Viele stehen Pfarrer Charles Cervigne zur Seite

Letzte Aktualisierung:
11803034.jpg
Nach dem Solidaritätsgottesdienst war beim Beisammensein in den Gemeinderäumen Gelegenheit zu Gespräch und persönlichen Worten an Charlie Cervigne. Foto: Regina Hark

Aldenhoven. Die evangelische Kirche in Aldenhoven war an diesem Sonntag überfüllt – gewissermaßen Heiligabend mitten im Februar. Kinder jedes Alters, Jugendliche, Familien, Großeltern – sie alle waren gekommen, um ihrer Solidarität mit ihrem Pfarrer Ausdruck zu verleihen.

Charles Cervigne war vor wenigen Tagen Opfer einer körperlichen Attacke geworden, die offensichtlich im Zusammenhang mit seinem Engagement für Flüchtlinge und Asylbewerber steht. Und so, wie freundliche Menschen in der Nacht vor diesem Gottesdienst um das Pfarrhaus herum „Bewachungsspaziergänge“ unternommen hatten, so machte auch die übergroße Gottesdienstgemeinde deutlich: Wir stehen hinter unserem Pfarrer, lassen ihn nicht allein!

Viele Steine – ein Felsen. Viele Menschen – eine starke Gemeinschaft

Der Superintendent des Kirchenkreises Jülich, Pfarrer Jens Sannig, war unter ihnen, Pfarrerin Ariane Stedtfeld vom Gemeindedienst für Mission und Ökumene, der Bundestagsabgeordnete von Bündnis 90/Die Grünen, Oliver Krischer, Pfarrgemeinderat und Kirchenvorstand der katholischen Pfarrgemeinde Aldenhoven, der Vorstand des örtlichen Moscheevereins, Vertreter der Kommunalverwaltung, Evangelische und Katholische, Muslime und Kirchenferne – sie alle waren dem Aufruf des Jugendmitarbeiters Lothar Thiele gefolgt.

Er hatte eingeladen zu diesem Gottesdienst und zu einer besonderen Aktion: Alle Anwesenden hatten jeweils einen Stein mitgebracht. Lothar Thiele: „Aus diesen vielen Steinen werden wir einen Felsen bauen. So wie viele Steine einen stabilen Felsen bilden, so bilden viele Menschen eine stabile Basis der Solidarität und des Kampfes gegen Menschenverachtung und Hass. Das, was geschehen ist, macht uns nur stärker. Wir machen weiter – in voller Solidarität mit Charlie und mit all den Menschen, die uns anvertraut sind!“

„Du lass dich nicht verhärten“- die Botschaft für diese Zeit. Pfarrer Cervigne drückte gleich mit dem ersten Lied seine Haltung nach dem Anschlag aus: Was Wolf Biermann noch zu DDR-Zeiten gedichtet hatte, ist offensichtlich auch heute noch oder wieder aktuell. Und so sangen der Pfarrer und mit ihm eine Handvoll älterer Menschen das Lied von der Ermutigung in schweren Zeiten.

„Es geht nicht um mich – es geht um die Sache!“ Das stellte er unmissverständlich klar. Und die Sache, so Charlie Cervigne, das sind die Menschen, die als Flüchtlinge, als Asylsuchende kommen und ein Stück Heimat und Geborgenheit suchen. Es gehe um Menschlichkeit; es gehe darum, den Menschen in Not ihre Würde zurück zu geben. Und das Engagement betreffe die Menschen vor Ort und zugleich die Menschen in Not weltweit.

Der Anschlag auf seine Person könne nichts daran ändern: „Wir werfen uns dem Leben in die Arme. Wir sind dankbar für das Leben und dafür, dass wir einander haben.

„Wir haben es ja noch gut. Nach einem solchen Anschlag gibt es eine große Solidarität. Das ist in anderen Teilen unseres Landes durchaus ganz anders.“

Solidarität und Anteilnahme

Charlie Cervigne berichtete von einer großen Anzahl an Mails, Briefen und anderen Äußerungen der Solidarität und Anteilnahme. Übrigens auch von Menschen, die der rechten Szene angehören.

Stellvertretend für alle las er drei Botschaften vor: Von Kathrin Göring-Eckhardt aus Berlin, die ihm für seine Arbeit für Geflüchtete dankt; von der elfjährigen Sarah, die sicher ist, dass Gott ihm helfen wird; und von einem 88-Jährigen aus der Gemeinde, der bergmännisch kurz und knapp formuliert: „Kopf hoch, nicht unterkriegen lassen und weitermachen!“

Und genau das sei auch sein Fazit nach den Ereignissen der vergangenen Tage: „Wir werden liebevoll weitermachen hier vor Ort! Lasst uns für das Leben kämpfen!“

Mit einem herzlichen Dank für alle Unterstützung, Anteilnahme und Ermutigung schloss der Gemeindepfarrer den Gottesdienst.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert