Viele Fragen zur Zukunft der Rübenbauern in Jülich

Von: Antonius Wolters
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Aus allen Nähten platzte die Kantine der Jülicher Zuckerfabrik, als dort mehr als 300 heimische Landwirte darüber informiert wurden, wie es 2017 nach Auslaufen der noch geltenden Zuckermarktordnung weitergehen soll. Foto: Pfeifer & Langen/Franz Ritz
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Heinz Leipertz und sein 18-köpfiges Beraterteam betreuen die rheinischen Rübenbauern. Foto: Wolters

Jülich. Nach dem Stotterstart ins Rübenjahr 2016 mit einer ungewöhnlich langgezogenen Saatperiode haben sich die noch klein gewachsenen Pflanzen inzwischen prächtig entwickelt. „Die Rüben sind gut aufgelaufen und stehen dicht, weil es keinen Frost und keine Verschlämmung gegeben hat“, berichtet Heinz Leipertz, der bei Pfeifer & Langen (P+L) den Bereich Landwirtschaft im gesamten Rheinland koordiniert.

Hier ist P+L mit den Werken in Appeldorn, Euskirchen und Jülich Vertragspartner für rund 3800 landwirtschaftliche Betriebe, deren Zuckerrüben verarbeitet werden. Während aktuell genügend Wasser für die jugendliche Entwicklung der Rüben da ist, die „wie Haare auf dem Hund stehen“, wie es Leipertz blumig formuliert, wirft das Getreide bereits die untere Blattetage ab. Ein Zeichen dafür, dass der Bodentank schon gut geleert ist. Gleichwohl gilt für die Rüben, dass eine gute Basis gelegt worden ist, auch wenn über die späteren Ertragsaussichten erst die Folgemonate entscheiden.

Die letzten Quotenrüben

Heranreifen werden dann die letzten Quotenrüben, bevor im kommenden Jahr die bestehende Zuckermarktordnung mit festen Quoten und Mindestpreisen abgelöst wird durch ein marktwirtschaftlich geprägtes System, bei dem Angebot und Nachfrage den Preis bestimmen.

Dass dieser Übergang von der etablierten Marktordnung ins freiere Spiel der Kräfte die Erzeuger verunsichert, war schon im Januar bei der Mitgliederversammlung des Rheinischen Rübenbauernverbandes zu spüren. Entsprechend groß war deshalb der Andrang in den letzten drei Wochen bei insgesamt 22 intensiven Informationsveranstaltungen, in denen Heinz Leipertz erläuterte, wie ab 2017 das neue System mit Vertragsliefermengen gestaltet werden soll.

Produktion an drei Standorten

„Ich glaube, dass wir den Übergang von der regulierten Zuckerproduktion in den freien Markt gut hinkriegen“, lautet das Credo des Rübenexperten, der die Aussage des P+L-Geschäftsführers aus dem Januar wiederholte, dass der Konzern weiterhin an allen drei Standorten Zucker aus heimischen Rüben herstellen wolle und sich deshalb für Stärkung und Erhalt seiner Werke einsetze.

„Die Landwirte ziehen mit, die Stimmungslage ist gut“, hat es laut Leipertz nach den Veranstaltungen bereits etliche positive Rückmeldungen gegeben. So seien die ersten festen Liefermengen für einen Zeitraum von drei Jahren gezeichnet worden. Um Marktschwankungen besser ausgleichen zu können, gibt es neben den Drei-Jahres-Verträgen als stabiles Element auch einjährige Liefermengen, die gezeichnet werden können.

Dass der heimische Rübenzucker konkurrenzfähig ist, steht für den praktizierenden Landwirt und Anbauberater ohnehin außer Frage. Das Rheinland als Gunstregion für den Zuckerrübenanbau biete mit den ertragreichen Lössböden, Wasser und Licht beste Voraussetzungen für die aus dem Mittelmeerraum stammenden Pflanzen, deren Erträge durch intensive Bemühungen der Züchter stetig an die hiesigen Verhältnisse angepasst worden sind. Mit allein 16 Millionen Einwohnern in NRW sei die Zuckerrübe prädestiniert für die lokale Produktion und den Verbrauch ohne lange Transportwege, den sich auch Pfeifer & Langen mit seinem Bekenntnis zur Rübe auf die Fahnen geschrieben hat.

Heinz Leipertz hat sich mit den jüngsten Informationsveranstaltungen und bei der anschließenden Diskussion zwar schon etliche Abende um die Ohren geschlagen, doch das Informationsbedürfnis in der Landwirtschaft ist weiterhin groß.

So sei die Beratung inzwischen nicht nur auf den eigentlichen Rübenanbau beschränkt, sondern habe den gesamten Betrieb im Blick, haben Leipertz und sein Beraterteam festgestellt.

Starke Stellung in der Fruchtfolge

So erwarten Berater der Landwirtschaftskammer, dass die Zuckerrübe ihre starke Stellung in der Fruchtfolge behalten und ausbauen wird, da bis zu 500 Euro mehr pro Hektar zu erlösen seien. Ob es so kommt, wird sich zeigen, wenn die ersten drei Jahre im freieren Markt bilanziert werden.

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