Unterbringung ist das große Problem in Linnich

Von: Otto Jonel
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Oumarou Abdou und Stefan Helm an der künftigen Baustelle. Hier sollen die Wohncontainer an die Flüchtlingsunterkunft in Gevenich andocken. Foto: Jonel

Linnich. Egal, ob Deutschland nun per Definition Einwanderungsland ist oder nicht: Republikweit sehen sich die Kommunen wie zu den Zeiten des Balkankrieges vor die Aufgabe gestellt, Menschen unterzubringen, die praktisch nur mit dem, was sie am Körper tragen um ein Dach über dem Kopf ersuchen.

„Bei jeder Zuweisung zucke ich zusammen“, erlaubt Stefan Helm, Asylbeauftragter der Linnicher Verwaltung, einen Blick auf seinen Gemütszustand. Was ihn umtreibt, ist der automatische Gedanke: „Wo bringe ich den Menschen unter?“ Denn wie in vielen Kommunen landauf, landab ist auch Linnich nicht mit freiem Wohnraum in unbegrenztem Maße gesegnet. Dabei geht es der Stadt in dieser Hinsicht noch vergleichsweise gut.

Mit der ehemaligen Bundeswehrliegenschaft in Gevenich verfügt Linnich über eine Unterkunft, über die andere Kommunen glücklich wären. Jahrelang war die Aufnahmekapazität dieses Übergangsheims ausreichend. Das hat sich geändert. „Mit 68 Bewohnern ist die Gevenicher Kapazität ausgereizt“, stellt Helm fest. Was das heißt, verdeutlicht ein spekulativer Blick in die Zukunft. Für 2015 rechnet Helm mit weiteren „65 bis 70 Zuweisungen durch die Bezirksregierung in Köln“. Helms Zucken droht chronisch zu werden.

Immerhin, die Pläne, Raum für Menschen zu schaffen, sind angelaufen. Gerade erst hat die Stadt den Bauantrag zur Erweiterung des ehemaligen Luftwaffengebäudes in Gevenich auf den Weg gebracht. Langfristig ist die Aufstockung des Gebäudes geplant. Als Interimslösung, gleichsam als Sofortmaßnahme, sollen aber sechs Wohncontainer an das Gebäude angedockt werden.

Mit einem Durchbruch in der Außenwand des Lagerraums können die Bewohner der Container unmittelbar in das Übergangsheim gelangen. Das erspart unter anderem die Einrichtung von Nassräumen oder Küchen in den Containern. Sechs Container – das bedeutet Platz für zusätzlich 18 Personen. „Maximal!“, sagt Helm bestimmt. „Das hilft uns vielleicht für drei, vier Monate.“ Und dann? „Wenn der Zustrom so anhält, müssen wir andere Möglichkeiten ausloten“, sagt Beigeordneter Hans-Josef Corsten.

Keine Bewegung

Eine dieser Möglichkeiten war auch schon im politischen Raum angedacht worden: Das große Areal der ehemaligen Polizeischule. Ein Teil davon ist, wie berichtet, vertraglich an die Fortbildungsakademie der Finanzverwaltung Bonn vergeben. Der Rest ist Schweigen. Die Stadt habe natürlich angefragt, ob auf dem Gelände Unterkünfte zu realisieren wären. „Der Bau- und Liegenschaftsbetrieb des Landes bewegt sich überhaupt nicht“, sagt Corsten über die Reaktion des Eigentümers.

Eine weitere freie Liegenschaft wird ebenfalls immer wieder genannt: Das ehemalige Warnamt Welz, aus dem Ende vergangenen Jahres die Bundespolizei ausgezogen ist. Besitzer ist dort die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben. Ob sich die Anlage eignet und wenn, zu welchen Bedingungen, ist noch offen. „Die Stadt prüft alle Möglichkeiten von Bund und Land“, versichert Corsten. Wie lange das dauert? Die Antwort ist so schwierig zu finden wie eine schnelle Lösung.

Dafür greift längst ein anderes Lösungsmodell. Corsten: „Wir suchen schon auf dem freien Wohnungsmarkt.“ De facto ist rund ein Drittel aller im Stadtgebiet Linnich lebender Flüchtlinge oder Asylsuchende bereits in Wohnungen des privaten Wohnungsmarktes untergebracht. Diese Karte zieht vor allem für Familien. Die bilden in Linnich die Ausnahme. Linnich bekommt überwiegend alleinstehende Männer zugewiesen. Ob das so bleibt, vermag keiner zu sagen.

Ende des vergangenen Jahres hatte Stefan Helm „von jetzt auf gleich“ eine Mutter mit drei Kindern unterzubringen. Da musste kurzfristig die Notreserve greifen, die Helm vorhält: die freie „Hausmeisterwohnung“ am Gevenicher Übergangsheim. Wenn sich die Flüchtlingsproblematik so entwickelt, wie Stefan Helm glaubt, wird er wohl noch häufiger auf diese Notreserve zurückgreifen müssen, um sich Zeit zu verschaffen, eine dauerhafte Lösung zu finden.

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