Kirchberg - Trotz Gegenwind: Wellpappenproduzent setzt sich durch

Trotz Gegenwind: Wellpappenproduzent setzt sich durch

Von: Volker Uerlings
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Die Wymarstraße in Kirchberg wird überbrückt: Von der Produktion auf der rechten Seite zum Versand-Neubau auf der linken Seite werden die Produkte 200 Meter automatisch transportiert. Die Darstellung hier ist nur beispielhaft, nicht originalgetreu. Zeichnung: Eichhorn KG
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Steht dem Bauvorhaben optimistisch gegenüber: Geschäftsführer Hellmuth Eichhorn. Foto: Uerlings

Kirchberg. Der Kirchberger Wellpappenproduzent Carl Eichhorn KG hat seit Februar Sicherheit, dass seine Erweiterungspläne im Jülicher Stadtteil politisch abgesegnet sind. Der Bau eines Logistikzentrums erhielt eine deutliche Mehrheit im Stadtrat, obwohl es im Dorf doch viele Widerstände gab. Wie geht es nun weiter?

Geschäftsführer Hellmuth Eichhorn hat auf Anfrage der Lokalredaktion über den Stand der Planungen und die Situation des Familienunternehmens informiert. Im Verlauf des nächsten Jahres, 2018, soll der Bau beginnen – und zwar zunächst der Brücke über die Wymarstraße.

Dieses Bauwerk soll den Produktionsstandort auf der (von Jülich aus) rechten Straßenseite mit dem neuen Versand auf der linken Seite verbinden und insgesamt rund 200 Meter lang werden. Die Eichhorn KG kooperiert laut Geschäftsführer mit der Fachhochschule Aachen und werde auch die Nähe zur RWTH Aachen nutzen, um technische Herausforderungen bestmöglich zu meistern. Dabei geht es nicht um den automatisierten Transport, sondern um Besonderheiten.

„Wir müssen natürlich die Klimatisierung sicherstellen. Da kommt frisch produzierte warme Wellpappe, die dampft aus“, erklärt Hellmuth Eichhorn. Das erfordere zudem eine Einteilung des Brücken-Bauwerks in Brandschutzabschnitte.

Der neue Versandbereich links seit deutlich größer als in den Altgebäuden. Die wiederum sollen später neue Produktionsmaschinen aufnehmen. Auf diese Weise könne die Carl Eichhorn KG eben nicht nur mehr Ware näher lagern, sondern auch die Produktionskapazitäten erhöhen, um in Summe „just in time“ kurzfristig liefern zu können, was viele Kunden heute als Selbstverständlichkeit voraussetzten. Diese neue Logistik helfe dem Unternehmen, deutlich zu sparen, sagt Hellmuth Eichhorn, weil die Ware bislang in deutlicher Entfernung gelagert werde.

Diesen Effekt gibt es gleich mal zwei, da der Wellpappenhersteller exakt diesen Schritt auch in seinem Werk in Brechen (Hessen) umsetzt. Hier ist laut Geschäftsführer das Projekt „Lager- und Kapazitätserweiterung“ vor sechs Wochen bereits gestartet worden. „Wir kalkulieren dort mit Investitionen zwischen 12 und 14 Millionen Euro“, erklärt Hellmuth Eichhorn, der das Unternehmen in Kirchberg, das 1855 gegründet wurde, in fünfter Generation führt. In den Stammsitz Jülich soll über Jahre noch mehr Geld fließen.

„Wir sichern das Unternehmen nachhaltig ab. Aber das ist auch schon mutig“, gesteht Eichhorn, der seine Aufgabe selbst definiert: „Das Unternehmen auf die nächsten 20 Jahre sichern. Dafür brauchen Sie eine gewisse Größe.“ Genau die soll nach Abschluss der Investitionen erreicht sein, denn im Optimalfall hat die Eichhorn KG dann ihre Produktionskapazitäten fast verdoppelt und auch ihre Belegschaft (rund 280 Beschäftigte) deutlich aufgestockt.

Die Nachfrage sei ungebrochen hoch, aber auch das alteingesessene Unternehmen müsse mit „Überraschungen“ zurecht kommen. Die jüngste war die, dass sich die Rohpapierpreise nach dem Jahreswechsel „explosionsartig“ entwickelt hätten, weil in Asien die Nachfrage nach bestimmten Papierqualitäten „von jetzt auf gleich“ gestiegen sei. Die Produzenten hätten mit solchen Preissprüngen jedenfalls nicht gerechnet (+ 30 Prozent) und Mühe, ihrerseits Preiserhöhungen durchzusetzen. Daher habe „diese Industrie im Moment eher Gegenwind“.

Den größten Gegenwind im Ort hatte wiederum das Unternehmen mit dem geplanten 35-Meter-Hochregallager, das erst in einem zweiten Schritt gebaut wird. Im Moment sei die Eichhorn KG dabei, die verschiedenen Systeme kennenzulernen, um das am besten geeignete auszuwählen. „Wir verhandeln mit vier Anbietern parallel“, sagt Eichhorn. Wer hoch hinaus will, muss sich absichern.

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