Überreste einer vor 7000 Jahren verstorbenen Dürenerin

Von: Guido Jansen
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Sie besuchten Lilith bei ihrem
Sie besuchten Lilith bei ihrem ersten Tag im Museum (von links): Dürens Bügermeister Paul Larue sowie Gabriele Uelsberg, Ralf Schmitz, Marco Romussi vom Museum und Archäologe Oliver Ungerath. Foto: Guido Jansen

Düren. Das alte Dürener Mädchen hat sich illustre Gesellschaft ausgesucht. Lilith, die über 7000 Jahre alte Bäuerin, die im vergangenen Jahr in der Nähe von Arnoldsweiler gefunden wurde, wohnt seit Mittwoch in Bonn in einer Prominenten-Wohngemeinschaft.

Ihre Mitbewohner im LVR-Landesmuseum sind die zwei Oberkassler, die etwa 14.000 Jahre alt sind. Im Nebenzimmer residiert der bekannteste Promi des Museums. Meister Neandertaler höchstpersönlich. Oder das, was von dem 42.000 Jahre alten Mann übrig geblieben ist.

Dieser Knochenfund war es, der die Erforschung der Menschheitsgeschichte im 19. Jahrhundert gehörig durcheinander gewirbelt hat. Und mittendrin Lilith, die im Vergleich zu ihren Mitbewohnern ein echt jünger Hüpfer ist. Am Mittwoch ist die junge Frau, Lilith soll zwischen 20 und 30 Jahren alt gewesen sein, in die WG eingezogen. Viel Presse war da und noch mehr Wissenschaftler, die die sterblichen Überreste freudig erregt betrachteten.

Traum vom Bandkeramiker

Warum ausgerechnet löst ein Fund, der wesentlich jünger und viel schlechter erhalten ist als die anderen Exponate, so viel Interesse aus? „Vor 50 Jahren haben wir nur davon geträumt, einen Bandkeramiker zu finden”, sagt Archäologe Dr. Rudolph Kuper, der sich am Mittwoch gar nicht erst bemühte, seine Begeisterung zu verbergen. „Ich hätte früher einen Tag meines Lebens gegeben, um für eine Minute einen Blick auf einen Bandkeramiker zu werfen”, so Kuper.

Lilith und ihre Mitbewohner - also die aus dem echten Leben vor über 7000 Jahren in der Nähe des heutigen Arnoldsweiler, bedeuteten einen großen Einschnitt und Fortschritt. „Das sind die frühesten Funde einer Bauern-Kultur im Rheinland”, erklärt Ralf Schmitz, Historiker am LVR. Viele tausend Jahre zuvor seien die Menschen Sammler und Jäger gewesen.

Liliths Generation war die erste, die sesshaft wurde und begann, Landwirtschaft zu betreiben. Überbleibsel aus dieser Zeit haben die Archäologen im Rheinland viele gefunden. Aber die Menschen bisher nicht. „Lilith ist das erste Skelett aus dieser Zeit, das präsentabel ist”, schildert Schmitz. Deshalb sei das jüngste Mitglied der Alteingesessenen-Wohngemeinschaft in Bonn keinesfalls das unwichtigste.

2009 und 2010 waren etwa 200 Gräber aus der Zeit von 5000 vor Christus in der Nähe von Arnoldsweiler gefunden worden. Dazu die Überreste einer ganzen Siedlung mit Zäunen, Grundrissen von Häusern und einem Wasserbrunnen. „Wir arbeiten an der Auswertung der vielen Funde”, erklärt Archäologe Oliver Ungerath.

Zwei Jahre haben Wissenschaftler im Vorfeld der Autobahnverlegung in der Nähe von Arnoldsweiler gegraben und Fundstücke geborgen. „Die Auswertung wird noch viele Jahre dauern”, deutet Ungerath an, dass Lilith und ihren Mitmenschen von damals noch häufiger für Schlagzeilen sorgen werden.

Zugezogen oder alt eingesessen?

Eine der spannendsten Fragen: Waren Lilith und Co. zugezogen oder bestand die Siedlung, die auf der Grenze zwischen Düren und Niederzier liegt, schon länger? Viel Arbeit liegt noch vor den Wissenschaftlern.

Einer hat seinen Teil schon erledigt. Marco Romussi, Restaurator am Landesmuseum in Bonn, hatte fast ein Jahr lang alle Hände voll zu tun mit Lilith. Von den Knochen der Ur-Dürenerin ist nicht viel erhalten. Und das bisschen Subtanz drohte zu zerfallen, weil Lilith entwässert werden musste und damit fast 13 Prozent ihrer Substanz verloren hat. In mühevoller Kleinstarbeit hat Romussi die schwache Knochensubstanz und die Ton-Abdrücke, die die Knochen hinterlassen haben, in Schuss gebracht. „Ich kenne jeden ihrer Risse”, sagt der Restaurator.

Lilith wird dauerhaft im LVR-Museum bleiben. Der Zustand ihrer Überreste ist schlecht. Oder wie Ralf Schmitz sagt: „Sie ist nicht transportfähig.”
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