Volksschule Inden: Schulklasse feiert besonderes Jubiläum

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70 Jahre ist ihre Einschulung in Inden her. Das haben die einstigen Klassenkameraden gefeiert. Foto: Broderius

Inden/Altdorf. „Da muss ich oft dran denken“, sagt Gertrud Schleipen. Daran, wie komisch es sich anfühlt, wenn aus einer ehemaligen Klasse von 36 Schülern nur noch 10 übrig geblieben sind. Kein Grund, mit diesen 10 nicht trotzdem noch an der Tradition des Klassentreffens festzuhalten – auch wenn es schon das 75-jährige ist. Gemeinsam sitzen sie zusammen, erinnern sich an alte Zeiten.

Zeiten, die vor allem durch eines geprägt waren: Fliegeralarm. 1941 trafen die Mitschüler zum ersten Mal im Klassenraum der Unterklasse in der Volksschule in Inden zusammen. Die Unterklasse setzte sich aus dem 1. und 2. Schuljahr, die Mittelklasse aus dem 3. und 4., und die Oberklasse – dann in weiblich und männlich unterteilt - aus dem 5. bis 8. Schuljahr zusammen.

Fliegeralarm und Evakuierung

Mitten im vierten Schuljahr war aber erst mal Schluss: Schon vor der Evakuierung am 12. September 1944 wurde die Schule geschlossen: wegen Fliegeralarm, Tieffliegern und nahender Front. Erinnerungen, die die Kindheit geprägt haben. „Ich erinnere mich noch genau daran, wie wir im Luftschutzbunker ausgeharrt haben. Wir wurden damals nach Sachsen evakuiert. Als Kind erlebt man das anders: Man versteht nicht viele Hintergründe, aber fühlt sich wie in einem Abenteuer“, so Schleipen.

Wie es vorher war? „Bei jedem unterschiedlich. Ich selbst hatte das Glück, nie etwas wirklich Schlimmes sehen zu müssen. Manche hatten mit den Nazis zu tun, manche nicht. Eines war jedenfalls vorher wie nachher so: Es wurde nicht viel drüber geredet. Vor allem nach dem Krieg wurde vieles totgeschwiegen, unabhängig von Schuld oder Unschuld.“ Schleipen selbst war Bäckerstochter und musste schon früh mithelfen und in der Bäckerei arbeiten.

Etwas, dass ihr dann nachher zugutekam: Hunger leiden musste sie im Gegensatz zu vielen Stadtkindern nicht. Im Herbst 1945 wurde der Unterricht der Volksschule Inden wieder aufgenommen – allerdings in dem nun schwer beschädigten Schulgebäude. Papier und Bücher waren Mangelware, schließlich durften die NS-Lehrbücher nicht weiter verwendet werden. Auch Lehrer fehlten.

Der Handarbeitsunterricht für Mädchen wurde deswegen von einer Ordensschwester in der sogenannten „Nähschule“ übernommen, während die Jungen sich mit Raumlehre (Geometrie) beschäftigten. Zerstört und niedergebrannt waren vor allem aber viele Wohnhäuser. „Unser Haus war bis zum Keller ausgebrannt“, erinnert sich Schleipen. „Ich hab dann mit Regenschirm im Bett gelegen, weil das Dach undicht war.“ Der Wiederaufbau begann gegen 1947.

Offizielle Schulentlassung war im Frühjahr 1950, von anfangs 36 Schülern waren noch 28 bei der Entlassung dabei. Einer starb an Typhus, ein anderer durch das Spiel mit Munition, manche waren nach der Evakuierung nie zurückgekehrt – aber eines hat bis heute Bestand: die Verbundenheit mit der alten Klassengemeinschaft.

Selten ist nicht nur, dass es noch Zeugen gibt, die von ihrer Kindheit im 2. Weltkrieg berichten können, sondern vor allem die Tatsache, dass eine Klasse von da an bis heute regelmäßig Klassentreffen organisiert – bis hin zum 75. Jubiläum. Zu verdanken ist das insbesondere Heinz Schwieren, der dafür immer wieder die Initiative ergreift. Insgesamt war es das sechste Klassentreffen. „Wir haben immer viel Spaß zusammen gehabt. Ich finde es so schön, sich nicht aus den Augen zu verlieren. Oft passiert das, weil keiner ich verantwortlich fühlt“, so Gertrud Schleipen.

Teilnehmer des Klassentreffens aus dem Einschulungsjahrgang 1941: Heinz Schwieren, Heinz Bäcker, Barbara Krebs, Barbara Krebs, Josefine Bräuer, Gertrud Koep, Marlies Schramm, Getrud Schwade, Getrud Schleipen, Josef Peters.

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