unter Belastung mit Hilfe eines schwach radioaktiven Stoffs, der in die Vene gespritzt wird, sichtbar macht. Gewissheit verschafft der Herzkatheter, der durch eine Punktion in der Ellenbeuge oder im Handgelenk gelegt wird.

Bei mit dem Arzt abgestimmten regelmäßigen Ausdauersport und bei Ernährung durch die auf Gemüse, Salat, Obst und frische Kräuter konzentrierte Mittelmeerküche wird die Lebenserwartung deutlich verbessert.

Meuser bot einen detaillierten Einblick in die verschiedensten Medikamentierungen und ihre Wirksamkeit. Ferner informierte er über die KHK-Behandlung durch eingesetzte filigrane Metallgitter, genannt „Stents“ oder medikamentenbeschichtete Ballons und natürlich die Bypassoperation, die bei bestimmten Indikationen notwendig wird. Abschließend legte Meuser Wert auf die Anbindung allein lebender Personen an ein Hausnotrufsystem und auf die jährliche Grippeimpfung, weil mit der Grippe Herzkomplikationen verbunden sind.

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