Überragendes Interesse an den drei Bürgermeister-Kandidaten

Von: Antonius Wolters
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Gute Stimmung auf dem Podium: Beim Austausch der Auffassungen und möglichen Handlungsalternativen blieben die Bewerber um das Bürgermeisteramt in Aldenhoven durchweg sachlich. Foto: Wolters
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Die beiden Herausforderer Ralf Claßen (l.) und Stephan Spaltner stellten ihre Positionen und Ideen dar. Foto: Wolters
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Amtsinhaber Lothar Tertel hob im Diskussionsverlauf mehrfach warnend den Finger. Foto: Wolters
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Auch die Bürger kamen zu Wort. Foto: Wolters

Aldenhoven. Die Aldenhovener waren ziemlich neugierig auf ihre Bürgermeisterkandidaten, denn schon eine Stunde vor Beginn pilgerten die ersten zur Aula der Hauptschule, in der es am Ende nur noch Stehplätze gab.

Einig waren sich die Bewerber um das Bürgermeisteramt – Titelverteidiger Lothar Tertel und die beiden Herausforderer Ralf Claßen (CDU) und der von der SPD nominierte Stephan Spaltner –, dass die Gemeinde mit ihrem Standort an zwei Autobahnen gute Voraussetzungen für eine prosperierende Zukunft besitzt. Während Amtsinhaber Tertel Kinderbetreuung, Schulen, Vereine und Dorfgemeinschaften als weitere Pluspunkte aufzählte, stellte Ralf Claßen nüchtern fest, dass sich die Gemeinde unter Wert darstelle: „Manche wissen die Vorzüge nicht zu schätzen.“ Stephan Spaltner kritisierte gar, dass der Strukturwandel in Teilen verschlafen worden sei und sich die Gemeinde Förderprogramme in Millionenhöhe durch die Lappen gehen lasse. Lothar Tertel rechnete vor, dass Aldenhoven immer von zwei Großunternehmen abhängig war: EBV und RWE. Die zahlten früher rund acht Millionen Euro Gewerbesteuer jährlich, heute nur noch rund drei Millionen. Voraussetzung für die Förderprojekte seien ein Masterplan und Entwicklungskonzepte, die zwar angestoßen seien, ein Jahr Vorlauf und einen Eigenanteil der Gemeinde bräuchten.

Wer zuerst kommt, mahlt zuerst

Dass Fachleute einen Förderantrag unterstützen können, merkte Spaltner an, der gleichzeitig zur Eile mahnte: „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst.“ Claßen gab noch zu bedenken, dass bei quartierbezogenen Projekten eines ausgewählt werden müsse, das zu Aldenhoven passt. Froh ist das Trio beim Thema Finanzen, dass die Gemeinde trotz Zugehörigkeit zum Stärkungspakt das Heft des Handelns noch in der Hand hat und derzeit keinen Sparkommissar fürchten muss. Tertel sprach in diesem Zusammenhang von einer „Superleistung im Sparen“, die inzwischen eine Grenze erreicht habe. So sei etwa die Zahl der Mitarbeiter im Bauhof von 53 auf 38 reduziert worden, von denen zwei für alle Grünanlagen zuständig seien.

Claßen schlug vor, alle Fördertöpfe abzugrasen und findet es gleichzeitig bedrückend, dass Leute abgewiesen werden, die in der Gemeinde investieren möchte. Immerhin befinde sich hier mit dem ATC eine der weltweit bekanntesten Autoteststrecken ein Pfund, mit dem die Gemeinde wuchern könne. Statt mit den Nachbarkommunen zu kooperieren, habe sich Aldenhoven isoliert. In Sachen ATC haben Claßen & Co. eine Umfrage unter den Anwohnern zur Lärmbelastung gestartet und Lösungsschritte diskutiert.

„Ein interkommunales Gewerbegebiet ist dringend notwendig“, rief Spaltner dazu auf, dem Mittelstand dringend notwendige Hilfe zu gewähren. „Die bleiben dann hier, sonst gehen sie weg.“

Tertel gab zu bedenken, dass im Industriepark Emil Mayrisch zwar acht Hektar direkt bebaubarer Fläche zur Verfügung stehen, deren Vermarktung aber „etwas schleppend“ erfolge und die Gemeinde selbst keinen Quadratmeter Gewerbefläche mehr besitzt, die sie anbieten könnte. Es gebe nur noch eine Optionsfläche, wo das Autohof-Projekt geplant war.

Fragen aus dem Publikum

Die Fragen der Zuhörer zielten darauf, was zu tun ist, um den Einzelhandel zu stärken und das Aldenhovener Zentrum zu beleben. Spaltner führte in Sachen Nahversorgung als Beispiel das Dorv-Projekt in Barmen an, für das auch in Aldenhoven engagierte Bürger gefunden werden müssten. Tertel informierte, dass „ein mittelgroßer Discounter“ einen neuen Standort brauche. Der könne möglicherweise ins Zentrum gerückt werden. Zur Entwicklung des Römerparks brachte Spaltner einen studentischen Wettbewerb ins Spiel. Die Bewirtschaftung lasse sich auf eine gemeindliche Gesellschaft wie die Woga übertragen, um den Bauhof zu entlasten: „Es ist genug Arbeit da.“

Breiten Raum bei den Fragen nahm die prekäre Parkplatzsituation im Zentralort ein. Tertel wies darauf hin, dass die Planung aus einer Zeit mit weit geringerem Verkehr stamme und schlug eine Einbahnstraßen-Regelung vor, während Claßen für ein Parkraumkonzept plädierte, das die gesamte Gemeinde umfasst. Hier gebe es nicht zuletzt aufgrund der Knöllchen eine große Unzufriedenheit.

„Mittelfristig steht der Umzug nach Aldenhoven fest“, positionierte sich Stephan Spaltner klar bei der Frage, ob er nach seiner Wahl zum Bürgermeister weiterhin in Merkstein wohnen bleibt.

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