Müntz - Verwaltung lädt zu Gedenkfeier und Kerzenmarsch ein

Verwaltung lädt zu Gedenkfeier und Kerzenmarsch ein

Von: jago
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Nach einem Kerzenmarsch vom jüdischen Friedhof in Müntz aus trafen sich die Teilnehmer im Bürgerhaus zur Pogromgedenkfeier der Gemeinde Titz. Foto: Jagodzinska

Müntz. Anlässlich des 79. Jahrestags der Reichspogromnacht hatte die Verwaltung der Gemeinde Titz zur Teilnahme an einem Kerzenmarsch vom jüdischen Friedhof in Müntz zum Bürgerhaus und einer dortigen Gedenkveranstaltung eingeladen. Etwa 50 Bürgerinnen und Bürger waren diesem Aufruf gefolgt.

Anstatt des für die musikalische Begleitung vorgesehenen örtlichen Kirchenchors übernahm die Müntzer Solistin Christa Dohmen diesen Teil des Programms. Die Änderung war notwendig geworden, da Chorleiter Harald Düren vor wenigen Tagen völlig unerwartet gestorben ist. Zu Beginn der Veranstaltung gedachte die Versammlung des beliebten Kirchenmusikers, der am Vormittag unter großer Anteilnahme zu Grabe getragen worden war. Zum Auftakt sang Christa Dohmen das Lied „Augen auf“ von Sarah Connor, in dem eine Kultur des Nicht-Wegsehens angemahnt wird.

Bürgermeister Jürgen Frantzen erinnerte an die Nacht vor 79 Jahren, in der „etwas Unfassbares geschah, in der die in unserem Grundgesetz bewusst bereits im ersten Artikel genannte Menschenwürde nicht mehr existierte“. Die Frage, wie so etwas von Deutschland ausgehen konnte, wird immer wieder aufs Neue zu stellen sein, auch wenn eine zufriedenstellende Antwort nicht zu finden sei, da „die Dimension des Schreckens zu groß ist“.

Unter anderem hob Frantzen die Wichtigkeit der Behandlung des Themas Nationalsozialismus in den Schulen auch 70 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs hervor. In diesem Zusammenhang gab der Bürgermeister seiner Freude über die Mitwirkung des Jugendparlaments an der Gestaltung der Gedenkstunde Ausdruck. Dass dies in Titz eine „gute Tradition“ ist, belegte er mit der Erinnerung an eine vorbildliche Aktion der 9. Klasse der ehemaligen Gemeinschaftshauptschule des Schuljahrgangs 1985/86.

Die Schüler hatten sich damals intensiv mit der jüdischen Geschichte der Region beschäftigt und diese dokumentiert. Mit der Zitierung von Auszügen aus dem Gedicht „Marschliedchen“ – in kluger Voraussicht bereits 1932 von Erich Kästner geschrieben – wertete Frantzen den „erstmaligen Einzug einer in Teilen rechtsradikalen Partei in den deutschen Bundestag“. Kästner schreibt: „Wie ihr’s euch träumt, wird Deutschland nie erwachen ... Die Zeit wird kommen, da man sich erzählt: Mit diesen Leuten war kein Staat zu machen!“

Die Sprecherinnen des Titzer Jugendparlaments ließen erkennen, wie wichtig für junge Menschen gerade heute die Aufarbeitung der Vergangenheit ist. „Wenn ich daran denke, wird mir ganz anders“, lautete die Erinnerung an einen Besuch des Vernichtungslagers Auschwitz in den Osterferien. Als Konsequenz verlangen die Nachwuchspolitiker nicht nur von den Gleichaltrigen: „Wir müssen alle daran mitarbeiten, dass sich die Geschichte nicht wiederholen darf.“

Anschließend thematisierte Monika Grübel, Judaistin des LVR, die Bedeutung des Friedhofs und der individuellen Namensnennung auf Grabsteinen für Juden und die Verbindung mit dem Begriff „Heimat“. Vor der Machtergreifung integriert in das Gemeinwesen, nahm man der jüdischen Bevölkerung danach nicht nur materielle Werte, sondern beraubte sie auch ihrer Heimat. Zum Abschluss verlas sie die Namen der auf dem Müntzer Judenfriedhof begrabenen Mitbürger. Ortsvorsteher Ulrich Goebbels lud die Gäste zum Verweilen und dem Betrachten der kleinen Ausstellung im Bürgerhaus ein.

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