Jülich - Von Gutmenschen und Gelegenheitssex: Christian Ehring im KuBa

Von Gutmenschen und Gelegenheitssex: Christian Ehring im KuBa

Von: Hilde Viehöfer-Emde
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Christian Ehring begleitete einige Satiresongtexte selbst am Klavier. Foto: Wolfgang Emde

Jülich. Christian Ehring erzählt Geschichten aus seinem Leben, die aber gleichzeitig auch das Lebensumfeld aller Zuhörer im ausverkauften Kulturbahnhof Jülich betrafen.

Wie ein roter Faden zog sich seine eigene Familiengeschichte mit Frau, Sohn und Hausbau durch sein Programm. Diese anscheinend harmlosen Themen legten aber die Problematik der Gesellschaft offen. Er betrachtete die Menschen kritisch, mit einer gewissen Selbstironie. Dabei sprach er eine deutliche Sprache, die es auch an Deftigkeit nicht mangeln ließ.

Die ganze Ernsthaftigkeit ließ aber immer ein Augenzwinkern zu, gab viel Raum für humorvolle Interpretation und sorgte für gute Stimmung im Publikum. Dass die Zuhörerschaft fast aus allen Altersklassen bestand, war an den Reaktionen und Emotionen abzulesen. Jeder fand sich angesprochen und hatte ganz persönlichen Spaß.

Christian Ehring wollte gemäß des Ausspruchs von Hannelore Krafft „keinen Zuschauer zurücklassen“. Die frei werdende Einliegerwohnung war der Einstieg in die Flüchtlingsproblematik, die aus verschiedenen Perspektiven betrachtet wurde. Das Helfersyndrom einiger Gutmenschen wurde analysiert und auf humorvolle Weise auf den Prüfstand gestellt. Resümee: Es kommen Menschen, die Asyl suchen, nicht einfach Asylanten. Köstlich sein Vorschlag zur Erweiterung der Mütterrente. Die Rente bekommen alle, aber sie wird nur auf Helgoland ausgezahlt und der Schiffsverkehr dorthin wird eingestellt. Auch so lassen sich Finanzprobleme lösen.

Auseinandersetzung mit Würselen

Die politischen Parteien bekamen ebenso ihr Fett weg, die Betrachtung des Wahlkampfes gipfelte in einer Auseinandersetzung mit dem schönen Wort „Würselen“.

Genial waren seine Songs, bei denen er sich selbst am Klavier begleitete. Aber das fiel ihm als Liedermacher von „veganen“ Kinderliedern augenscheinlich nicht schwer. „Schrot, du hast das Korn gestohlen“ kam einem dann doch recht bekannt vor. Unterschiede zwischen Frau und Mann waren für ihn sehr einfach zu definieren. Männer sind einfach besser in Masturbation, Ballweitwurf und Gelegenheitssex.

Er zeichnet das Leben auf dem Dorf mit den Begriffen Arbeit, Gülle, Alkoholexzesse, soziale Kontrolle und langsames Internet. Dem gegenüber stand das stadtnahe Wohnen in einer ganz „normalen“ Wohnsiedlung der Oberschicht, der ein großer Häuserblock mit vielen Mietern weichen musste. Dank des roten Fadens der Familiengeschichte waren die thematischen Exkurse kurzweilig und nicht zu weitreichend. Sie waren aber durchaus geeignet, selbst einmal zu nachzudenken und kritisch nachzufragen.

Großen Applaus gab es im Kulturbahnhof für einen Christian Ehring, der niveauvoll bestens unterhielt.

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