Jülich - Vorlesetag mit einem Weltenbummler: Erzählungen aus „Boarderline“

Vorlesetag mit einem Weltenbummler: Erzählungen aus „Boarderline“

Von: ptj
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In Jülich aufgewachsen: Autor, Surfer und Weltenbummler Andreas Brendt. Foto: Jagodzinska

Jülich. „Ich bin Andi, und ich war schon mal in diesem Raum.“ Mit diesen Worten begrüßte der in Jülich aufgewachsene Autor, Surfer und Weltenbummler Andreas Brendt im Rahmen des 13. bundesweiten Vorlesetages Schüler und Lehrer im voll besetzten PZ des Gymnasiums Zitadelle. Die Veranstaltung wurde präsentiert von der Stadtbücherei Jülich.

Brendt war Schüler der Promenadenschule und des Gymnasiums Haus Overbach und hatte im PZ der Zitadelle sein Abitur gefeiert, „mit Punk-Musik und jeder Menge Alkohol“ – was ihm im Vergleich zu heute wie eine Zeitreise erschien. So leitete er über zu seinem Erstlingswerk, dem Indie-Kult-Roman „Boarderlines“, der auf eine Reise durch zehn Jahre seine Lebens führt. „Boarderlines“ meint nicht die Borderline-Persönlichkeitsstörung, sondern ist ein Wortspiel mit mehreren Bedeutungen.

Es geht sowohl um die Reise in die hintersten Ecken der Erde, um die spannende Reise ins eigene Innere und um die Linien, die der Surfer sowohl in der Welle als auch auf später auf dem Papier hinterlässt. Letztere sind, wenn auch in „relativ einfacher Sprache“ niedergeschrieben, voller Erzählkraft und Tiefsinn, gewürzt mit einer kräftigen Prise Humor.

Seine an manchen Stellen mit Musik untermalte Lesung widmete sich drei Phasen aus seinem autobiografischen Reise-Roman. Die erste ist sein „Heimaturlaub 1996“. Zunächst beschreibt er eher stichwortartig routinierte Abläufe, während die „Seele langsamer braucht“, die Balance zwischen dem erlebten Surf-Hippie Abenteuer und seinem Studium der Volkswirtschaftslehre zu finden.

Die zweite Passage beschreibt seinen Aufenthalt mit Freunden „auf einem Parkplatz in Südafrika“, wo er sich „dem personifizierten Verbrechen“ ausgesetzt sieht und gleichzeitig „eine Ecke Dope“ beschafft, ein Thema, das im Austausch mit dem Publikum wieder aufgenommen wurde.

Die dritte vorgetragene Phase spielt sich in einem „dreckigen Hotel“ in Peru ab, wo Brendt mit einer Großfamilie auch die Leidenschaft des Salsa kennenlernt, zugleich aber vier Tage lang „ein kranker Zombie war, ausgetrocknet wie Schmirgelpapier“. Der vierte Reisestopp spielt im Surfer-Mekka Bali. Sehr detailliert beschreibt Brendt sein intensives Wir-Gefühl „Du und die Welle“ und die Freude als „das Einzige, das mehr wird, wenn man es teilt“. Es kommt aber auch zu einer dramatischen Begegnung mit einem vermeintlichen Hai und der damit verbundenen Angst: „Rasende Panik tritt an die Stelle kluger Theorie“.

Die letzten Seiten bezeichnete „Andi“ als Metapher eigener Konflikte, die „wir meistens selber machen“. Aus dem Themenkreis Liebeskummer, Erwachsenwerden und Drogen stellten die Schüler die Frage zum „Kiffen“ an erste Stelle. Für Brendt ist ganz klar: „Das Leben ist so viel schöner, wenn man sich nicht benebelt.“ Erwähnenswert ist eine Erkenntnis: „Rückschläge sind für mich ganz wichtig. Sie haben mir den Weg geebnet, in die Heimat zurückzukehren.“

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