Umzug von Stadtarchiv und Museumsverwaltung: Reichen 200.000 Euro?

Von: Volker Uerlings
Letzte Aktualisierung:
13211146.jpg
Platz ist mit dem Auszug der Schüler in der alten Realschule satt. Jetzt will die Stadt es schaffen, die Kosten für den Umzug von Stadtarchiv und Museumsverwaltung bei 200.000 Euro zu deckeln. Foto: Jansen

Jülich. Gut drei Jahre alt ist der Plan, die drei Jülicher Kulturinstitute Volkshochschule, Stadtarchiv und Museum unter dem Dach der alten Realschule am Aachener Tor zu vereinen. Die VHS ist schon dort, weil es eben deutlich einfacher ist, eine Schule in dafür geeigneten Räumen unterzubringen - Mieter, wie VHS-Leiter Günter Vogel, sind durchaus angetan. Der Umzug von Archiv und Museum gestaltet sich schwieriger, weil er doch eine Stange Geld kostet.

Die Schätzungen gingen einmal in Richtung eine Million Euro und mehr. Der Jülicher Bürgermeister Axel Fuchs hat hier einen unkonventionellen Sparvorschlag unterbreitet: Die Verwaltungsämter sollen doch bitteschön versuchen, mit 200.000 Euro auszukommen. Er hat einen Deckel aufgesetzt, der aber nicht jedem passt.

Die UWG Jül bezweifelt, dass es möglich ist, in diesem Kostenrahmen zu bleiben und lehnte das Vorgehen daher ab. Die Mehrheiten sowohl im Haupt- und Finanzausschuss als auch im Stadtrat waren allerdings dafür, so dass die Verwaltung nun loslegen kann. Noch in diesem Jahr sollen 100.000 Euro ausgegeben werden, im nächsten Jahr noch einmal.

Dafür will die Stadtverwaltung die wichtigsten Maßnahmen realisieren: Brandschutz, eine von der Versicherung geforderte Erweiterung der Einbruchmeldeanlage und eine Verbesserung der Statik in manchen Räumen des Stadtarchivs, das mit schweren Lasten anrückt. Geprüft worden sei auch, wie die Stadtverwaltung informierte, was eine Klimatisierung der Archiv- und Magazinräume kostet. Die Grobkostenschätzung endet bei 930.000 Euro. Das ist zu teuer und fällt flach. Nunmehr soll eine „passive Klimatisierung“ erfolgen. Beigeordneter Martin Schulz sagte in den Gremien: „Alle Institutsleiter sind mit dieser Vorgehensweise einverstanden.“

Heinz Frey, Fraktionschef der UWG Jül, sieht in dem Gesamtprojekt eine Art Kostenfalle. „Wir werden mit den 200.000 Euro nicht auskommen, das weiß doch jeder. Die Lüftungsanlage muss kommen, sobald die ersten Schimmelspuren nachgewiesen sind.“ Außerdem betrachtet Frey die Bauunterhaltungskosten für die alte Realschule, die kurz- und mittelfristig erforderlich seien – zum Beispiel für eine absehbare Dachsanierung oder die Fassadenplatten.

Künftig zigfach höhere Kosten?

Zudem verbleibe das dann in Teilen (außer der Stadtbücherei) leerstehende Kulturhaus am Hexenturm mit seinen Bewirtschaftungskosten. Die von der Stadt zu tragenden Kosten fielen demnächst zigfach höher aus als heute. Frey: „Wir halten es nicht für sinnvoll, dem zuzustimmen.“

Martin Schulz räumte ein, dass die Stadt für die alte Realschule „irgendwann mal wieder Geld in die Hand nehmen muss“, aber das Gebäude sei ja auch in Betrieb. Damit sei natürlich die Bauunterhaltung in der Zukunft zu leisten. Der Beigeordnete warb dafür, die Verwaltung doch den Versuch unternehmen zu lassen, mit dem gedeckelten Betrag von 200.000 Euro auszukommen. „Lassen Sie uns doch erst mal anfangen.“ Es sei schon viel Arbeit in das Projekt investiert worden.

Schulz nannte als frühesten Umzugstermin den Sommer des nächsten Jahres. Das Kulturhaus bleibe danach ja nicht leer und ungenutzt. So stehe dann ein zentraler Veranstaltungsort für etwa 100 Menschen wieder zur Verfügung (der kleine Saal), wenn das Museum mit seinen Büroräumen in die Realschule gezogen sei. Außerdem lasse sich im Kulturhaus das repräsentative zweite Obergeschoss als Schaumagazin der Gemäldegalerie wieder nutzen. Viele Werke im Besitz des Museums können derzeit gar nicht gezeigt werden.

Die große Mehrheit im Rat folgte den Argumenten der Verwaltung. Harald Garding (SPD) brachte das auf diesen Nenner: „Die Entscheidung ist richtig und richtungsweisend.“ Der Versuch, die Kosten so niedrig wie möglich zu halten, sei nur zu begrüßen. Die UWG Jül blieb bei ihrer Ablehnung; im Stadtrat gab es sechs Nein-Stimmen.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert