Verwildertes Grundstück: Die „Distel-Mühle” ärgert Nachbarn

Von: hfs.
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Ärgern sich über das verwild
Ärgern sich über das verwilderte städtische Grundstück an der Linzenicher Straße: (v. l.) Roger Rausch, Christine und Hermann Simon sowie Willy Koslar. Foto: hfs.

Jülich. Wohin man auch schaut, die Anwohner der Linzenicher Straße haben ihre Gärten gepflegt. Säuberlich angelegte Beete, exakt geschnittener Rasen, gestutzte Hecken. Es könnte eine Idylle sein, wäre in der Nachbarschaft nicht das städtische Grundstück „Ölmühle.” Meterhoch strecken sich die Disteln in die Höhe, das Unkraut wuchert, das als Baugebiet vorgesehene Areal sieht mehr als verwildert aus.

„Der ganze Unkrautsamen fliegt in unsere Gärten, besonders der Samen der Disteln macht uns das Leben schwer, ständig müssen wir junge Triebe aus unseren Rasenflächen ausgraben.” Christine Simons schimpft, doch auch die Nachbarn halten mit ihrer Meinung nicht hinter dem Berg.

„Auf einen Nenner gebracht: Das Ganze ist eine Sauerei. Wäre das ein Privatgrundstück, dann stünde längst das Ordnungsamt hier”, ereifert sich auch Roger Rausch. In seinem Garten hat er einen Pool angelegt. „Doch schwimmen kann ich da nicht, denn schließlich will ich nicht die vielen Pollen an meinem Körper haben.” Rausch deutet auf das Wasser, morgens hat er das Becken noch gereinigt. „Jetzt haben wir Nachmittag, würden Sie da reingehen?”, fragt er. In den Pool hat es „geschneit”, weiße Wildkrautsamen laden nicht wirklich ein, ein kühles Bad zu nehmen.

Auch Willy Koslar hat unmittelbar am städtischen Grundstück seinen Garten. „Bis vor einem Jahr hatten wir absolut keinen Ärger. Der Bauer, der dieses Stück angepachtet und bewirtschaftet hat, hat es auch gepflegt.” Natürlich, so Christine Simons, habe man sich mit dem Eigentümer, der Stadtentwicklungsgesellschaft (SEG), in Verbindung gesetzt. „Aber der Herr Drewes (Anmerk.: Frank Drewes ist der Geschäftsführer) sieht keinen Handlungsbedarf”, gibt sie das Gespräch wieder. Schließlich würde ja bald gebaut. Dass die SEG doch noch tätig wurde und einen etwa drei Meter breiten Streifen zwischen den Gärten und dem städtischen Grundstück mähen ließ, sehen die Anwohner als Schildbürgerstreich. „Davon lassen sich die Samen bestimmt abhalten”, meint Hermann Simon sarkastisch.

Wann genau mit den ersten Baumaßnahmen begonnen wird, kann Frank Drewes noch nicht sagen. „Wir haben jetzt einen rechtsgültigen Bebauungsplan. Wenn jetzt in Kürze die im Haushalt erstellte Prioritätenliste greifen kann und der Haushalt durch die Kommunalaufsicht bewilligt wird, können wir anfangen.” Das heißt jedoch nicht, dass gleich die ersten Bagger einen Keller für eines der rund 36 geplanten Einfamilienhäuser ausheben werden. „Zuerst müssen wir ja die Brücke für die Zufahrt zum Baugebiet bauen, dann die Straßen”, weist Drewes auf das Verfahren hin. Womit den Anwohnern an der Linzenicher Straße natürlich nicht geholfen ist.

„Wir werden unser Vorgehen jetzt überdenken und schauen, ob Mittel bereitgestellt werden können, damit wir das Baugebiet noch einmal komplett abmähen”, sagt der SEG-Geschäftsführer, der aber mit einem der Anwohner bereits eine Kompromiss-Lösung angestrebt hat. „Der möchte seine Pferde dort grasen lassen, wenn das aber nicht passiert, müssen wir eine andere Lösung finden.” Was wäre, wenn die Anwohner die Eigeninitiative ergreifen und auf eigene Kosten einen Bauer beauftragen, das Kraut abzumähen, was sie ohne Genehmigung des Eigentümers nicht dürften? Drewes: „Das können sie gerne machen.”
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