Viele Fragen zum Solarturm

Von: jan
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Im Inneren des Solarturms: Dr. Karl-Heinz Funken erklärt die Einrichtung und hält eine der Receiver-Caps in der Hand. Foto: Guido Jansen
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Einführung vor dem 60 Meter hohen Solarturm: Dr. Karl-Heinz Funken begrüßt die Leser. Foto: Guido Jansen

Jülich. Als Karl-Heinz Funken als Letzter die Türe des Solarturms in Jülich hinter sich geschlossen hatte, brandete Applaus auf. 14 Leser unserer Zeitung klatschten. Ihr Applaus war der Dank für die zwei spannenden Stunden, die sie zuvor erlebt hatten.

Die Einblicke, die sie bei der Führung durch die Forschungseinrichtung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) gewonnen hatten, sind selten. „Wann hat man schon mal die Gelegenheit, eine solche Anlage von innen zu sehen“, formulierten einige der 14 Leser, warum sie schon mit großer Vorfreude und ebenso großem Wissensdurst zum Solarturm gekommen waren.

Die Nachfrage nach dem Termin im Rahmen unserer Aboplus-Leserführungen „ganz nah“ war so groß, dass die Teilnehmer gelost werden mussten. Die auf doppelte Weise erstaunliche Erkenntnis, die die Leser gesammelt hatten, könnte in etwa folgendermaßen formuliert werden: So außergewöhnlich ist die Technik zum größten Teil gar nicht, die das DLR-Institut für Solarforschung in Jülich zum Einsatz bringt. „Viele Anlagen kommen so auch in der Industrie oder in Kraftwerken zum Einsatz“, sagte Funken.

Das Besondere ist die Idee, gebündeltes Sonnenlicht umzuwandeln in auf 700 Grad erwärmte Luft, mit der Wasserdampf erzeugt werden kann, der dann eine Turbine antreibt. Die Schwerpunkte der DLR-Forschung liegen zum einen auf dem Material für den Receiver, auf dem das Sonnenlicht gebündelt wird. Funke zeigte den Besuchern eine sogenannte Receiver-Cap, die aus Siliziumkarbid besteht und eine wabenförmige Struktur hat. So wird die Oberfläche vergrößert, auf die das Licht fallen kann.

2153 große Spiegel, die vor dem Turm aufgebaut sind, reflektieren das Licht auf den Receiver. Zudem forscht das DLR daran, wie es die gewonnene Energie am effektivsten speichern kann. Die Antwort nach Ansicht der DLR-Forscher: Energie wird in Form von Wärme gespeichert. Die Speicher bestehen auf Keramik-Blocksteinen. Das sei vor allem günstiger als das Speichern von Strom. „Wir sind davon überzeugt, dass Solarthermik ein Thema der Zukunft ist“, sagte Funken.

Geplant und beschlossen ist der Bau eines zweiten Turms direkt neben dem ersten. „Wir können die große Nachfrage nicht bedienen“, erklärte Funken. Zu viel Zeit ginge während der Experimente für Um- und Aufbauen verloren. Mit zwei Türmen könne parallel umgebaut und experimentiert werden.

Fast schon erstaunt fragten die Leser, warum die Technik, Energie mit Solarthermik zu erzeugen, noch nicht im großen Stil eingesetzt wird. Das sei laut Funken weniger eine Sache der Forscher. „Solange es diese Technik nicht schon hundertfach am Markt gibt, schrecken die Investoren zurück, Banken nehmen höhere Risikozuschläge bei Krediten.“ Genau da setze die Forschung des DLR an, mit der die Technik zur Serienreife gebracht werden soll. Ziel ist es, Solarkraftwerke in Ländern mit mehr Sonnenscheinstunden zu bauen.

Die Leser hatten auch viele praktische Frage. Beispielsweise, wie man 2153 Spiegelflächen sauber hält. „Bei uns erledigt das der Regen“, sagte Funken und deutete gen Himmel. „Heute ist also geputzt worden.“

Außerdem wollten unsere Leser wissen, ob der Turm im Winter weniger effektiv arbeiten könne. „Teilweise“, antwortete Funken. „Die Tage sind kürzer.“ Aber schwächer sei die Energie, die die Sonne liefere, nicht. „Das hängt nicht von der Jahreszeit, sondern von der Bewölkung und dem Anteil der Schwebeteilchen in der Luft ab.“ Und ganz zum Schluss gab der Wissenschaftler ein Kompliment an die Besucher zurück. „Dass Besucher so viel Interesse zeigen und so viele Fragen stellen, erlebe ich selten“, sagte Funken.

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