Traditionelle Segnung auf der Pferdekoppel

Von: ptj
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Traditionelle Segnung der Tiere: Der Gottesdienstleiter zieht mit Messdienern zur benachbarten Koppel, um die Tiere mit Weihwasser zu segnen. Foto: Jagodzinska

Stetternich. „Seit Ende des 17. Jahrhunderts ist die Wallfahrt zur Wolfshovener Wendelinuskapelle bezeugt”, weiß Harald Goder aus Stetternich. Ungebrochen ist diese Tradition mit Segnung von Tieren, „die uns ernähren” und Wasser und Brot, „das uns am Leben erhält”, wie Gottesdienstleiter Ferdinand Piel es ausdrückte.

Erstmalig musste die Segnungsandacht auf die Fürsprache des Heiligen Wendelinus ohne Priester stattfinden.

In der Andacht zu Ehren des Kapellen- und Wallfahrtsheiligen Wendelinus, Patron der „Landleute” und des Viehs, machte der Gottesdienstleiter einen kleinen Exkurs in die Geschichte: 1846 wurde Wolfshoven in Chroniken als gesonderter Ort genannt, der noch in den 30er Jahren ein Weiler mit 65 Einwohnern und einem seit 1694 aktenkundigen, gleichnamigen Gut war. Die jetzige Kapelle wurde 1774 an Stelle einer aus Holz gebauten, baufälligen Kapelle auf Kosten der Pächter von Gut Lindenberg gebaut, Philipp Schlick und Mathias Katterbach zu Lindenberg.

Zur Entstehung der frühen Kapelle, die im Dunkeln liegt, zeigte Piel diverse Möglichkeiten auf: Sie könnte eine Gründung eines frühen Wolfshovener Gutes oder des nahen „Haus Lindenberg” sein oder aus der bis 1890 am Ellbach liegenden Eremitage hervorgegangen sein. Dazu würde der Heilige Wendelinus, als Einsiedler bekannt, sehr gut passen. Bis 1820 war das Haus der Eremitage Wohnsitz des Stetternicher Pastors, der sich mit seinem Vikar die Aufgabe teilte, an bestimmten Heiligentagen in der Kapelle die Messe zu lesen.

Am Wendelinustag fand die beliebte Wolfshovener Kirmes statt, die in der Erinnerung vieler Teilnehmer weiterlebt. Die Figur des Heiligen Wendelin und die des Rochus mussten in die Pfarrkirche umziehen, da die Kapelle in den letzten Jahren mehrmals Opfer von Einbrüchen war.

Seit der ehrenamtlichen Restaurierung der Kapelle vor neun Jahren wird allerdings wieder zur Andacht geläutet. „Heute findet keine Kirmes mehr statt, der Kreis der gläubigen Menschen ist kleiner geworden”, resümierte Piel. Mitglieder der St. Sebastianus-Bruderschaft Stetternich verteilten die traditionellen Wendelinusbrote, die nach Bekunden von Wallfahrtsteilnehmern früher einmal in Gestalt von segnenden Händen geformt waren.

Dann zog der Gottesdienstleiter mit den Messdienern durch die Menge bis hin zur benachbarten Pferdekoppel, um nach altem Brauch die vielen anwesenden Hunde und Pferde mit Weihwasser zu segnen. „Jetzt müssen wir beweisen, was der Ort selbst noch wert ist”, bemerkte ein Teilnehmer leise.
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