Unterwegs im Wohnmobil: Für viele ist das Freiheit

Von: Thomas Vogel
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Im Heck ist immer ein Plätzchen reserviert: Hündin Ayscha bleibt nicht in Kerkrade, wenn Paul auf Tour geht. In der kleinen Garage, in der im Normalfall meist Fahrräder Platz finden, hat die Hundedame ihr eigenes Abteil. Foto: Thomas Vogel
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Gerd aus Stolberg, Ute aus Viersen, Herbert aus Strauch, Magali aus Stolberg und Paul aus Kerkrade. Foto: Thomas Vogel

Jülich. Frei ... so könnte dieses Leben heißen. Heute hier, morgen ganz woanders. Vielleicht. Wenn einem danach ist. Ein großer Kasten aus Blech und glasfaserverstärktem Kunststoff macht diesen Traum möglich. Der Kasten heißt Wohnmobil und Paul der Mann, der nicht nur träumen, sondern frei sein will.

Paul fährt alleine und campt gemeinsam ... mit anderen Alleinfahrern. Was sich seltsam anhört, hat einen einfachen Hintergrund: „Wir sind Solisten“, erzählt Magali in gemütlicher kleiner Campingstuhl-Runde auf dem Wohnwagenstellplatz am Brückenkopf-Park. „Wir fahren jeder für sich, entweder weil man sich von seinem Partner getrennt hat oder verwitwet ist und das Wohnmobil noch hat. Also fährt man auch damit. Aber alleine zu campen ist gerade für Frauen mit Sicherheit nicht schön und auch nicht ungefährlich.“ Ute aus Viersen stimmt zu. Auch sie ist mit ihrem eigenen Wohnmobil in Jülich, seit vergangener Woche schon. Zwischendurch war sie für ein paar Tage auf einem Stellplatz in Köln. Herbert aus der Eifel komplettiert das Vierergespann. Er hat seinen Dreiachser gleich neben Pauls Mobil geparkt.

Dreieinhalb Monate Spanien

Seit vergangenem Mittwoch ist Paul in Jülich, Magali seit Sonntag. Wie die nächsten Tage aussehen? Ist nicht sicher – sie überlegen, noch woanders hinzufahren. „Stellplätze gibt es überall. Zwar nicht so schön und groß wie in Jülich, aber sie erlauben ein schönes freies Leben“, erklärt Paul. Und das kann sich gerne auch mal weiter weg abspielen. Den vergangenen deutschen Winter hat Paul deutschen Winter sein lassen und dreieinhalb Monate in Spanien verbracht. Für dieses Jahr ist Ungarn auf der Karte dick angekreuzt.

In der Sommerzeit ist der Jülicher Platz in der Regel gut besucht. Hans-Josef Bülles, Geschäftsführer der Brückenkopf-Park GmbH: „Wir haben 22 Stellplätze, mal 30 Tage, dann kommt man auf rund 660 Übernachtungsgäste beziehungsweise Fahrzeuge.“ Wenn der Platz voll ausgelastet ist, wohlgemerkt. Es gibt auch Monate, in denen nur 25 Autos kommen. Selbst im Winter aber bleibe der Platz nicht leer, erzählt der Geschäftsführer.

Ein Jahr bevor Paul in den vorzeitigen Ruhestand ging, hat er sich den Traum vom Wohnmobil erfüllt. Andere Alleinfahrer hat er im Internet kennengelernt, in einem Forum, in dem sich Wohnmobil-Solisten austauschen und verabreden. Junge Leute finden sich dort kaum. „Ist auch verständlich“, sagt Paul. Das Alter der Solisten sei eher 50-plus. Ein Wohnmobil zu kaufen lohne sich nicht, wenn man berufstätig sei und es nicht oft nutzen könne. Dafür sei so ein Fahrzeug einfach zu teuer. 60.000 Euro müsse man schon einplanen.

Ferien ja, wohnen nicht

Paul nutzt sein Wohnmobil intensiv, verbringt viel Zeit auf Achse und Stellplätzen. Ganz in das Mobil zu ziehen und seine Wohnung aufzugeben ist seine Sache aber nicht. „Ich kenne Leute, die machen das. Für mich ist es aber nichts, denn in meinem Alter muss man auch mal mit gesundheitlichen Problemen rechnen. Und wie ist es dann im Wohnmobil?“

Wenn nicht zum wohnen, so ist das Wohnmobil doch nach wie vor beliebt, um in die Ferien zu fahren, gerade in NRW. Zum 1. Januar 2013 waren mit 77 151 Fahrzeugen die meisten Wohnmobile bundesweit in Nordrhein-Westfalen angemeldet. In Sachsen-Anhalt, dem Flächenland mit den wenigsten Wohnmobilen, waren es nur 3899. Die Zahl der Reisemobil-Nutzer ist 2013 im Vergleich zum Vorjahr dennoch leicht zurückgegangen, von 910.000 auf 830.000 Personen.

Der Jülicher Platz buhlt mit einem besonderen Vorzug um die Urlauber. „Wir haben viele Wohnmobilisten, die mit ihren Fahrrädern unterwegs sind“, sagt Bülles. „Wegen den vier verschiedenen Fahrradrouten, die am Park oder um den Park herum verlaufen – die Schlossroute zum Beispiel, oder die Wurmroute. Und natürlich der sehr bekannte Ruruferweg, der ja sehr lang ist. Dann wird das Wohnmobil hier abgestellt und die erste Tour gemacht.“

Bülles verspricht nicht zu viel. Auf dem Platz ist kaum ein Wohnmobil zu sehen, bei dem sich nicht wenigstens ein Fahrradträger oder eine kleine Garagentür im Heck des Wagens als Hinweise auf Radler entdecken lassen. Erstaunlich ist indes, dass auf dem Wohnmobilstellplatz in Jülich fast nur Autos mit AC-Kennzeichen stehen. Sollten hier nicht Urlauber aus ganz Deutschland und den Nachbarländern stehen? Magali erklärt: „Wenn Du nur ein Wochenende hast, dann fährst Du nicht mal eben 300 Kilometer an die Küste, weil Sonntags schon wieder die Abreise ansteht.“

„Am Wochenende waren hier mehr als die Hälfte mit AC-Nummer“, sagt Paul. „Gestern stand hier ein junges Pärchen aus Stolberg. Die haben nur eine Nacht hier verbracht. Aber genau das ist ja das Schöne ... selbst wenn es nur ein Tag ist, bist Du mal raus aus dem Alltag.“

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