Vermisste Brennelementkugeln sorgen weiter für Wirbel

Von: dapd
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Die vermissten Brennelementkugeln aus dem stillgelegten Forschungsreaktor Jülich sorgen weiter für Wirbel. Nach einer Meldung der „Rheinischen Post” sind aus Jülich doch Brennelemente in das Atommülllager im niedersächsischen ehemaligen Forschungsbergwerk Asse gebracht worden. Foto: Uerlings

Düsseldorf. In der Debatte um angeblich vermisste Brennelemente aus dem Forschungszentrum Jülich hat der Streit über die politische Zuständigkeit begonnen. NRW-Wissenschaftsministerin Svenja Schulze (SPD) verlangte am Montag eine lückenlose Aufklärung über die Lagerung radioaktiven Materials aus dem Jülicher Forschungsreaktor.

„Die AVR GmbH und das Forschungszentrum müssen jetzt schnellstmöglich Transparenz schaffen und eine Auflistung vorlegen, welche Mengen nuklearen Materials wann und wo gelagert wurden.”

Da das Forschungszentrum Jülich zu 90 Prozent dem Bund und nur zu 10 Prozent dem Land gehöre, sei es vor allem Pflicht des Bundes, den Verbleib der fehlenden Brennelementkugeln aufzuklären, sagte Schulze.

Hingegen sieht das Bundesumweltministerin die nordrhein-westfälische Landesaufsicht in der Pflicht. Das Bundesministerium sei einigermaßen irritiert über die Wahrnehmung der Aufsichtspflicht durch Nordrhein-Westfalen, erklärte eine Sprecherin am Montag. Man werde daher die Landesbehörde zu einem aufsichtlichen Gespräch nach Berlin einladen. Das Hin und Her um den Verbleib der Brennelemente habe zu Irritationen und Verunsicherungen geführt.

Am Wochenende war eine Debatte über unstimmige Zahlenangaben des Forschungszentrums zu den auf dem Gelände gelagerten Brennelementen entbrannt. Die Düsseldorfer Landesregierung hatte laut „Spiegel” den Grünen auf Anfrage mitgeteilt, dass 2.285 Brennelementekugeln in Jülich vermisst würden.

Forschungszentrum vermisst keine Brennelemente

Das Forschungszentrum Jülich vermisst nach eigenen Angaben keine Brennelemente aus dem AVR-Reaktor. Der Gesamtbestand an spaltbarem Material, den das Forschungszentrum von der Arbeitsgemeinschaft Versuchsreaktor GmbH (AVR) angenommen habe, sei vollständig im Zwischenlager des Forschungszentrums gelagert, teilte ein Sprecherin am Montag mit. Der Bestand sei lückenlos dokumentiert und werde monatlich an Euratom und das nordrhein-westfälische Wissenschaftsministerium als Aufsichtsbehörde gemeldet.

Nach Auskunft der Arbeitsgemeinschaft Versuchsreaktor GmbH (AVR) wurden in ihrem von 1967 bis 1988 betriebenen Hochtemperaturreaktor insgesamt 290.705 Brennelementekugeln eingesetzt. Den Angaben zufolge lagern im Zwischenlager des Forschungszentrums Jülich derzeit in 152 Castorbehältern 288.161 intakte abgebrannte Brennelementekugeln aus dem benachbarten Hochtemperaturreaktor.

Im Behälter des stillgelegten Reaktors sei eine geringe Menge Kugelbruch verblieben. Außerdem befänden sich noch eine geringe Menge defekter, aber ganzer Brennelemente in den sogenannten heißen Zellen des Forschungszentrums, hieß es. Zudem seien zahlreiche abgebrannte Brennelementekugeln zu Forschungszwecken untersucht worden. Nach ihrer Zerstörung wurden diese anschließend in 200-Liter-Fässer einbetoniert. Damit gelten sie als mittelaktiver Abfall, der im Forschungszentrum Jülich zwischengelagert wird. Dokumentiert wird dann nicht mehr die Anzahl der Kugeln, sondern die Kernbrennstoffmenge.

Der Gesamtbestand des in Jülich eingelagerten Kernbrennstoffs inklusive der zerbrochenen und einzementierten Kugeln sei bis auf das Milligramm genau dokumentiert, betonte die Sprecherin weiter.

Brennelemente gingen nicht nach Asse

Das zuständige Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) bestätigte zudem, dass sich die angeblich vermissten Brennelementekugeln aus Jülich nicht im niedersächsischen Forschungsbergwerk Asse befinden. Zwar seien 1976 in die Schachtanlage zwei Fässer mit Brennelementekugeln aus dem Forschungszentrum Jülich eingelagert worden, erklärte ein Sprecher. Dabei habe es sich jedoch um mittelradioaktive Abfälle (MAW) gehandelt, und nicht um hoch radioaktive Abfälle (HAW), die jetzt wohl vermisst würden. Diese Fässer liegen in der 511 Meter tiefen sogenannten MAW-Kammer.
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