Jülich - Von „Turbo-Hühnern”, Totlegern und paarungsunwilligen Luchsen

Von „Turbo-Hühnern”, Totlegern und paarungsunwilligen Luchsen

Von: Volker Uerlings
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Die Volieren der Schleiereulen am Brückenkopf sind sogar flugtauglich.

Jülich. Winterfest ist der Brückenkopf-Zoo schon seit Wochen. Zu groß ist die Gefahr, dass Tränken oder Leitungen einfrieren. Deshalb hat das Tierpfleger-Team die Wasserversorgung, die der Witterung ausgesetzt ist, kurzerhand abgestellt. Das ist gleichbedeutend mit Mehrarbeit.

Armin Käsmann: „Zum Rotwild und zu den Schweinen müssen wir das Wasser jetzt fahren.” Auf die Jahreszeit können sich die guten Geister des Zoos einstellen, auf einen gewalttätigen Eindringling nicht. Der Marder hat zum zweiten Mal binnen Wochen ein Massaker angerichtet.

Der Marder im Blutrausch

Als Armin Käsmann am Morgen das Freigehege von Federvieh und Wasservögeln erreichte, stockte ihm der Atem. „Der Marder hat in der Nacht gewütet und 25 Tiere getötet. Wenn um ihn herum die aufgeregten Vögel flattern, verfällt er in einen regelrechten Blutrausch”, erklärt der Tierpfleger, der an der Seite von Hans Kehl seit Jahrzehnten den Jülicher Zoo managt. Vier Wochen zuvor waren es „nur” 20 Tiere, die vom Raubtier mit dem langen Körper totgebissen wurden. Jetzt ist Schluss, die Mannschaft des Zoos hat sozusagen die „Terror-Abwehr” gestartet.

Rund um die Volieren liegen Elektro-Litzen, die nicht nur für Marder bei Berührung unangenehm sind. Außerdem wurden Fallen aufgestellt. „Natürlich Lebendfallen, wir wollen kein Tier töten”, erklären Armin und seine Frau Karin Käsmann, die im Zoo für die Abteilung Pferde, Ponys und Esel verantwortlich zeichnet. Wenn er erwischt wird, wollen ihn die Fallensteller auswildern. „Irgendwo in der Eifel, Hauptsache weit weg.”

Die Tierpfleger zucken

Die Raubtier-Attacken erklären auch, warum die Tierpfleger zunächst zucken, als sie nach dem Gesamtbestand am Brückenkopf gefragt werden. „Etwa 500. Aber jetzt 25 weniger”, antwortet Armin Käsmann leicht verbittert. Schließlich gehören zu den Opfern seine „Lieblinge”. Käsmann: „Die heimischen Vogelarten sind meine Sache.”

Er hat es sich im Brückenkopf-Zoo zur Aufgabe gemacht, Arten zu züchten, die auf der Roten Liste stehen, also vom Aussterben bedroht sind. Dazu zählen der Westfälische Totleger, der Bergische Kräher oder das Rheinländer-Huhn, das in der Eifel entstanden ist. Diese Arten haben inzwischen wenig Chancen auf eine natürliche Bestandsvergrößerung, weil sie mit den „Turbo-Hühnern”, die jeden Tag ein Ei legen, nicht mithalten können. Sie zu bewahren, ist eine Aufgabe der Tierfreunde am Brückenkopf.

Neben den „Stars” des Zoos - Wölfen, Luchsen, Ponys, Eseln und Pfauen - sind Greifvögel und Eulen sicher eine Stärke des kleinen, aber feinen Tierparks, den die Jülicher seit Jahrzehnten schätzen - und durch die Eingemeindung in den Brückenkopf-Park nun auch Besucher von Nah und Fern. Ob Uhu, Schleier-, Waldohr- oder Schnee-Eulen, die sich derzeit in ihrem Element fühlen: Die nachtaktiven Jäger sind nicht von ungefähr „Wappentier” des Brückenkopf-Vereins, der den Zoo nach Kräften unterstützt. Dennoch teilt Jülich das Schicksal vieler Tierparks und leidet unter chronischer Geld-Knappheit.

Bald: Nachwuchs bei den Zwergziegen

Hans Kehl, Familie Käsmann und weitere Mitstreiter investieren reichlich Idealismus, um den Schutzbefohlenen aus dem Tierreich das bestmögliche Zuhause zu bieten. Ein Lob von außen oder der beständige Wandel motivieren: In Kürze gibt es Nachwuchs bei den Zwergziegen und im Januar bei den Wildschweinen. Immer wieder ein Ereignis, das sich die beharrlich paarungsunwilligen Luchse bewusst entgehen lassen. Ein Fall für den Tierpsychologen?!
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