Tote Bäume beleben die Rur bei Jülich

Von: Guido Jansen
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Die Baumpopulation entlang der Rur ist seit dem Pfingstunwetter 2015 deutlich ausgedünnt. Foto: Guido Jansen
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Viele große Bäume sind, wie hier bei Barmen in die Rur gekippt. Foto: Guido Jansen
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An vielen Stellen ragen meterhohe Baumteller aus dem Boden. Foto: Guido Jansen
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Erneut haben Unbekannte die Kronen neu gepflanzert Bäume gekappt. Foto: Guido Jansen

Jülich. Was macht einen schönen Fluss aus? Ist er frei von Wildwuchs und umgestürtzen Bäumen? Nein sagen alle Experten für Flüsse heute. Die Zeit der leer gepflegten Fließgewässer ist demnach vorbei. Und deswegen bleiben viele der schweren Bäume, die beim Pfingstunwetter Ela im vergangenen Jahr in die Rur gestürtz sind, genau da, wo sie jetzt liegen.

Eine Kommission von Stadt Jülich, des Wasserverbands Eifel Rur (WVER), des Kreises Düren und der Bezirksregierung hat den Rurlauf zwischen Barmener See und Flossdorf begutachtet. An vielen Stellen bleiben die Bäume liegen, an anderen werden sie Anfang des nächsten Jahres mit schwerem Gerät entfernt.

Die Ruraue zwischen Flossdorf und Broich ist eines der Gebiete, in denen Ela am schlimmsten getobt hat. Auf Luftaufnahmen wirkten die Wälder wie Kolonien abgebrochener Streichhölzer.

Noch immer sind nicht alle Schäden behoben, viele abgerissene Stümpfe und herausgerissene Wurzelteller mit einem Durchmesser von drei Metern und mehr prägen das Landschaftsbild. Tausende Bäume hat Ela geknickt. „Da waren richtig große Trümmer dabei“, sagt Thomas Mülheims vom Immobilien-Management der Stadt Jülich. Mit Trümmern meint Mülheims vor allem große, alte Pappeln. Über 100 hat es umgehauen. Etliche liegen bis heute in der Rur. Sie verändern den Lauf des Flusses. Und das ist gut so, sagt der WVER. „Flüsse verändern ihren natürlichen Verlauf, wenn sie nicht begradigt und in ein festes Bett gefasst worden sind“, sagt WVER-Sprecher Marcus Seiler.

Totholz im Fluss ist einer der Faktoren für Veränderung. In ihrem Strömungsschatten entstehen Ruheräume, die Fische beispielsweise als Laich-Räume nutzen. Auf dem Holz bilden sich Bakterienfilme, die Insekten und Schnecken als Nahrung dienen. Und die sind wieder Nahrungsquelle für Fische. Da, wo große Stämme im Fluss liegen oder Äste anderes Treibgut auffangen und so zu einer Art Damm werden, fließt der Fluss langsamer, das Wasser sucht sich einen neuen Weg. „An der Indemündung in die Rur bei Kirchberg haben wir das zugelassen“, sagt Seiler. „Da hat die Inde ihren Lauf schön selbst verändert.“

Ein Teil der in die Rur gestürzten Bäume muss trotzdem weg. Beispielsweise im Bereich des Überlaufs bei Barmen. „Da muss das Wasser abfließen können, damit es keine großen Überschwemmungen gibt“, erklärt Mülheims. Schließlich sind weite Teile der Rur­aue im Jülicher Land Risikogebiet für Hochwasser. Da, wo die Staufunktion zu groß ist oder die Bäume zum Müllfänger werden, sollen sie entfernt werden. Das gilt auch, wenn die Gefahr besteht, dass große Stämme abtreiben und Schaden verursachen könnten. „Unsere Experten beobachten die Situation fortlaufend“, sagt Seiler.

Mit Ohnmacht beobachtet die Stadt Jülich dagegen den wiederkehrenden Vandalismus in den Rurwiesen in der Nähe der Broicher Fußgängerbrücke. Im Herbst hatte die Stadt dort auf einer Fläche von mehreren Fußballfeldern junge Pappeln gepflanzt, Bissschutz in Form von drei Pfählen und Maschendrahtzaun inbegriffen. Kurze Zeit später waren die Kronen vieler Jung-Pappeln gekappt worden. Die Stadt bezifferte den Schaden auf 30.000 Euro. Es gibt keine Versicherung gegen diesen Vandalismus, die Kosten trägt damit die Allgemeinheit. In den vergangenen Wochen wurde erneut angepflanzt. Nach dem Wochenende stellten die Mitarbeiter der Stadt fest, dass einige der Bäume erneut gekappt worden sind. „Ich kann überhaupt nicht verstehen, welchen Sinn eine solche Aktion haben soll“, sagt Mülheims.

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