Freizeittipps

Traditionsbäckerei in Koslar schließt nach 133 Jahren

Von: hfs.
Letzte Aktualisierung:
6864461.jpg
Erledigen zusammen den Kehraus: Helmut und Heinz Oellers (v.l.), die die Bäckerei in dritter und vierter Generation in Koslar betrieben haben. Foto: hfs.
6864464.jpg
Das Rührwerk steht still: Helmut Oellers (51) schloss den 133 Jahre alten Familienbetrieb.

Koslar. Es blieb keine Zeit für die Kunden in Koslar, sich von ihrem Bäckermeister Helmut Oellers zu verabschieden. Denn sozusagen über Nacht schloss der in vierter Generation tätige Familienbetrieb am Tag vor Heiligabend.

„Die Maschinen bleiben noch stehen, auch der der Backofen. Ich habe keine Eile, mich davon zu trennen“, sagt der 51-jährige Bäckermeister, der mit seinem Vater Heinz, 78 Jahre alt, in der Backstube steht. Der Senior kehrt still vor sich hin die Räume, aus der bis vor wenigen Tagen noch der Geruch von frisch gebackenem Brot auf die Hoffläche zog.

Verstohlen wischt er sich die eine oder andere Träne aus den Augen, als er auf das Firmenschild blickt „Bäckerei und Konditorei Helmut Oellers, Koslar, Theodor-Heuss-Straße 101“. Es hängt jetzt in einer Ecke, bis vor wenigen Tagen hing es noch im Schaufenster, pappte am Firmenfahrzeug. „Ich kann den Schritt meines Sohnes verstehen, die Zeiten haben sich radikal geändert“, sagt Heinz Oellers, der den Betrieb in dritter Generation 1967 verantwortlich übernahm, davor im elterlichen Betrieb seines Vaters Melchior arbeitete.

Über 30 Jahre lang stand er in aller Frühe in der Backstube, freute sich, wenn er das frische Brot, Teilchen und andere Köstlichkeiten herstellen und verkaufen konnte. Nicht anderes hatte sein Sohn Helmut im Sinn, als er 1992 an seine Stelle trat.

Der Nachwuchs ist da...

Die Grundlage hatte Joseph Oellers 1880 Joseph Oellers mit der Gründung der Bäckerei geschaffen hatte. Es bestanden auch beste Voraussetzungen, den Betrieb in die fünfte Generation zu führen, denn die Ururenkel des Gründers, René und Andreas, erlernten ebenfalls das Bäcker- und Konditor-Handwerk. Vielleicht wären ja beide ins elterliche Geschäfte eingestiegen, hätte es da nicht den frühen Tod der Mutter im Jahre 2009 gegeben. Denn seit diesem Zeitpunkt beschäftigte sich Helmut Oellers mit dem Gedanken, die Selbstständigkeit aufzugeben.

Der Gedanke verfestigte sich, als ein Supermarkt nach Koslar kam und damit ein Teil der Kundschaft verloren ging. „Aber das ist normal, mit der Konkurrenzsituation muss man sich immer auseinandersetzen“, sagt er rückblickend und bedankt sich gleichzeitig bei vielen Koslarern, „die mir und der Belegschaft bis zum Schluss die Treue gehalten haben.“ Das waren vier Verkäuferinnen, ein Konditor und ein Lehrling, die allesamt von dem Aus überrascht wurden, denn das Angebot von Helmut Oellers neuem Arbeitgeber kam sozusagen über Nacht.

„Man muss sich als Familienbetrieb fragen, inwieweit ein solches Geschäft noch durchführbar ist“, stellt Heinz Oellers eine entscheidende Frage. Seine Antwort trug mit zum Aus der Bäckerei bei. „Die steigenden Betriebskosten und meine persönliche Lebenssituation ließen dann nur eine Möglichkeit zu: Wir schließen das Geschäft.“ Helmut Oellers ringt bei dieser Aussage ebenfalls um Fassung, denn wie seine eigene Zukunft aussieht, ist fraglich. „Ich werde am 15. Januar in die In­dustrie wechseln, in eine Fünf-Tage-Woche, in einen geregelten Acht-Stunden-Tag, in den Schichtbetrieb.“

Ob er sich da wohlfühlt als ehemals selbstständiger Bäcker und Konditor? „Mein Sohn, der auch in einem Backindustriebetrieb arbeitet, hat gesagt, dass die ersten drei Monate sicherlich hart werden. Ich habe ihm geantwortet, dass ich bestimmt ein halbes Jahr brauchen werde, um die neue Lebens- und Arbeitssituation zu meistern.“ Aber Helmut Oellers stellt sich der neuen Herausforderung und hofft, dass er sie packt. Denn künftig wird er nur an Maschinen arbeiten, das handwerkliche Können ist nicht mehr gefragt.

„Ich musste mich jetzt entscheiden, jetzt habe ich noch die Möglichkeit, mich beruflich anders zu orientieren, in drei oder vier Jahren wäre es zu spät gewesen.“ So wird er künftig die paar Schritte in die eigene Backstube nicht mehr gehen, sondern in eine „Backfa-brik“ nach Übach-Palenberg fahren.

In Koslar wurde vor vier Generationen ein Rezept für „Rheintaler“ kreiert. „Das ist ein Cremekuchen, der bis zum Schluss in unserem Geschäft der Renner war“, sagt Vater Heinz Oellers, und Sohn Helmut nickt zustimmend. Das Rezept für diese Köstlichkeit kennen nur die beiden und werden es wohl mit ins Grab nehmen.

Denn so nebenher noch in der Backstube zu arbeiten oder für gute Freunde den einen oder anderen Kuchen zu backen, das hat Helmut Oellers nicht vor. „Nein, da fahre ich lieber zu meiner Borussia nach Mönchengladbach oder widme mich meiner Eisenbahn.“ Die Betriebsaufgabe ist ihm schwer gefallen, aber er geht diesen Schritt konsequent.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert