Trappistenbiere können leicht eine Mahlzeit ersetzen

Von: bw
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Das fünfte „Bierlust”-Semin
Das fünfte „Bierlust”-Seminar im Jülicher Kulturbahnhof bot diesmal den zahlreichen Gästen und Bierkennern einen interessanten Einblick in die vielfältige Welt belgischer Biere. Foto: Björn Wickmann

Jülich. Dass unser Nachbarland Belgien seit vielen Jahrhunderten über eine ausgeprägte Bierbraukultur verfügt, ist in ganz Europa bekannt. Kein anderes Land hat gemessen an seiner Bevölkerung eine höhere Brauereidichte.

Hier gibt es noch sehr viele kleine private Brauereien, die zum Teil in Klöstern betrieben werden. In seinem mittlerweile fünften „Bierlust”-Seminar im Kuba hat sich Biersommelier Frank Lieth speziell der Brautradition unserer Nachbarn gewidmet.

Theorie und Praxis „gebüffelt”

Im ausverkauften großen Saal erfuhr das interessierte Publikum eine Menge über die Herstellung des leckeren Gerstensaftes in theoretischer und praktischer Form. „Das Bierbrauen ist eine uralte Geschichte, die bei den Sumerern begann. Sie wussten das Getränk zu schätzen, hatten aber noch keine Ahnung von den Vorgängen während der Vergärung”, erläuterte Lieth. Interessanterweise entstand der Erzählung nach das erste Bier durch einen in einer Schale abgestellten Getreidebrei, der sich mit Regenwasser vermischte und später zu gären begann.

Im Mittelalter waren Klöster die Hauptproduzenten von Bier, und die Mönche gaben es auch als Getränk an die Bevölkerung aus. Zum Bedauern von Lieth hat Bier in der heutigen Gesellschaft aber nicht den hohen Stellenwert, den beispielsweise Rotwein genießt. „In vielen Geschäften und Restaurants können sie sich eine ausführliche Beratung zu verschiedenen Weinsorten holen, aber versuchen Sie das mal bei Bier”, erklärte Lieth weiter. Deshalb ist es ihm ein großes Anliegen, das Image des Getränks aufzupolieren. Zum Seminar im KuBa waren Gäste aus der gesamten Euregio gekommen. Einige hatten für den Event sogar auf einen unterhaltsamen Fußballabend verzichtet.

Nach den geschichtlichen Zusammenhängen kamen die Grundlagen des Bierbrauens zur Sprache, nämlich die Zutaten Wasser, Hopfen und Malz, die laut deutschem Reinheitsgebot von 1516 einzige Bestandteile des Bieres sein dürfen. Ein hoher Malz-anteil sorgt beim Brauen für die dunkle Farbe des Getränks, ein hoher Hopfenanteil für einen bitteren Beigeschmack.

Bei der Bierverkostung wird bei einer Geschmacksprobe auch nichts ausgespuckt wie beim Wein, da die Geschmackszellen für die bitteren Aromen auf der menschlichen Zunge weit hinten liegen. Die Nase dient hier wie bei der Weinprobe als wichtigster Sensor, um sich vor dem eigentlichen Probieren schon über den Geruch ein Bild vom Geschmack des Bieres zu machen.

Als weiterer Punkt für die Unterscheidung verschiedener Sorten dient die Frage, ob es sich um ein obergäriges oder untergäriges Bier handelt. Obergärige Biere wie Kölsch, Weizenbier oder Berliner Weisse haben ein leicht fruchtiges Aroma, während untergärige wie Pils, Export oder das weltweit bekannte Oktoberfestbier einen bitteren Geschmack haben. In den letzten Jahren ist in Deutschland der Absatz von Altbier stark gesunken, da es von vielen Menschen als zu schwer im Geschmack empfunden wird.

Belgien führender Bierproduzent

In der weltweiten Bierproduktion ist Belgien mit rund zwanzig Prozent Marktanteil führend, gefolgt von den Niederlanden, Dänemark und China. Erstaunlicherweise belegt Deutschland mit seiner Produktionsmenge nur einen hinteren Platz. Vor Beginn der Verkostung erklärte Lieth den Teilnehmern noch die zahlreichen Aromen, nach denen ein Bier schmecken kann. Es kann zum Beispiel nach Karamell, Früchten oder Nüssen riechen. Äußerlich lassen sich die Farbe und die Stärke der enthaltenen Kohlensäure erkennen. Nach einem besonderen Aperitif-Bier durfte jeder Teilnehmer sechs verschiedene Biersorten kosten und musste erraten, um welche es sich handelt. Neben einem klassischen Pils standen Kölsch, Altbier, Weizen, Bockbier und ein alkoholfreies Kölsch bereit, das bei den Testern keinen Zuspruch fand.

Nach dem ersten Geschmackstest ging es weiter zum Hauptthema belgische Biere. Den Schwerpunkt in der folgenden Auswahl bildeten die so genannten Trappistenbiere, die traditionell bis heute in Klöstern gebraut werden. Hierbei ging die Auswahl von Bieren mit Champagner- oder Kirschgeschmack bis zu starkem dunklem Bier. Neben kräftigem Geschmack haben diese Biere einen höheren Alkoholgehalt und eignen sich besonders zu deftigen Gerichten.

Laut eigener Aussage der Brauer sind „Trappistenbiere unvergleichlich, so dass man sich das Essen abgewöhnen könne”. Als Höhepunkt des Abends gab es ein DOrval-Bier, dessen Aroma sich neben einem sehr starken Hopfengeschmack durch eine Grapefruit-Komponente auszeichnet. Die Teilnehmer zeigten sich begeistert von den zahlreichen geschmacklichen Eindrücken, die ihnen durch diese nicht ganz alltäglichen Biere vermittelt wurde. „Ich hoffe, sie werden durch diesen Abend bei ihrem nächsten Biereinkauf mal etwas neues in den Wagen laden”, erklärte Lieth zum Abschluss.
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