Linnich - Ulrich Pleitgen in Linnich: von Glas und Glück

Ulrich Pleitgen in Linnich: von Glas und Glück

Letzte Aktualisierung:
6728554.jpg
Mit erhobenem Zeigefinger: Ulrich Pleitgen zeigt bei der speziell auf Linnich zugeschnittenen Lesung sein Temperament. Foto: Mengel-Driefert

Linnich. Das Deutsche Glasmalerei-Museum lud zum Literaturabend mit dem bekannten Hamburger Schauspieler und Hörbuch-Sprecher Ulrich Pleitgen und bot einen ausverkauften besinnlichen Adventabend in einmaliger Kulisse. „Vorsicht zerbrechlich“, lautete das Thema und der Titel der Veranstaltung.

Ulrich Pleitgen trug Geschichten und Gedichte, sowie Märchen von Hans Christian Andersen über Glas und Glück vor, umgeben von Kunst des zeitgenössischen Glasmalers Tobias Kammerer. Der Theater- und Filmschauspieler wirkte in zahlreichen Filmen und Fernsehserien mit, zum Beispiel als Apotheker Johannes Kleist in der Serie „Familie Dr. Kleist“ , „Großstadtrevier“ oder in diesem Jahr in dem Film „Als meine Frau mein Chef wurde“.

Als renommierter Hörbuch-Sprecher spezialisierte er sich auf Geschichten von Edgar Allan Poe, aber auch Henning Mankell und vielen anderen. Er wurde mit dem „Bambi“, „Goldenen Bären“, dem Deutschen Hörbuchpreis, dem Preis der Deutschen Schallplattenkritik und einer Goldenen Schallplatte ausgezeichnet.

Am Vorabend der Lesung schilderte Pleitgen im Gespräch mit unserer Mitarbeiterin Daniela Mengel-Driefert seine Sicht zu Glas, Glück, Liebe und Literatur.

Herr Pleitgen, sie lesen im Deutschen Glaserei-Museum in Linnich Geschichten und Gedichte über Glas und Glück.

Pleitgen: Glas ist eine Metapher, darauf habe ich diese Lesung aufgebaut. Zerbrochenes Glas hat etwas mit zerbrochener Liebe zu tun, oder mit Tod und all diesen Dingen, dem bin ich nicht ausgewichen. Und ich find es sehr schön, dass die mich hier eingeladen haben. Ich finde solch einen Ort sehr inspirierend. Auch Glasmalerei ist was Wahnsinniges, weil die Farben so unglaublich intensiv sind.

Das ist eine Lesung speziell für Linnich?

Pleitgen: Das ist nur für Linnich. Also ohne Lesen kann ich mir ein Leben gar nicht vorstellen, ich kann auch mit Menschen schwer umgehen, die nicht lesen, weil ich merke, dass die einen Teil ihrer Lebenserfahrung gar nicht gemacht haben. Literatur verlängert das Leben, ich meine jetzt nicht an Jahren, sondern an Wissen und Empfinden von dem was Leben ist oder wie Menschen sind. Das wird durch gute Literatur erhöht, verstärkt.

Sie haben in einem Interview gesagt: „ Gute Literatur weitet das Gehirn für die Probleme der Zeit“.

Pleitgen: Ja, das meine ich, unbedingt. Deshalb ist das nicht diese Leserattengeschichte, sich in ein „Wolkenkuckucksheim“ flüchten oder sowas, sondern genau das Gegenteil ist der Fall. Gute Literatur „presst“ einen in die Zeit hinein und da möchte ich auch gerne sein, also nicht immer gerne, aber sein.

Glas und Glück. Was ist für sie persönlich Glück?

Pleitgen: Für mich persönlich ist das Glück mit dem Wohlergehen von möglichst vielen Menschen verbunden. Dann mit meinem privaten Leben natürlich, das ziemlich glücklich verläuft, auch mit meinem beruflichen Leben. Das verläuft auch glücklich und ich bin dankbar, dass ich nur wenige Niederbrüche in dieser Beziehung erlebt habe.

Die Lesung ist sehr tief und ernst?

Pleitgen: Ja, es wird sehr ernst. Ich glaube es wird auch wirklich traurig. Ich lese zum Beispiel sieben Gedichte von einer Frau. Da geht es um Liebe, um Streit und Trennung, Versöhnung und dann Tod und es handelt sich immer um den gleichen Menschen, um den Geliebten dieser Frau. Ich sehe nicht ein, warum das nicht mit Glück und Glas zusammenhängt. Ich kann das ja nicht so eng fassen, das ist unmöglich. Ich muss immer wieder sagen, Glas ist Metapher. Das gesprungene Glas, das länger hält als das Heile, das kann immer nur Metapher sein. Scherben, sind die „Scherben des Glücks“.

Es kommt alles vor. Und es ist auch traurig. Ich bin auch der Meinung, warum soll man der Welt die Trauer und die Melancholie vorenthalten. Wir leben ja so schrill mit diesem Werbegebrüll und disem ganzen Kram. In früheren Zeiten hieß es, man singt im Wald, wenn man Angst hat. Das ist heute nicht anders. 90 Prozent aller Liebesgeschichten enden nicht als Liebesgeschichte. Das ist vielleicht die wichtigste Erkenntnis aus dem Gedanken „Glück und Glas, wie leicht bricht das!“ Unser aller Ziel ist die große Liebesgeschichte. Es ist das Thema unseres Lebens.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert