Jülich - Unterversorgung droht: Hausärzte braucht das Land

Unterversorgung droht: Hausärzte braucht das Land

Von: hfs.
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Mit den Kollegen aus der Städteregion Aachen und dem Kreis Heinsberg erläuterten Thmoas Rachel, Josef Wirtz (2. u. 3. v. l.) sowie Rolf Seel (r.) und dem CDU-Fraktionsvorsitzenden Karl-Josef Laumann (M.) die Situation der Hausärzte auf dem Lande. Foto: hfs.

Jülich. Hausärzte sind das Rückgrat der medizinischen Versorgung auf dem Lande. Doch in zehn Jahren, so die Prognosen, werden rund zwei Drittel der Hausarztpraxen verschwunden sein. Daher hat der Vorsitzende der CDU-Landtagsfraktion NRW, Karl-Josef Laumann (MdL), einen Antrag in den Landtag eingebracht.

Ziel: „Die hausärztliche Versorgung in allen Landesteilen muss sicher sein“, erläuterte Laumann in Jülich mit dem CDU-Bezirksverbandsvorsitzenden Aachen, dem Bundestagsabgerondeten Thomas Rachel), den CDU-Landtagsabgeordneten des Kreises Düren, Josef Wirtz und Rolf Seel, sowie den CDU-Abgeordneten aus der Städteregion Aachen und aus dem Kreis Heinberg. Es zeichne sich eine dramatische Unterversorgung ab.

Lücke in Titz

Der Ärztemangel wirke sich, so Krankenkassen oder Kassenärztliche Vereinigung, in naher Zukunft besonders auf die medizinische Versorgung des ländlichen Raumes aus. Laut Laumann nimmt der Anteil junger Ärztinnen und Ärzte, die im ländlichen Raum praktizieren wollen, kontinuierlich ab. So droht in der Gemeinde Titz schon jetzt eine Gefährdung der hausärztlichen Versorgung. Auf mittlere Sicht kommen dann die Gemeinden Inden, Kreuzau, die Stadt Linnich und die Gemeinde Niederzier hinzu.

Allgemeinmediziner und Internisten, die hausärztlich tätig sind, sterben im wahrsten Sinne des Wortes aus. Ein Drittel dieser Ärzte sind im Land NRW unter 50 Jahre, zwei Drittel werden in den nächsten zehn Jahren in ein Alter kommen, wo man in den Ruhestand tritt. „Wir kommen in eine dramatische Lage“, sagte Laumann. Ein  Grund für die künftigen Vakanzen sei die    lange Studiendauer. „Wer heute anfängt zu studieren, kann frühestens in zehn Jahren ein niedergelassener Arzt sein.“ In NRW werden zwar jedes Jahr rund 2000 Ärztinnen und Ärzte ausgebildet, „doch sind dies 500 zu wenig.“ Dies sei das Grundproblem, zudem sind, so Laumann, „acht medizinische Fakultäten einfach für ein Land wie NRW zu wenig.“

Die Schlussfolgerung für den CDU-Politiker: Wir müssen einfach die Studentenzahlen in NRW erhöhen. Zum Beispiel mit einer Zielvereinbarung von Land und Universiäten, auf eine Reform des Studienganges Humanmedizin hinzuwirken. Oder aber durch die Schaffung von Anreizen für junge Ärzte, nach dem Studium eine Hausarztpraxis im ländlichen Raum zu übernehmen.

Was Dr. Pia Bodellier, Hausärztin in der Gemeinschaftspraxis „Linnicher Land“ in Linnich, absolut nicht sieht. „Nein, dies wäre für mich absolut keine Option gewesen. Am Anfang eines Medizinstudiums träumt man nicht von einer Dorfpraxis.“ Sie gibt offen zu, dass mit ein Grund, in die Hausarzt-Praxis mit einzusteigen, der doch geregelte Arbeitstag gewesen sei. „Als Frau Doktor hat man mehr Zeit für die Familie, als Arzt muss man darauf bedacht sein, mit dem verdienten Geld die Familie ernähren zu können. Denn man muss viel Aufwand betreiben.“

Was auch Christdemokrat Laumann so sieht. „Die Ärzte in NRW sind die schlecht bezahltesten in Deutschland im Bereich der Allgemeinmedizin“. So weist er auf die Bezahlung in Bayern, Baden-Württemberg, Niedersachen oder aber zum Beispiel Rheinland Pfalz hin. „Da ist die Vergütung ungefähr 20 Prozent höher für die gleiche Leistung“ , rechnet der Fraktionschef vor.

Was Dr. Pia Bodellier auch als ein Problem bei der Ausübung ihres Berufes sieht. „Man sollte uns doch die Leistung und den Aufwand für unsere medizinische Versorgung bezahlen.“ So fordern die CDU-Politiker denn auch, dass die regionale Ungleichbehandlung vom Tisch kommt. So wie es der vor Jahren eingeführte „Gesundheitsfonds“ vorsieht. Laumann: bringt es so auf den Punkt: „Egal wo ich in Deutschland wohne, ich bezahle danach den gleichen Beitrag bei der gleichen Krankenkasse. Aber der Mensch, der auf dem Land wohnt und 400 Euro an die Krankenkasse zahlen muss, ist dabei schlechter versorgt als der in der Stadt mit dem gleichen Beitrag.“

Was in der Linnicher Praxis dazu führt, dass immer mehr Patienten den Wunsch äußern, alles beim Hausarzt attestieren lassen zu wollen. Weil beim Facharzt keine Termine zu bekommen sind, oder nur welche mit langer Wartezeit.

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