Jülich - Unkonventionell im Umgang mit Schlagern

Unkonventionell im Umgang mit Schlagern

Von: jago
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Schlager mal ganz anders: Im Kuba bewies die Kölner Formation „sing bar sing”, dass auch Schlager hörenswertes Potenzial bieten und begeisterte die bei den meisten Liedern mitsingenden Zuhörer. Foto: Jagodzinska

Jülich. „Wir sind gekommen, um uns leidenschaftlich und hemmungslos der Musik hinzugeben, wie es nur die deutsche Schlagermusik bietet!” Starke Worte, mit denen Sängerin Gika Bäumer die Besucher begrüßte, die zum Auftritt des Quartetts „sing bar sing” in den Jülicher Kulturbahnhof gekommen waren.

Spätestens beim zweiten Lied „Du bist nicht allein” wurde jedem klar, dass hier Schlager in einer ganz anderen Interpretation als der altbekannten gesungen und gespielt wurden. Befreit vom allzu Schnulzigen, das viele Gegner dieser Musikrichtung anprangern, überraschten die temperamentvolle Sängerin, Gitarrist Klaus Strenge, Saxophonist Eike Brück und Cajun-Percussionist Matthias Ebbinghaus mit einer jazzigen Rhythmus betonten Version.

„Bella, bella, bella Marie...”

Die spürbare Spielfreude der Bühnenakteure sprang schnell auf die Zuhörerreihen über. Deutlich wurde dies, als Gika Bäumer vor den durch Rudi Schurike 1949 bekannt gemachten und gefeierten „Capri-Fischern” bat: „Könnt ihr mich beim Refrain bitte unterstützen und mitsingen?” Das Publikum ließ sich nicht zweimal bitten und setzte lange vor der entsprechende Textzeile „Bella, bella, bella Marie...” mit der Unterstützung ein. Kaum waren die ersten Töne erklungen, schallte es aus nahezu 100 Kehlen „Wenn bei Capri die rote Sonne im Meer versinkt...”.

So mancher verträumt dreinblickende Oldie schwelgte gedanklich in Erinnerungen, die Band hatte den Nostalgie-Nerv mit wuchtiger Intensität getroffen. Einige Besonderheiten zeichnen „sing bar sing” besonders aus: Die Musiker beherrschen ihre Instrumente perfekt und könnten auch so genannte „ernste Musik” vorzüglich interpretieren.

Die Sängerin hat neben ihrer quirligen Bühnenpräsenz eine Stimme mit Volumen und präziser Notentreffsicherheit. Als Markenzeichen der Band gilt in erster Linie deren unkonventioneller Umgang mit den Original-Schlagern. Man erkennt die Originale wieder, erinnert sich an die Texte, summt die Melodie mit und glaubt dennoch, ein ganz neues Stück zu hören. So wird selbst ein ansonsten von belangloser Albernheit geprägter „Schmidtchen Schleicher” jazzig-fetzig interpretiert und mit einem furiosen Finale aufgewertet.

Die Mimi - die, die nie ohne Krimi ins Bett geht

Mit dem „Kriminaltango” und „Ohne Krimi geht die Mimi” wurde es im zweiten Teil des Konzerts humoristisch-kriminalistisch. Chanson-Klassiker wie Hildegard Knefs „Für mich solls rote Rosen regnen” und daneben Gittes Tralala-Liedchen „Ich will nen Cowboy als Mann” zeugten von der Flexibilität des Kölner Ensembles.

Die Zuhörer ließen sich bereitwillig auf die Abwechslungen ein und gingen bei den Liedvorträgen während des gesamten Programms begeistert mit. Die frech-fröhlichen Anmoderationen trugen dazu bei, dass zwischen Band und Besuchern eine fast schon familiäre Atmosphäre entstand. Ein Wiedersehen bei einem zukünftigen Konzert mit den durch riesigen Beifall verabschiedeten Musikern ist bei nahezu allen Besuchern vorgemerkt.
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