Jülich/Hambach - Vor 500 Jahren wurde der bedeutendste Jülicher geboren

Vor 500 Jahren wurde der bedeutendste Jülicher geboren

Von: Guido Jansen
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Schloss Hambach galt als Jagdschloss des Herzogs, es erfüllte aber auch repräsentative Aufgaben. Foto: Guido Jansen
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Toilettenschacht auf Schloss Hambach. Foto: Guido Jansen
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Ein Jahr hat der Düsseldorfer Zuckerbäcker Georg Maushaben gebraucht, um eine kleinere Replik des Zuckerbanketts anzufertigen, das Wilhelm V. für die Hochzeit seines Sohnes 1585 in Auftrag gab. Foto: Guido Jansen

Jülich/Hambach. Träfe sich heute eine Runde reicher Menschen und würfen sie die fotografischen Beweise ihres Reichtums auf dem Tisch nach dem Motto „mein Haus, meine Autos, meine Jacht“, dann würde Herzog Wilhelm V. nur müde lächeln, säße er mit am Tisch. Der mächtigste aller Jülicher Herzöge, der vor 500 Jahren geboren wurde, hat nicht umsonst den Beinamen „der Reiche“ geführt.

Nicht, weil er so viel auf der hohen Kante hatte. Im Gegenteil, Wilhelm V. war hoch verschuldet. Die Zitadelle, eine Festung von für damalige Maßstäbe gigantomanischen Ausmaßen, hat er bauen lassen.

Wer hat, der hat. Und Wilhelm hatte neben der Jülicher Zitadelle, dem größten Beweis seines Reichtums und seiner Macht, viele weitere Burgen, Schlösser und Häuser. Jülich, Düsseldorf, Kleve, Bensberg, Brüggen, Kaster, Grevenbroich oder Hambach, dazu Stadthäuser in Köln: Wilhelm war weite Teile seines Lebens auf der Reise; auch, um Präsenz zu zeigen in seinem großen Herzogtum.

Auf Schloss Hambach, das schon lange vor ihm im Besitz der Jülicher war, kehrte er häufig ein, um im Hambacher Forst zu jagen. Er war leidenschaftlicher Jäger. „So leidenschaftlich, dass ein Adliger mal gesagt haben soll, dass er sich mehr von Wilhelm gejagt fühlt, als von der Jagd selbst“, sagt Guido von Büren, Historiker, Mitarbeiter am Museum Zitadelle und Experte für das Jülicher Herzogtum.

Wilhelm hielt auf Schloss Hambach aber auch Hof, in den Wänden einer heutigen Scheune lassen die Aussparungen in der Wand erahnen, wie groß die Kamine waren, die den Prunksaal beheizt haben. Die damalige Größe von Schloss Hambach lässt sich nur noch schwer erkennen, Hambach war ein Wasserschloss, der Wohntrakt mit den vier Türmen war viereckig um einen gepflasterten Innenhof gebaut, die Ausmaße des Vierecks kann man mit einem Fußballplatz vergleichen.

Der Reiche hatte Personal, das mit ihm auf die Reise ging. Aber er hatte an jedem seiner standesgemäßen Wohnsitze auch Untergebene, die die Gebäude ständig bewirtschaftet haben. „Das waren ein Burggraf als eine Art Hausmeister und eine Kammerfrau, die ihrerseits auch noch Personal hatten“, erklärt von Büren. „Insgesamt hatte er an jedem Ort ein gutes Dutzend festes Personal.“

Wilhelm hatte einen Mundschenk, der ebenfalls adlig war. Meistens waren die Kinder des Mundschenks für den Tischdienst zuständig. Es gab sogar die sogenannte Giftprobe. Bevor der Herzog bei großen Anlässen trank, testete ein Vorkoster. Weniger, um ein Giftattentat zu verhindern, sondern mehr, weil das im Hochadel als protokollarisches Statussymbol so sein musste.

Gab es was zu feiern, dann ließ sich Wilhelm nicht lumpen. Bestes Beispiel ist die Hochzeit seines Sohnes Johann Wilhelm im Jahr 1585 mit Jakobe von Baden. „Das war eines der herausragenden Feste im Rheinland im 16. Jahrhundert“, berichtet von Büren. Acht Tage lang hätten 1500 Menschen in Düsseldorf durchgefeiert mit Schauspiel, Musik, drei Feuerwerken am Rhein und einem Zuckerbankett.

Zuckerbäcker hatten eine gut 50 Quadratmeter große Landschaft mit Gebäuden, Pflanzen, Skulpturen, Bestecken, Wappen und der Brauturkunde geschaffen. Der Düsseldorfer Zuckerbäcker Georg Maushagen hat 2008 eine Kopie des Zuckerbanketts geschaffen, die halb so groß war wie das Original. 750 Kilogramm Zucker und fast ein Jahr Arbeit habe er dafür gebraucht.

„Da ist nicht auszumalen, wie lange das damals gedauert hat“, sagt Maushagen. Und was das Bankett gekostet hat. „Zucker war damals sehr selten und teuer. Man hätte es in Gold aufwiegen können.“ Und dann haben die Hochzeitsgäste das Kunstwerk aus Zucker einfach aufgegessen. Im Gegensatz zu Maushagens Replik, die seit 2008 in verschiedenen Museen zu sehen war.

Das opulente Essen lässt schon vermuten, dass Herzog Wilhelm V. auch in Sachen Klunker reichlich bestückt war. „Auf den offiziellen Porträtbildern hat er sehr viel Schmuck getragen“, erklärt von Büren. Im Alltag sei das vermutlich anders gewesen.

Trotzdem, auch bei den Accessoires war Wilhelm V. weit vorne. „Es gab einen Hausschatz mit vielen kostbaren Prunk- und Trinkgefäßen. Das kann man auch als eine Art Wertanlage bezeichnen“, sagt von Büren.

Bei Hof gab es ein Berufsbild, das heute kaum noch bekannt ist, Wilhelm V. hatte einen Tapeseriemeister, also jemanden, der dafür zuständig war, die Wanddekoration den Anlässen entsprechend zu gestalten. Angesichts der vielen Gemäuer ein Job mit viel Arbeit.

Stille Örtchen waren je nach Modell auch ein Statussymbol. Einen Nachttopf mit Sichtschutz mitten im Schlafzimmer konnten sich nur die Großen leisten. Auch Wilhelm hatte einen solchen. „Ob er diesen regelmäßig benutzt hat, ist nicht überliefert“, sagt von Büren. Schließlich waren herzöglichen Behausungen mit in den Wänden liegenden Toilettenschächten versehen. Reinigungspersonal inklusive.

Ansonsten war das mit der Hygiene schwierig, einen Zahnarzt hatte der Herzog nicht, nicht mal eine Zahnbürste. „Es ist kein Zufall, dass man alle diese großen Personen aus der damaligen Zeit auf ihren Porträtbildern nie lächeln sieht“, erklärt Guido von Büren. Wenigstens ein Bereich, in dem der reiche Willi ein paar Lücken hatte.

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