Viel beklatschter Klezmer-Abend im Bonhoefferhaus

Von: ptj
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Ein viel beklatschtes Konzert in Jülich: Der Komponist Josef Marder aus der Ukraine und die polnische Sopranistin Iwona Bialek traten im Bonhoefferhaus auf. Foto: Jagodzinska

Jülich. Flink glitten die Hände des ukrainischen Komponisten Josef Marder über die Klaviertasten im Bonhoefferhaus in Jülich. Mit „jüdischen Themen“ aus eigener Feder führte er in den musikalischen Abend „Az der Rebbe tanzt“ im Rahmen der jüdischen Woche ein.

Seine Klezmer-Komposition begann in eher wehklagender Stimmung, um dann immer leichter und schneller zu werden. Typisch für die Klezmer-Musik, wo Freude und Leid so nahe beieinander liegen. Im zweiten Teil des Instrumentals wippten die Gäste sogar mit ihren Füßen im Takt.

„Wir begrüßen zwei hoch angesehene internationale Künstler, die uns schon so vertraut geworden sind“, begrüßte Gabriele Spelthahn, Vorsitzende der veranstaltenden Jülicher Gesellschaft gegen das Vergessen und für die Toleranz Marder und die erstklassige polnische Sopranistin Iwona Bialek.

Bis auf drei Instrumentals trugen die Musiker ihr aus jüdischer Tradition stammendes Repertoire gemeinsam vor: ein gelungener Mix aus jiddischen Liedern mit typisch jiddischem Witz, hebräisch/geistlichen Gesängen und einer englischsprachigen Musical-Interpretation.

„Sha Sztil“ (Sei still) lautete etwa der Titel des jiddischsprachigen Stücks, in dem der Zuhörer augenzwinkernd aufgefordert wird, „kein Geräusch zu machen“, weil der Rebbe tanzt, singt oder betet – bis er sogar den Teufel bezwingt. Das jiddische Wort „Rebbe“ steht für den hebräischen Ausdruck „Rabbiner“, ein hoch angesehener Mann in der jüdischen Gemeinde. Er ist gleichzeitig Lehrer, Prediger und Seelsorger und trifft auch verbindliche Entscheidungen in Rechtsfragen – und wird in der jüdischen Tradition daher sehr häufig besungen.

„Bej mir bist du shejn“ (Bei mir bist du schön) oder „Stetle Belz“ sind weitere Beispiele. Im ersten Stück in heiterer Stimmung verspricht der Sänger seiner Angebeteten, sie sei ihm teurer als alles Geld der Welt. Das zweite ist melancholisch ausgerichtet: Ein alter Mann erzählt einem Jungen von seinen Kindheitserinnerungen in seiner ukrainischen Heimatstadt Belz. In englischer Sprache sang Bialek mit der imaginären jüdischen Dorfgemeinschaft aus dem ukrainischen Stetl „Anatevka“ das Sabbat-Gebet „Sabbath Prayer“.

Klar und rein interpretierte sie anschließend in hebräischer Sprache das israelische Friedensgebet „Ose Shalom“ und ließ das ebenfalls hebräische „Halleluja“ folgen. Als Auflockerung zwischen den Stücken bot sie mehrfach einen im Judentum durchaus üblichen Rebbe-Witz. Ein Beispiel ist Protagonist Mendelssohn, der mit der jungen Sarah verheiratet ist und sie an seinem Sterbebett bittet, nacheinander ihren Hochzeitspelz und ihre Perlenkette anzulegen und sich die Nägel zu lackieren. Damit erhofft er sich, der Herr möge doch seine schöne Frau an seiner Stelle zu sich rufen.

Musikalischer Höhepunkt war der Titel, nach dem der Abend benannt war: „Az der Rebbe tanzt“. Gerne folgte das Publikum Bialeks Aufforderung, in dem heiter/rhythmischen Lied die zweite Stimme zu übernehmen und den Rhythmus zu klatschen. Harmonisch fügten sich die beiden Singstimmen zusammen und bereiteten Konzertierenden und Publikum viel Freude. Als Zugabe bot das harmonische Duo das Stück „Oyfn Pripetshik“, wo ein Rabbi am warmen Ofen lehnt und Kinder das Alphabet lehrt.

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