Treffen der Genossen soll keine Eintagsfliege bleiben

Von: Kr.
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Geeminsames Gedenken: Mit den politischen Freunden aus den Niederlanden und Belgien unternahmen die Jülicher Sozialdemokraten auch einen Rundgang durch die Herzogstadt. Foto: Kròl

Jülich. Am 28. Juni 1914 fiel in Sarajevo ein Schuss, der die Welt in Brand setzen sollte. Der österreichische Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand wurde ermordet und genau einen Monat später erklärte Österreich Serbien den Krieg. Wie ein Flächenbrand breitete er sich auch und wenig später beteiligte sich auch Deutschland.

17 Millionen Menschen verloren damals das Leben und 20 Millionen blieben schwer verwundet zurück. Dieser Krieg, der bei unseren Nachbarn als „der große Krieg“ in die Geschichtsbücher einging, lieferte außerdem den Zündstoff für den Zweiten Weltkrieg.

Vergangenheitsbewältigung – genau 100 Jahre nach dem Ausbruch des Krieges – ist daher unabdingbar. Auch die Sozialdemokraten fühlen sich da in die Pflicht genommen, war es doch die sozialdemokratische Fraktion im Reichstag, die am 4. August 1914 einstimmig beschloss, den geforderten Kriegskrediten zuzustimmen. Kurz zuvor hatte der SPD-Vorstand noch im „Vorwärts“ vor den Krieg gewarnt und war für Völkerverbrüderung eingetreten. Bereits eine Woche später unterstützten sie die deutsche Kriegspolitik.

„Gründe gab es viele“, erklärte Marco Maria Emunds, Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Jülich und fragte weiter: „Wie konnte es so schnell zur Abkehr von der Völkerverbrüderung kommen? Gewalt und Kriege zerreißen schnell Bande, die über Generationen gewachsen sind“. Immer wieder wird dies auch in der heutigen Zeit deutlich, denkt man an den Jugoslawienkrieg und die Zustände in der Ukraine. Der Frieden in Europa ist brüchig und gefährdet. „Der Schlüssel zum Frieden liegt darin, dass man sich kennt und erkennt, sich in die Augen schaut und vertraut“, ergänzte Emunds.

Er und seine Jülicher Genossen sind sich ihrer Verantwortung bewusst und hatten deshalb zum gemeinsamen Erinnern, zum Kennenlernen und auch, um den Blick in die Zukunft zu richten, die sozialdemokratischen Schwesterparteien aus Eupen und Heerlen zu einem Treffen nach Jülich eingeladen. Elf Genossinnen und Genossen aus Eupen, an der Spitze der Parlamentspräsident der deutschsprachigen Gemeinschaft, Karl- Heinz Lambertz, und acht Freunde aus Heerlen mit ihrem Vorsitzenden Wim Meijers waren nach Jülich gekommen, um miteinander der Ereignisse von 1914 zu gedenken und in die Zukunft zu schauen. Zunächst begrüßte Bürgermeister Heinrich Stommel die ausländischen Gäste, stellte Jülich und seine Geschichte vor, ehe sich die Besucher zu einem Rundgang durch die Stadt aufmachten. Am Abend trafen sich die Sozialdemokraten im Café Pasqualini.

Mittlerweile war auch Dietmar Nietan MdB zur Gruppe gestoßen. „Gedenken ist mehr als ein Ritual. Es erinnert uns daran, dass Frieden und Freiheit erkämpft werden müssen und dies nur in gemeinsamer Kooperation gemeistert werden kann“, sagte er. Parlamentspräsident Karl-Heinz Lambertz dankte den Jülicher Sozialdemokraten für die Initiative, die sie ergriffen haben und hofft, dass dieses Treffen keine Eintagsfliege bleibt. „Auch wenn es keine Grenzen mehr gibt, bleiben Vorurteile in den Köpfen. Deshalb ist das Gedenken so wichtig“, meinte er und sein Genosse aus den Niederlanden, Wim Meijers, erinnerte daran, wie brüchig der Frieden in Europa sei. „Wir stehen für eine sozialdemokratische Gemeinschaft, wo Platz für alle ist“, sagte er.

In seinem Festvortrag „Der Sprung ins Dunkle – Der Erste Weltkrieg in Jülich und im Gebiet zwischen Maas und Rhein“, beleuchtete Guido von Büren den Weg zum Ersten Weltkrieg und die Rolle der Stadt Jülich sowie Belgiens und der Niederlande.

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