Umjubeltes Stück um Damen, die Leichen im Keller haben

Von: ptj
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Die Schlinge zieht sich zu für Mortimer (Tarek Idrissi, Bildmitte): Jonathan (Deniz Kutschke, l.) und Dr. Einstein (Adrina Krug) wollen ihn töten. Foto: Jagodzinska

Jülich. Schwarzer Humor paarte sich mit knisternder Spannung und einer Prise Selbstironie in der Stadthalle. Im Rahmen des Theaterfestivals des Gymnasiums Zitadelle brachte der Literaturkurs II unter Leitung von Carsten Tell den Klassiker „Arsen und Spitzenhäubchen“ von Joseph Kesselring ausdrucksstark auf die Bühne.

Bevor der Dreiakter jedoch im viktorianisch eingerichteten Wohnzimmer der Schwestern Abby (Laura Gering) und Martha Brewster (Corinne Fischer) an den Start ging, zeigte sich der Literaturkurs besonders kreativ. Als Einleitung in die Handlung diente ein selbst gedrehter Kurzfilm, unter anderem in den unterirdischen Festungsgängen der Zitadelle. Er zeigt die Festnahme von Jonathan Brewster (Ruben Baumgarten, später im Stück Deniz Kutschke), der als sadistischer Mörder für seine grausamen Taten hingerichtet werden soll, jedoch fliehen kann.

Mordopfer Nummer 13

Die Polizei verliert im Wald seine Spur. Zurück ins Wohnzimmer in Brooklyn, wo die Damen mit der Pastorin Dr. Harper (Schaima Kerroumi) bei Tee und Gebäck über ihre großartige Sonntagspredigt sprechen. Bei ihnen lebt Neffe Teddy (Niklas Frank), der sich für Präsident Roosevelt hält und auch mitten in der Nacht mit seiner Trompete zum Angriff bläst.

Die altmodisch gekleideten Damen gelten als beispielhaft „reizend, charmant und gastfreundlich“. Doch der Schein trügt, sie haben sprichwörtlich ihre Leichen im Keller. Um Bewerber ihres zu vermietenden Zimmers aus der vermeintlichen Einsamkeit zu erlösen, servieren sie mit Arsen versetzten selbst gebrauten Holunderwein. Ihre 13. Leiche, die von Mr. Hoskins (Annika Gilles), wartet allerdings noch in der Truhe im Wohnzimmer und auf ihr christliches Begräbnis in Teddys ausgehobenem „Panamakanal“ im Keller.

Vom Neffen entdeckt

Unglücklicherweise wird sie von Neffe Mortimer (Tarek Idrissi) entdeckt, der gerade der reizenden Pastorentochter Elaine (Sakura Dorn) einen Heiratsantrag gemacht hat. Dialoge wie: „In dieser Truhe ist eine Leiche“ und die trocken servierte Antwort: „Ja, das wissen wir schon“, reizen zum Lachen. Das Chaos wird perfekt, als sich der Angst einflößende Jonathan mit einem chirurgisch veränderten Gesicht in Begleitung seines Arztes Dr. Einstein (Adrian Krug) im Haus niederlassen will.

Auch die beiden Männer haben eine Leiche im Gepäck, die von Mr. Spenalzo (Angelina Hoffmann). So werden nachts im Dunkeln Leichen transportiert – eine besonderes Spaßnummer – Morddrohungen ausgestoßen, mehrfach kommt es zum Mordversuch. Polizistin O‘Hara (Alexandra Bott) will mit Theaterkritiker Mortimer ein Drehbuch für ein Theaterstück schreiben.

Die mit den Brewsters befreundeten Polizisten Brophy (Rouben Rehmann) und Klein (Fynn Cremer) gehen im Haus ein und aus und salutieren respektvoll vor Roosevelt, ihnen fehlt aber der Durchblick. Schließlich kommt es doch zur Verhaftung Jonathans und zum Abtransport Teddys ins Sanatorium „Im glücklichen Tal“ durch Leiter Mr. Witherspoon (Julian Krichel). Bevor die Damen ihren Neffen wegen augenscheinlicher Verwirrtheit dorthin begleiten dürfen, leisten sie sich abschließend einen letzten Streich – um Jonathan im makabren Wettbewerb zu übertreffen.

Die begeisterten Zuschauer in der Stadthalle belohnten die spielfreudigen Akteure mit stehenden Ovationen.

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