Lich-Steinstraß - Viele Hilfsdetektive genießen Mitratekrimi

Viele Hilfsdetektive genießen Mitratekrimi

Von: ptj
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Pathologe Manfred Rau (l.) erklärt dem ermittelnden Bruno Kowalsky (Ferdi Wagemann, 2.v.l.), dass es sich um einen Giftmord handelt. Im Bild sind ferner Gerda Senftleben (Andrea Heinrichs, Bildmitte), Pinkie (Sandra Peters, 2.v.r.) und Hubertus von Schönefeld (Hans-Dieter Emunds, r.). Foto: Jagodzinska

Lich-Steinstraß. Wer hatte ein Motiv? Welche Indizien gibt es? Wer ist der Mörder? Mit diesen Fragen beschäftigten sich nicht nur die ausdrucksvollen Schauspieler der Theatergruppe „Theaterlust“ des Heimatvereins Lich-Steinstraß, die mit dem Mitratekrimi „Jetzt oder nie“ von Cornelia H. Müller bereits ihr fünftes Theaterstück auf die Bühne brachten.

Eingeladen waren auch die Gäste im ausverkauften Andreashaus, sich in der Pause bei Sekt und Häppchen die Beweisstücke anzuschauen und sich am Ratespiel „Ermittlungen aller Art“ mit Preisverleihung zu beteiligen.

„Leider konnten wir auch in diesem Jahr nicht alle Kartenwünsche erfüllen“, bedauerte Organisator Herbert Hüpgen. Will heißen: Alle vier Aufführungen waren schnell ausverkauft. Die Handlung des kurzweiligen Zweiakters spielt sich folgendermaßen ab: Die vornehme „Sophien“-Seniorenresidenz führt der geschäftstüchtige und dem eigenen Geschlecht zugeneigte Hubertus von Schönefeld (Hans-Dieter Emunds), der seinen betuchten älteren Herrschaften für 8000 Euro monatlich einige Attraktionen bietet.

Gar nicht passend erscheint ihm da die vom Arbeitsamt entsandte, flippige und ständig Kaugummi-kauende Berlinerin Pinkie alias „Tigerlilly Opaschewski“ (Sandra Peters). Sie soll ihm im Rahmen eines Tanzfestes im Advent zur Hand gehen und stellt sich trotz ihres schrillen Outfits und lila-pinker Tina-Turner-Mähne sehr geschickt an.

Weitere Probleme beschäftigen Hubertus: Die wohlhabende und eingebildete Charlotte Meierling (Petra Brandt) hat sich in Kitzbühel mit dem vermeintlich reichen Dr. Knut Stiegendreher (Hans Nehr) verlobt und will zu ihm in seine Villa ziehen, im Gepäck ihre Schwester Clothilde (Heike Hilger), mit der sie eine Suite in der Residenz bewohnt. Clothilde soll ihr dort den Haushalt führen. Eine Katastrophe für die wirtschaftliche Lage der Residenz.

Belastend ist ebenfalls die Tatsache, dass der liebenswerten, aber sehr vergesslichen Bewohnerin Gerda Senftleben (Andrea Heinrichs) durch Betreiben ihrer geldgierigen Verwandtschaft die Entmündigung droht. Eine weitere Haupt- und Doppelrolle spielt Ferdi Wagemann als „Versicherungsboxer und Superermittler“ Bruno Kowalsky, der in einer netten Nebenrolle als schwuler Maler für einiges Gelächter sorgt.

Ebenfalls eine Doppelrolle bekleidet Manfred Rau als italienischer Taxifahrer und als plötzlich aus dem Publikum auftauchender Arzt und Pathologe, als es eine Leiche zum Dessert gibt – in Gestalt des eingetroffenen Bräutigams. Als Postbote überbringt Wolfgang Brandt zuvor die Nachricht vom finanziellen Ruin Charlottes. Als raffgierige Maria Senftleben ist Rita Hamacher noch in die Handlung integriert, für das Publikum nur als Telefonstimme wahrnehmbar.


Wissenswert ist ebenfalls die Tatsache, dass Clothilde wegen einer Jugendleidenschaft von ihrem Vater enterbt wurde, der alles Geld seiner Schwester vermachte. Ihr einziges Erbe ist ein Bild – gemalt von Veronika Hüpgen – dass sich später als zwei Millionen-schwerer Picasso herausstellt. Die Ereignisse auf der Bühne überschlagen sich. Der Pathologe geht im Keller seinem blutigen Tagwerk nach und weist Giftsubstanzen im Körper des Ermordeten nach.

Indizien belegen, dass nicht nur ein Heiratsschwindler und Betrüger am Werke war. Die einzige ehrliche Haut scheint die kesse Berlinerin zu sein. Kurzweilig und amüsant waren die signifikante Sprechweise der Schauspieler und ihre Dialoge: „Ich finde, Sie sollten rhetorisch etwas abrüsten“, rät etwa von Schönefeld den Schwestern Meierling, als es zum Streit kommt. Oder Pinkies Feststellung, als sie Charlotte kennenlernt: „Manche Menschen hat dä liebe Jott einfach nur nach Feierabend jemacht.“

Neben dem lebendigen Spiel der Akteure unter Regie von Andrea Heinrichs ist die herausragende Leistung des Technikteams, bestehend aus Peter Grüdl, Hans-Gerd Schnitzler und Robert Seifert erwähnenswert. Sie gaben der Handlung durch punktgenaue Licht- und Tonsequenzen den letzten Schliff. Nach einer gelungenen und reichlich beklatschten Premiere zum kleinen Jubiläum gab es reichlich Grund zum Feiern.


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