Um 11.11 Uhr ist die Kapitulation perfekt

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„Ich mache jetzt bis Aschermittwoch frei“, sagt Jülichs Bürgermeister Axel Fuchs. Die Macht über die Jülicher Verwaltung hält so lange Prinz Fabio I. in Händen. Ob er einen Schreibtisch voller Arbeit bis dahin bewältigen kann, wird sich zeigen. Foto: Jansen
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Beigeordneter Stephan Muckel (r.) als „Mann vom Bau“ übergibt den Rathausschlüssel an Prinz Jürgen I. (Frantzen), der in dieser Session „die Amtskette durch das Ornat getauscht hat“. Foto: Jagoszinska
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Abgeführt: Das Siersdorfer Damen-Dreigestirn hält den gefesselten Bürgermeister Ralf Claßen beim gemeinsamen Zug zum Festzelt noch an der langen Leine. Foto: Wolters
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Jetzt ist es passiert: Die Jecken haben das Rathaus übernommen. „Hausherrin“ Marion Schunck-Zenker ist entmachtet. Foto: Jonel
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Der Schottenrock signalisiert Sparsamkeit: Indens Bürgermeister Jörn Langefeld gab im Rathaus den „Hahn im Korb“. Foto: Kròl

Jülicher Land. Mit einem mulmigen Gefühl war Aldenhovens Bürgermeister Ralf Claßen am Altweiber-Donnerstag aufgewacht. Zu Recht, denn das erste Damen-Dreigestirn der IG Rosenmontagszug Siersdorf hatte sich beim Sturm des Rathauses an die Spitze der Karnevalsgesellschaften gesetzt.

Wegen der Wetteraussichten hatte die Verwaltung zwar das Foyer des Rathauses vorbereitet, doch beim Eintreffen der Narrenschar ließ das Wetter einen Empfang vor den fest verschlossenen Türen zu. Nachdem die resoluten Siersdorfer Damen den größten Rathausschlüssel als Trophäe entgegen genommen hatten, machen sie gleich ernst, überwältigten den weltlichen Rathaus-Chef, fesselten ihn mit einem Seil und zogen mit ihrem Gefangenen zum Festzelt neben dem Spritzenhaus, wo bereits das Freibier auf die feiernde Narrenschar wartete.

Der Sturm aufs Rathaus wird in Linnich seit Jahren vom Allgemeinen Karnevalsverein angeführt. Fix hatten AKV-Präsident Peter Leufen und Kathleen Sprenger, Tanzmariechen des AKV, der Bürgermeisterin den Rathausschlüssel abgeluchst, und schon strömten die vereinigten Narrenscharen hinein in den Ratssaal. „Hier geht‘s normalerweise trockener zu“, meinte die entmachtete „Hausherrin“ Marion Schunck-Zenker noch, bevor sie angesichts der fröhlichen feiernden Menge vollends kapitulierte und mit „Alaaf“ die Seiten wechselte.

Bis Aschermittwoch regiert in Linnich nun das (Narren)Volk. Das darf man wörtlich nehmen. Keine der Karnevalsgesellschaften im Stadtgebiet kann gekrönte Häupter – ob in Zweier- oder Dreierkonstellation – vorweisen. Der Feierlaune tut das keinen Abbruch. Vom „trockenen“ Rathaus zogen die Abordnungen der Karnevalsgesellschaften am Nachmittag ins Festzelt des AKV, wo es hieß: „Feiern bis zum Abwinken.“

Damendreigestirn übernimmt

In Anbetracht der finanziellen Situation der Gemeinde war Indens Bürgermeister Jörn Langefeld im Schottenrock zur Rathausstürmung angetreten. „Als Rheinländer lassen wir uns den Karneval weder durch das Wetter noch durch knappe Kassen vermiesen“, begrüßte er die bunte Narrenschar vor dem Rathaus. Recht schmerzlos verlief die Rathausstürmung und Schlüsselübergabe an das Damendreigestirn der Karnevalsgesellschaft „Lustige Jonge“ Inden/Altdorf mit Prinzessin Stefanie I., Jungfrau Yvonne I., Bauer Britta I.

