Via Belgica schrumpft auf der Zielgeraden

Von: gep
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Ein Radfahrer mustert das Bauschild an der B 56: Hier wird bereits bei Radlern und Wanderern für das Projekt Via Belgica geworben. Foto: gep

Jülich/Aldenhoven. Das touristische Millionenprojekt „Erlebnisraum Römerstraße“ schrumpft auf der Zielgeraden. Ursprünglich sollten elf Rastplätze (lat. mansio) mit Info-Bereich die historischen Trassen säumen. Es werden aber, wie von informierter Seite verlautet, nur sechs realisiert werden, darunter der Info-Pavillon in Aldenhoven an der B 56 bei Freialdenhoven und der in Jülich auf dem Schlossplatz.

Grund ist, dass ansonsten die ursprünglich veranschlagten Gesamtkosten überschritten worden wären. 7,5 Millionen Euro sind insgesamt veranschlagt, um die die beiden von Köln ausgehenden römischen Staatsstraßen nach Trier/Lyon („Agrippastraße“) und nach Boulogne-sur-Mer („Via Belgica“) touristisch zu erschließen.

Sechs Millionen Euro stammen aus Mitteln des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) sowie aus dem Städtebau-Topf des Landes NRW. 1,5 Millionen bringen die 18 beteiligten Kommunen auf. Dies sind Köln, Hürth, Erftstadt, Bergheim, Elsdorf, Niederzier, Jülich, Aldenhoven, Baesweiler, Herzogenrath und Übach-Palenber, Zülpich, Mechernich, Bad Münstereifel, Nettersheim, Kall, Blankenheim und Dahlem. Koordiniert wird das Projekt vom Amt für Bodendenkmalpflege des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR).

Der symbolische Startschuss für die Arbeiten an der Rad- und Wanderroute erfolgte im Mai 2013 in Erftstadt mit der Pflanzung eines Obstbaumes. Der Pavillon, der über die Via Belgica und die örtlich gelegenen Denkmäler informiert, folgt im Spätsommer.

Die Fertigstellung aller Maßnahmen in den 18 beteiligten Gemeinden ist bis Ende 2013 geplant. Allerdings ist schon absehbar, dass dieser Termin in Jülich nicht ganz eingehalten werden kann. Kämmerer Andreas Prömpers hat in den Haushaltsplänen 2013 und 2014 Positionen in Höhe von 78.000 und 5000 Euro für die Via Belgica stehen. Aus eigener Tasche zahlt Jülich bei 80 Prozent Landeszuschuss 15.600 bzw. 1000 Euro.

In Aldenhoven sind die Wegearbeiten an der Trasse zu 80 Prozent erfolgt, der Rest wird nach den Bauferien durch die beauftragte Bauunternehmung Tholen (BUT), Geilenkirchen erledigt, berichtet Bürgermeister Lothar Tertel. 4,2 Kilometer Wirtschaftsweg werden von Freialdenhoven bis hinter Gut Frauenrath mit einer wassergebundenen Deckschicht aus Splitt und Kalkstein so hergerichtet, damit Touristen per Rad oder zu Fuß den „Erlebnisraum Römerstraße“ erkunden können. Hinweisschilder an der A 44 sollen laut Tertel auch Durchreisende auf diese regionale 2000 Jahre alte Attraktion hinweisen. „Wir wollen so schnell wie möglich fertig werden“, verspricht der Bürgermeister

Pavillon für 32 000 Euro

Mit der Errichtung des Pavillons ist, wie verlautet, die Bauunternehmung Florack, Heinsberg, beauftragt worden – für gut 32.000 Euro. Das Gestaltungskonzept für dieses „Mansio“ sieht ein erhöhtes, 24 mal 41 Meter großes Plateau mit Parkbänken, etwa zwei Dutzend Bäumen, acht Parkplätzen und dem eigentlichen Info-Bereich vor, das von einer Hecke umsäumt wird. An Eigenmitteln wendet die Gemeinde für die Via Belgica insgesamt 50.000 Euro auf, hinzu kommen 25.000 Euro von der regionalen Entwicklungsgesellschaft Indeland GmbH.

Abstriche mussten auch in Jülich gemacht werden. Geplant war ursprünglich, den Verlauf der römischen Staatsstraße auch im Bereich der Stadt Jülich mit Säuleneichen, die eine Banderole mit der Aufschrift „Via“ tragen, zu markieren. Es können aber, so bestätigt Dr. Christoph Fischer vom städtischen Museum Zitadelle, zunächst nur zwei gepflanzt werden – auf Flächen im Besitz des Landes NRW, da in vielen Streckenbereichen die Interessen privater Grundeigentümer berührt seien. „Da wird es dann schwierig“, sagt Fischer.

Der Info-Pavillon auf dem Schlossplatz, der bereits in Arbeit ist, wird gemeinsam mit dem Stadtmarketing im Rathaus errichtet. Dort wird es damit auch andersweitige Touristeninformationen geben.

Im Museum entsteht ein Informations- und Dokumentationszentrum zur Via Belgica, eines von dreien neben dem im Römisch-Germanischen Museum der Stadt Köln und dem im Naturzentrum Nettersheim/Gildehaus (an der Agrippastraße). Die Ausschreibungen laufen.

Römer, Renaissance, Romantik

Nach Fischers Angaben wird in Raum im Südostturm komplett neugestaltet. Drei thematische Begriffe die jeweils mit „R“ beginnen, werden im Mittelpunkt stehen. Dargestellt und erläutert werden die Römerstraße, deren Bau zur Zeit des Kaisers Augustus (63 v. Chr. - 14 n. Chr. )den stadtgeschichtlichen Anfang markiert, die Renaissance, in deren Verlauf ab 1548 die Zitadelle und das Stadtschloss errichtet wurden, und die Romantik, die der in Jülich geborene Landschaftsmaler Johann Wilhelm Schirmer (1807- 1863) repräsentiert.

„Die Fläche, die uns zur Verfügung steht, ist leider nicht so groß, wie sie sein müsste. Deshalb müssen wir schon reduzieren und komprimieren, aber es wird gut“, hat Museumsleiter Marcell Perse bereits versprochen.

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