Jülich - Trotz Schikanen: Immer noch eine „Rennstrecke“?

Trotz Schikanen: Immer noch eine „Rennstrecke“?

Von: Guido Jansen
Letzte Aktualisierung:
15594797.jpg
Tägliches Bild: Lastwagen und Autos schlängeln sich durch die Schikane auf der Kirchberger Straße am Ortsausgang. Viele sind angeblich immer noch zu schnell unterwegs. Foto: Jansen
15593740.jpg
Sie sehen das Problem in der Kirchberger Straße nicht als erledigt an: Josef Krott (links) und Herbert Ross. Foto: Jansen

Jülich. Herbert Ross sagte, dass er lachen musste, als er las, dass die Situation auf der Kirchberger Straße in Jülich sich beruhigt habe. Nach dem tödlichen Motorradunfall im Sommer erkundigte sich die Redaktion bei Verwaltung und Politik in der Stadt und dem Kreis, ob sich das früher so häufig beklagte Raser-Problem auf der Kreisstraße, die durch Stadtgebiet führt, gebessert habe.

Politik und Verwaltung haben das bejaht. Und deswegen musste Ross, Anwohner an der Kirchberger Straße, lachen. Die Behauptung sei ein Witz, allerdings ein schlechter. Und deswegen war das Ross‘sche Lachen ironischer Natur.

„Hier hat sich gar nichts gebessert. Hier wird genauso gerast wie früher“, sagt Ross, und Josef Krott, der nahe an der Kirchberger Straße wohnt, bestätigt ihn. Ross spricht von Rennen, die abends oft gefahren werden zwischen der Schikane am Ortseingang nahe der Bundesstraße und dem Fußgängerüberweg in Richtung Innenstadt. „Ich habe oft den Eindruck, dass da um eine Kiste Bier gewettet wird, wer am schnellsten ist“, sagt Anwohner Ross. Sicher ist er sich nicht, was mögliche Wetteinsätze angeht. Aber das Fahrverhalten spreche dafür.

Die zweite Problemzeit haben Ross und Krott in den frühen Morgenstunden ausgemacht. „Da geben offenbar stadteinwärts auf der Kirchberger Straße viele Gas, um zu verhindern, dass sie zu spät zur Arbeit kommen“, mutmaßt Krott. Auch der Motorradunfall mit tödlichem Ausgang sei im Berufs-Anreiseverkehr passiert.

Schulkinder haben Angst

Ross hat zu dieser Uhrzeit einen anderen Konflikt beobachtet, der ihm zu denken gibt. Zwar gebe es den deutlich markierten und mit Warnbaken gekennzeichneten Zebrastreifen. „Aber ich sehe oft, dass die Schulkinder morgens wieder zurückspringen, aus Angst, dass sie von denen erwischt werden, die hier zu schnell fahren.“ Seit Jahren reklamieren unter anderem Ross und Krott das Problem der vermeintlichen Raserei auf der Kirchberger Straße. „Das wird vermutlich nicht besser werden, bis es hier den nächsten Toten gibt“, sagt Ross.

Etliche Male hätten sie sich an Stadt und Kreis gewandt. Die Straße sei mit Parktaschen verengt und mit der Schikane am Ortsausgang versehen worden. „Ich beobachte aber immer wieder, dass Fahrer das als sportlichen Anreiz nehmen, die Schikane schnell zu durchfahren und dann wieder zu beschleunigen“, berichtet Ross.

Die Polizei habe den Verkehr mal überwacht und laut Krott und Ross festgestellt, dass die Durchschnittsgeschwindigkeit zwischen 55 und 57 km/h liege. Aber weil die Kirchberger Straße kein Unfallschwerpunkt sei und zudem den Status einer Kreisstraße hat, sei ein Absenken auf Tempo 30 behördlich schwer umzusetzen.

„Die Stadt Jülich müsste die Straße kaufen, um bestimmen zu können, was hier passiert. Aber dafür hat sie kein Geld“, gibt Ross eine oft gehörte Antwort wieder. So habe sich seit über 20 Jahren nichts geändert an dem Problem des zu massiven und zu schnell fahrenden Durchgangsverkehrs. Eine andere Idee haben Krott und Ross noch, nämlich einen Starenkasten.

Leserkommentare

Leserkommentare (1)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert