Unfall auf der L136: „Schon wieder genau dieser Baum“

Von: Guido Jansen
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Genau dieser eine Baum: Am 21. Dezember 2013 kollidierte ein Lastwagen mit dem Baum. Der Sachschaden war hoch, der Fahrer wurde leicht verletzt. Foto: Horrig

Aldenhoven. Kurz, nachdem die Nachricht über den tödlichen Unfall auf der Landstraße 136 zwischen Aldenhoven und Schleiden in der Welt war, meldeten sich die ersten Stimmen in den Sozialen Medien. Neben Einträgen, in denen Menschen den Angehörigen des 35-jährigen Opfers ihr Beileid aussprachen, gab es etliche Kommentare mit Bezug zu der Unfallstelle.

„Schon wieder genau dieser eine Baum“ – so oder so ähnlich lauteten die Kommentare. Oder: „Wie viele Unfälle müssen da noch passieren, bis dass dieser Baum wegkommt?“ Manuela und Heinrich Horrig, seit vielen Jahren als Reporter für unsere Zeitung unterwegs, berichteten, dass sie den Baum kennen. „Da haben wir schon einige Unfälle fotografiert.“

Am vergangenen Freitag gegen 13 Uhr ist ein 35 Jahre alter Mann aus Aldenhoven mit seinem Wagen auf der L 136 von Aldenhoven in Richtung Schleiden in einer leichten Linkskurve von der Fahrbahn abgekommen. Die darauf folgende Kollision mit dem Baum hat er nicht überlebt.

Eine Anfrage unserer Redaktion bei der Polizei nach der Zahl der Unfälle an dieser Stelle – aus Richtung Aldenhoven nach Schleiden etwa 200 Meter hinter der Autobahnunterführung – hat für die Jahre 2013 bis 2016 sieben Unfälle ergeben, den jüngsten nicht eingerechnet. In vier Fällen wurden Menschen schwer verletzt.

Als Unfallschwerpunkt im Sinne der Definition des Gesetzgebers sei die Stelle bisher nicht bekannt. Das erklärte Karl-Josef Reinartz von Straßen.NRW. „Das ist der Fall, wenn innerhalb eines Jahres drei Unfälle gleicher Art an einer Stelle passieren“, sagte Reinartz. Und zwar auf Straßen, auf denen pro Tag höchstens 15.000 Autos unterwegs sind.

Ein Fall für die Kommission?

Es sei aber gut denkbar, dass der jüngste Unfall dazu führt, dass eine Kommission aus Polizei, Straßenverkehrsamt und Straßenbaulastträger – in diesem Fall Straßen.NRW – den Streckenabschnitt neu bewertet. Diese Kommission entscheidet über den Umgang mit Unfallschwerpunkten. Dazu müssten aber erst die Ermittlungsergebnisse der Polizei zum Unfallhergang vorliegen.

Grob gesagt muss unterschieden werden zwischen Unfallursachen, gegen die mit Veränderungen an der Straße etwas getan werden kann – Tempolimit, Leitplanken, Fällen von Bäumen, Verbessern des Straßenbelags –, oder Faktoren wie Alkohol- und Drogeneinfluss oder Selbstmordabsicht, die aus der Bewertung herausgerechnet werden.

Absehbar sei bis zum Abschluss der Polizei-Ermittlungen nicht, ob der Unfall Maßnahmen zur Folge hat. Das werde aktuell beispielsweise an der Diskussion um die Landstraße 327 bei Stockheim deutlich, auf der es vermehrt zu Unfällen gekommen war. „Da war in einigen Fällen einfach die Unaufmerksamkeit der Fahrer die Ursache“, schilderte Reinartz einen Faktor, der sich mit einer Veränderung nicht beheben lasse.

Mehrfach war in Sozialen Medien neben der Forderung, die Bäume zu fällen, auch das Installieren von Leitplanken erwähnt worden. Beide Ideen seien denkbar, aber auch folgenreich, wie Reinartz erklärte. „Die L 136 ist eine alte Bestandsallee mit riesigen Bäumen. Die kann man nicht einfach fällen, zumal man dann gleich mehrere Bäume fällen und an anderer Stelle für Ersatz sorgen müsste.“

Leitplanken würden zwar bewirken, dass die Todesursache Nummer eins auf Landstraßen – die Kollision mit einem Baum – ausgeschlossen werden kann. „Allerdings sorgt eine Leitplanke auch dafür, dass das Fahrzeug wieder auf die Fahrbahn zurückgeworfen wird. Und das kann bei Gegenverkehr auch fatale Folgen haben.“

Die Suche nach der Ursache für den Unfall wird schwierig, wenn sich herausstellen sollte, dass die Schuld nicht primär beim Fahrer selbst gelegen hat. Die L 136 ist die alte Bundesstraße 56 und deswegen breit ausgebaut. Für die Stelle, die sich als möglicher Unfallschwerpunkt abzeichnet, gilt in beiden Richtungen Tempo 70, die Kurve ist gut einsehbar. Vorstellbar wären dann als mögliche Ursachen eine starke Verschmutzung oder Unebenheiten in der Fahrbahn, in denen sich Wasser sammelt, das für Glatteis sorgen könnte. Die Antworten auf diese hypothetischen Fragen ergeben sich nach dem Abschluss der polizeilichen Untersuchungen.

Ampel als Konsequenz

Dass die Kommission auf Unfallschwerpunkte reagiert, zeigt sich ein kleines Stück weiter in Richtung Aldenhoven an der Kreuzung der L 136 mit der Straße Am alten Bahnhof – dort, wo man in Richtung eines Schnellrestaurants und einer Tankstelle abbiegt. Die Zahl der Unfälle ist nicht zurückgegangen, deswegen wird die Kreuzung mit einer Ampel ausgestattet, sobald die Witterung die Ausschachtungsarbeiten zulässt.

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