Vortrag: Der alte Wehrturm stand zwischen Inde und Rur

Von: bw
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Der Vorsitzende des Geschichtsvereins Inden, Jörg Lakeberg (r.), mit dem Referenten Timo Bremer, der im Ortsgeschichtlichen Museum Lucherberg einen interessanten Vortrag hielt. Foto: Wickmann

Lucherberg. Im Rahmen des Braunkohletagebaus werden geräumte Ortschaften vor dem endgültigen Abbaggern noch von Archäologen auf Siedlungsspuren untersucht, die hunderte Jahre alt sein können. So geschieht es derzeit auch am Tagebau Inden, wo in den letzten beiden Jahren bedeutende Funde ausgegraben worden sind.

Auf dem Gelände des zwischen den Orten Alt-Pier und Merken gelegenen Haus Verken haben die Forscher viele Relikte aus der Römerzeit, sowie dem Früh- und Hochmittelalter gefunden. Aus diesem Grund hat Timo Bremer von der Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn in den Räumen des Ortsgeschichtlichen Museums Lucherberg einen Vortrag zu den jüngsten Funden gehalten.

Nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden des Geschichtsvereins Inden, Jörg Lakeberg, ging es gleich los. „Wir haben Reste einer hochmittelalterlichen Siedlung mit einem zentral gelegenen massiven Wehrturm gefunden, der von mindestens drei Meter tiefen Gräben geschützt war“, berichtete Bremer. „Möglicherweise gab es innerhalb der Befestigung einen Holzausbau, aber das lässt sich leider nicht mehr genau bestimmen“, sagte er weiter.

Dazu wurden dem Publikum im vollbesetzten Saal des Museums per Beamer zahlreiche Bilder und Karten zur Veranschaulichung gezeigt. Die Befestigungsanlage zwischen Inde und Rur besaß eine Zeit lang strategische Bedeutung, aber mit dem Aufkommen von schwerer Artillerie hatte sie sich rasch überlebt.

Für die Archäologen war außerdem der Fund von 31 Gräbern aus der Merowingerzeit sehr interessant, zumal einige noch mit Grabbeigaben ausgestattet waren. Zudem wurden die Knochen eines Mannes gefunden, die offenbar in einer Kiste zur damaligen Zeit umgebettet worden waren.

Bei den Grabungen wurde auch ein Brunnen entdeckt, der aufwendig mit Steinen und massiven Eichenbalken gebaut worden war. Interessanterweise liegen die ehemalige Ortschaft Pier, der Ortsteil Pommenich, die Siedlung Verken und der Ortsteil Vilvenich genau an einer alten Römerstraße. Nach Osten Richtung Rur wurde vermutlich Vieh- und Holzwirtschaft betrieben und in Richtung Inde ließ der Lößboden wohl damals schon ertragreiche Ernten zu.

„Leider ist das Gebiet um das Haus Verken mittlerweile ein Teil des Braunkohleabbaugebiets, aber wir werden in Vilvenich weiterarbeiten und hoffen, dort noch interessante Funde zu machen“, erläuterte Bremer die aktuellen Arbeit des Grabungsteams in nächster Zeit.

Zum Ende der Veranstaltung durften die Zuhörer noch Fragen zu den Funden stellen. Timo Bremer nahm sich viel Zeit, um diese zu beantworten.

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