TTC-Spieler Adel Massaad startet bei den Olympischen Spielen

Von: Antonius Wolters
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Ein Olympionike lässt grüße
Ein Olympionike lässt grüßen: Tischtennis-Methusalem Adel Massaad (l.) startet in London für Ägypten. TTC-Manager Arnold Beginn hat den 48-Jährigen für sein blutjunges Team verpflichtet. Foto: Wolters

Jülich. „Jungsein ist kein Garant für Erfolg”, sagt Adel Massaad und vielleicht muss er das sagen und denken, denn der 48-jährige Tischtennisprofi in Diensten des TTC Indeland Jülich, der in den letzten vier Jahren offiziell nicht mehr zum Schläger gegriffen hat, schickt sich an, mit der ägyptischen Mannschaft bei den Olympischen Spielen in London an den Start zu gehen.

Bevor er am Mittwoch im Flieger nach Kairo saß, wo die ägyptische Mannschaft zusammen kam, schaute er noch bei TTC-Manager Arnold Beginn vorbei, der ihn dereinst für den professionellen Tischtennissport entdeckt hat. Beginn erlebte Massaad Anfang der 1980er Jahre bei der Jugend-Endrangliste in Baesweiler.

Der Junge mit dem rosa Hemd und den zweierlei Paar Turnschuhen fiel ihm gleich ins Auge, weil er den Schläger stetig zwischen beiden Händen wechselte und bei den Zuschauern auch keinen Zweifel über seine jeweiligen Gefühle ließ - das gefiel Beginn, zumal der junge Adel auch so schwierige Schläge wie den Rückhand-Topspinn in seinem Repertoire hatte. Beginn verpflichtete den „bunten Vogel”, der auch im Zirkus auftreten könnte und bewies einmal mehr sein feines Näschen für Talente.

Der Tischtennis-Tausendsassa hatte sich nämlich für seine erste Saison in Jülich 1984/85 vertraglich zwei Spiele in der Bundesligamannschaft des TTC zusichern lassen. Da seinerzeit die beiden ersten Partien gegen den damals amtierenden Meister Grenzau und Borussia Düsseldorf gingen, wollte die Mannschaftsleitung den Neuling für die schon abgeschriebenen Patien aufbieten.

Doch sie hatten nicht mit Adels unbändigem Ehrgeiz und seiner tiefen Abneigung gegen Niederlagen gerechnet: Der Senkrechtstarter siegte, avancierte zum „Tischtennisspieler des Monats” und eroberte mit seinem Auftreten schnell die Herzen der Zuschauer. „Jülich ist der einzige Verein, der zählt”, sagt „Wandervogel” Massaad heute, der in seiner langen Karriere schon bei vielen Vereinen angeheuert hat, aber dabei immer wieder zu den Herzogstädtern zurückgekehrt ist.

„In Jülich habe ich schließlich mit den Besten der Welt gespielt”, liebt er das im besten Sinne Tischtennis-verrückte Umfeld des Vereins, dessen blutjunge Zweitliga-Mannschaft der Doppel-Spezialist in der neuen Saison verstärkt. Auf diese Weise spielt Adel Massaad mit und gegen die dritte Tischtennis-Generation seiner Karriere: Los gings mit Spielern wie Engelbert Hüging, bevor er auf die Generation Jörg Roßkopf/Steffen Fetzner traf. Aktuell ist Timo Boll im europäischen Tischtennis das Maß aller Dinge. Ein Nachfolger muss erst noch gefunden werden.

TTC-Manager Beginn verspricht sich von Massaads Verpflichtung, dass sich sein Talentschuppen von der professionellen Einstellung des Altmeisters etwas abschauen und der Zusammenhalt im Team gestärkt wird. Denn bei aller Lockerheit kann der 48-jährige Ägypter auch ein knallharter Kritiker sein, der auch von seinen Mitspielern Ehrgeiz und Leidenschaft einfordert und diese mit kessen Sprüchen provoziert. Als „Krieg am Tisch”, beschreibt er beispielsweise seine Sportart, „sonst ist es langweilig”.

Seine eigenen Aussichten in London schätzt der Publiumsliebling realistisch ein: „Ich hatte nicht damit gerechnet”, nahm er zwar vor zwei Monaten an einem Vorbereitungslehrgang in Ägypten teil, ohne Illusionen. Er hat dabei aber eine so gute Figur gemacht, dass ihn unlängst die Nominierung des ägyptischen Verbandes erreichte - per SMS.

„Ich bin besser als vor vier Jahren”, ist Adel Massaad, der auch bei den Olympischen Spielen in Peking 2008 an die Platte ging, mit seiner intensiven Vorbereitung auf den Wettkampf sehr zufrieden. Er engagierte dazu als Privattrainer eigens den Chinesen Chen Zibin, Nationaltrainer der Niederlande, mit dem er sechs Wochen lang bis zu fünf Stunden täglich gearbeitet hat. Zudem sieht er es als Vorteil an, dass die Bälle größer, die Beläge langsamer und die Sätze kürzer geworden sind. Das trage dazu bei, dass er konkurrenzfähig bleibe. Als Voraussetzungen für den Erfolg sieht er Talent, Ehrgeiz und vor allem Fleiß. Dazu gehöre auch, im Kopf gut zu sein. Der Vorteil eines 48-Jährigen gegen die Jungspunde: Er kann gewinnen, die Jüngeren müssen...

Mit im Fluggepäck nach Kairo hatte Massaad auch etliche Kilogramm Equipment, das er von Butterfly mitbringt, dem offiziellen Ausrüster der ägyptischen Tischtennis-Nationalmannschaft. Für das nordafrikanische Land gehen in London drei Damen und vier Herren an den Start. Dazu kommen noch zwei Trainer und der Delegationschef des zehnköpfigen Tischtennis-Teams, das am 24. Juli in die britische Hauptstadt fliegt und Quartier im Olympischen Dorf bezieht. Am 28. Juli werden die olympischen Einzel ausgelost. Im Mannschaftswettbewerb, wo Adel Massaad im Doppel zum Zuge kommen soll, erfolgt die Auslosung am 2. August.

In der Weltrangliste liegt Ägyptens Mannschaft auf Rang 14, die besten 16 Mannschaften sind bei Olympia am Start. Zu den politischen Umbrüchen in seinem Heimatland - der Vater ist Ägypter, die Mutter kommt aus Algerien - äußert sich Adel Massaad eher zurückhaltend. „Er kehrt langsam Ruhe ein”, hat er bei seinem jüngsten Besuch im revolutionsgeschüttelten Kairo festgestellt.

Ohnehin sind die Olympischen Spiele für den lausbubenhaften Gewinnertypen nur der Aufgalopp zu einem größeren Ziel: Nachdem der Ehren-Jülicher 1990 in Casablanca Afrikameister geworden ist, startet er im November in Kairo mit einer Wildcard erneut in diesem Wettbewerb.
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