„Visual Music“: Digitale Bilder mit Klängen verschmolzen

Von: ptj
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Die noch junge computergestützte künstlerische Ausdrucksform verknüpft Bild und Klang und sorgt für eine Wahrnehmung mit allen Sinnen. Dr. Hiromi Ishii verfolgt die audio-visuelle Präsentation. Foto: Jagodzinska

Jülich. „Für manche war die Veranstaltung sehr eindrucksvoll, für manche eine Herausforderung.“ Mit diesen Worten brachte Justus Peters, stellvertretender Vorsitzender im veranstaltenden Kunstförderverein Kreis Düren (in Kooperation mit dem Museum Zitadelle) abschließend die Resonanz des „Visual Music“-Abends in der Schlosskapelle auf den Punkt.

Wie Vereinsvorsitzender Dr. Hans-Joachim Güttler eingangs betonte, verknüpft die noch junge computergestützte künstlerische Ausdrucksform das bewegte Bild und den Klang „auf Augenhöhe“ miteinander. Güttler nannte den Begriff „Synästhesie“, eine Wahrnehmung mit allen Sinnen, die das Gehirn überreagieren lässt.

Präsentiert wurden neun Werke in Full HD, komponiert von den weltweit engagierten Composer/Media-Artists Dr. Hiromi Ishii und Professor Wilfried Jentzsch. Der erste Titel „Widerschein des Lichtes“ von Jentzsch basiert etwa auf einer kosmischen Idee, dem Widerschein des Lichtes der Erde auf dem Mond, von der Erde aus betrachtet.

Versinnbildlicht wird diese Idee durch sich strahlenförmig ausbreitendes Licht und seine Brechungen, Drehungen und Rotationen. Körnig-pulsierende Strukturen erzeugen Plastizität. Das Klangmaterial setzt sich aus einer Tibetschale, dem Gesang eines tibetanisches Mönches und einer Knabensingstimme zusammen. Ein weiteres Beispiel aus Jenzschs‘ Kompositionen ist „Tamblingan“, ein See auf Bali.

Inspiriert wurde der Composer durch das reflektierende Sonnenlicht auf dem See, überlagert von Geräuschen aus dem Regenwald. Durch Granulierung bilden die Vibrationen des Zusammenspiels von Licht und Farben einerseits und durch stimmenähnliche Klänge und diffuse Geräusche bestimmte Musik andererseits eine innere Beziehung.

Eine wichtige Rolle in Ishiis Werk „A Tale of Wind“ spielt die japanische Bambusflöte Shakuhachi, bis Mitte des 19. Jahrhunderts religiöses Gerät buddhistischer Mönche. Mit dem Erscheinen eines Bettelmönchs im modernen Tokio entstehen widersprüchliche soziale Parallelwelten zwischen der „Spiritual world“ des Bettelmönches und der Geschäftswelt.

Diese audiovisuelle Komposition zählte zu den wenigen mit figürlichen Fragmenten. Zweites Beispiel aus Ishiis Repertoire ist das dreiteilige Werk „When the Bells Are Rebuilt“ (Wenn die Glocken wiederaufgebaut werden) mit den Unterthemen „Ewigkeit und Wandel“, „Jakobs Traum“ und schließlich „Wandel und Ewigkeit“. Die Klangmaterialien stammen aus Klöstern, dazu zählen rekonstruierte Handglocken, Orgelklänge oder das Geräusch einer Truhe.

Das visuelle Material entstammt einem Marienbild oder der Federzeichnung „Jakobs Traum“ und wurde digital von seiner wiedererkennbaren Gestalt bis zur abstrakten Form verarbeitet. Einzig absolut erkennbares Bild war die letzte kurze Einblendung mit biblischen Motiven.

Wer seiner Fantasie freien Lauf lassen konnte und gleichzeitig bereit war, sich auf magische Urformen allen Daseins einzulassen, kam in den Genuss einer unvergesslichen „Visual Music“-Erfahrung. Allerdings verließen im Laufe der ersten Stunde bereits rund 30 Zuhörer und Zuschauer die zuvorvoll besetzten Schlosskapelle.

Anlässlich eines plötzlichen Schwächeanfalls eines Gastes mitten im letzten Werk nutzten noch einmal viele Menschen die Gelegenheit, eilig zu verschwinden. „Wie unhöflich!“, raunten wiederum andere und spendeten den beiden Composer/Media-Artists nicht enden wollenden Applaus.

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