Linnich - „Voll im Geschäft“: Linnichs erste Frau auf dem Chefsessel macht Tempo

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„Voll im Geschäft“: Linnichs erste Frau auf dem Chefsessel macht Tempo

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Das Amt ist längst Tagesgeschäft: Bürgermeisterin Marion Schunck-Zenker, hier mit dem Beigeordneten Hans-Josef Corsten im Haushaltsgespräch, hatte nur eine kurze Eingewöhnungszeit. Foto: Jonel

Linnich. Mehr als 100 Tage im Chefsessel des Rathauses liegen hinter Linnichs erster Bürgermeisterin Marion Schunck-Zenker. Im Gespräch mit unserem Redakteur Otto Jonel zieht sie eine erste Bilanz.

Ist der Chefsessel im Rathaus schon Normalität, oder müssen Sie sich dem Sessel noch anpassen?

Schunck-Zenker: Ich würd‘ schon sagen: Ich habe mich angepasst. Die ersten ein, zwei Wochen war es tatsächlich so, dass ich noch hinter mich schaute, wenn jemand „Frau Bürgermeisterin“ sagte. Aber dadurch, dass wir sofort in Thematiken waren, ging das erstaunlich schnell.

Sie wurden und werden als Symbol nicht nur des personifizierten Wandels im Rathaus betrachtet. Haben Sie schon erste Spuren dieses Wandels festgestellt oder hinterlassen?

Schunck-Zenker: Ich glaube schon. Ich habe in den letzten Tagen von Kollegen das Feedback bekommen: Oh! Hier geht jetzt aber ein anderes Tempo vonstatten, als das früher der Fall war. Aber, ich denke, das ist einfach so: Wenn man sich einarbeitet, ist man daran interessiert, dass viele Dinge auf den Weg kommen. In Linnich selber ist es etwas schwieriger. Da haben wir vieles auf den Weg gebracht im letzten Jahr, aber die Dinge brauchen eben ein bisschen länger. Da kann man nicht so schnell etwas ändern, dass man es sieht, als das hier im Haus möglich ist. Aber ich habe viele Gespräche in den letzten Monaten geführt und ich bin recht optimistisch, dass man bald auch etwas sieht.

Gespräche heißt, im Haus oder extern?

Schunck-Zenker: Sowohl als auch: Wir haben mit vielen Investoren gesprochen, die Interesse gezeigt haben, wo wir teilweise vermittelt haben, Leute miteinander ins Gespräch gebracht haben, andererseits mit Interessenten gesprochen haben, die ganz konkret vorhaben, in unserer Stadt etwas zu bewegen.

Wie sind Sie in der Verwaltung nach zwei Jahrzehnten Ära Witkopp als „Neue“ aufgenommen worden?

Schunck-Zenker: Sehr gut! Es ist ganz natürlich, dass man sich nach zwei Jahrzehnten unter meinem Vorgänger vorsichtig abtastet. Aber dadurch, dass wir, wie ich schon sagte, sehr viele Themen vor der Brust hatten, blieb dafür nicht viel Zeit. Die Stimmung im Haus ist, glaube ich, auch sehr gut ebenso wie die Zusammenarbeit.

Kaum im Amt haben Sie die Unberechenbarkeit der Kommunalpolitik erleben müssen. Stichwort Integriertes Handlungskonzept, das beinahe zu Fall gebracht wurde. Wie sind Sie mit diesem Drama umgegangen?

Schunck-Zenker: Vom Grundsatz her ist das IHK ein sehr wichtiges Projekt. Alle Fraktionen haben durch die Bank gesagt: Niemand ist gegen das IHK, aber über die Ausgestaltung müssen wir diskutieren. Es ist völlig korrekt, dass man sich bis zum letzten Moment über die Details austauscht. Nichtsdestotrotz hätte ich mir gewünscht, dass wir einvernehmliche Zielvorgaben gefunden hätten. Das ist nicht gelungen, aber wir haben jetzt einen Beschluss, und ich bin vorsichtig optimistisch, dass wir uns auf einem guten Weg befinden.

Hat sich das Verhältnis zwischen Ihnen und den Fraktionen im Rat gewandelt?

Schunck-Zenker: Ich war schon vor der Bürgermeisterwahl jemand, der offen mit allen diskutiert hat. Das ist mir jetzt um so wichtiger.

Die Zahlen im Haushalt sind nicht gerade rosig. Mit dem IHK kommt eine millionenschwere Hypothek hinzu. Ist Ihr Ziel Haushaltskonsolidierung bis 2021 noch erreichbar?

Schunck-Zenker: Mir ist es klar, dass es schwierig ist. Die Zahlen sind so, dass wir nicht aus dem Vollen schöpfen können. Sie sagten es schon: Für das IHK werden wir zusätzlich Geld in die Hand nehmen müssen. Aber wir tun das, gerade weil wir konsolidieren wollen, weil wir sehen, dass wir unsere Stadt nur dann vorwärts bringen können, wenn wir auch Einnahmen erzielen. Ich habe überhaupt kein Interesse daran, dass am Ende der fünf Jahre der Schuldenstand enorm gestiegen ist. Aber man muss auch realistisch sein und erkennen: Wir werden die Aufgabe nicht allein stemmen können. Es kommt ganz auf die Höhe der Umlagen und auf die Frage einer auskömmlichen Finanzierung an.

Karneval ist vorbei, die erste große Terminschlacht geschlagen. Man erwartet von Ihnen öffentliche Omnipräsenz. Wie verkraftet das Ihr Privatleben?

Schunck-Zenker: Das war mir ja bewusst. Wir haben das Privatleben schon etwas organisieren müssen. Aber das lässt sich beides gut vereinbaren.

Gab es einen besonderen Moment in den ersten drei Monaten?

Schunck-Zenker: Für mich besonders beeindruckend war die Möglichkeit, bei der Demonstration „Bunte Stadt an der Rur“ auf dem Kirchplatz zu stehen und diese Masse von Menschen zu sehen, die sich aufgestellt hat, um zu zeigen: Wir möchten hier kein fremdenfeindliches Gedankengut.

... und die negative Überraschung?

Schunck-Zenker: Das war die Sache mit dem Integrierten Handlungskonzept. Da hätte ich mir schon gewünscht, wir wären nicht so unter Zeitdruck geraten.

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