„Ich wusste gar nicht, dass der Schlüssel so verdammt schwer ist. Da merkt man erst, wie viel Bürde zu tragen ist“, bemerkte Prinzessin Stefanie, nachdem sie den Schlüssel in den Händen hielt. Für die tollen Tag wird sie den Rathausschlüssel mit der KG Echte Fröngde Lamersdorf, der KG Frenzer Burgnarren und den Lucherberger Karnevalsclub Lukkebömmelte Lü teilen. Auch sie waren mit ihren Repräsentanten dabei. Zum Warmschunkeln spielten die Musikfreunde Hambach auf.

Ausnahmezustand im doppelten Sinn herrschte im Zelt der IG „Titzer Karneval“, wo zum wiederholten Male symbolisch das Rathaus erstürmt und die Macht übergeben wurde. Als Platzhalter für Bürgermeister Jürgen Frantzen, der in dieser Session „die Amtskette durch das Ornat getauscht hat“, fungierten sein Stellvertreter Dieter Tambour und Beigeordneter Stephan Muckel, letzterer als „Mann vom Bau“.

Zwei tolle Dreigestirne und diverse Tanzgruppen rockten Bühne und Saal, etliche Schlüssel wurden übergeben. Das Freibier der Gemeinde floss in Strömen, es wurde gebützt, geschunkelt, getanzt und gesungen. Der inzwischen fast stimmlose Ophertener Prinz Jürgen I. (Frantzen) verbreitete umso kräftiger Stimmung.

Weil er „so sexy ist“, wurde er von einer Dame mit einer strahlend weißen Unterhose beschenkt. Prinzenführer Guido Pungg, der singend seine Finanznot bekräftigte, erhielt zum Trost einige Münzen von der Titzer Frauengemeinschaft. Die Jungfrauen der beiden Dreigestirne aus Opherten und Hasselsweiler, Janina I. und Manuela I., sangen inmitten der feiernden Jecken das „Janina“-Lied. Die ersten Rathausschlüssel empfing üblicherweise die Titzer Frauengemeinschaft, angeführt von Kathie Wolf. Als älteste Möhne wurde Doro Jansen geehrt. Thema von Muckels Rede in Reimform waren diverse Spatenstiche, sein Versprechen lautete: „In den nächsten Jahren wird alles vollbracht“.

Jülichs Bürgermeister Axel Fuchs hat seinen Schreibtisch geräumt. „Bis Aschermittwoch hast du jetzt hier das Kommando“, sagte Fuchs zu Prinz Fabio I., der mit Prinzessin Ricarda, Bauer Kilian sowie den beiden Pagen Hanna und Nele angerückt war, um Fuchs den Schlüssel zum Rathaus zu entreißen. Anschließend machte das Kinderdreigestirn einen Besuch im Arbeitszimmer des Bürgermeisters und nahm hinter dem Schreibtisch Platz. Den hatte Fuchs zwar geräumt, aber nicht aufgeräumt. „Der liegt voll mit Arbeit. Aber du hast ja jetzt den Schlüssel“, sagte Fuchs zum Prinzen und alle grinsten.

Muttkrat stirbt aus

Zuvor, beim närrischen Empfang im Rathaus, hatte das Kinderdreigestirn zwei Verfügungen erlassen. 1.: Wer Karneval in Urlaub fährt, der wird bis Ostern eingesperrt. 2.: Lahme Enten, trübe Tassen müssen unsere Stadt verlassen. Zuvor hatten sie den Karnevalsorden der Stadtverwaltung empfangen. Darauf zu lesen steht eine Kritik am Aussterben der gebürtigen Jülicher: Kein Kreißsaal mehr im Krankenhaus – in Jülich stirbt de Muttkrat aus.

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