„Tom Sawyer“: Mark-Twain-Klassiker in Originalsprache

Von: ptj
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Tom Sawyer (Amelie Loevenich) wird vom „Teacher“ (Lena Roland) gezüchtigt – zur Freude seiner Mitschüler. Foto: Jagodzinska

Jülich. Der Mondhimmel auf der Leinwand taucht den Friedhof um Mitternacht in ein unwirkliches Licht. Dort hocken Tom Sawyer und Huckleberry Finn, die als Gegenmittel gegen vermeintliche Teufel eine tote Katze im Gepäck haben, zitternd hinter einem Grabstein. „Lord, Tom, the devils, they‘re coming! What‘ll we do“, rufen sie erschreckt aus – und beobachten einen Mord.

Injun Joe (Jana Menzel) tötet Doctor Robinson (Maike Schmitz), nachdem Muff Potter (Hannah Bröders) zu Boden gegangen und das Bewusstsein verloren hat. Später schiebt er es dem trunksüchtigen Potter in die Schuhe. Der Doktor hatte die beiden Männer dafür bezahlt, eine Leiche in den Wald zu schaffen.

Das ist sicherlich die spannendste von 21 Szenen aus dem hervorragend umgesetzten Theaterstück „Tom Sawyer on stage“. Hierbei handelt es sich um eine im Rahmen eines Hochschulprojektes entstandene Adaption mit gekürztem Ende des Mark Twain-Klassikers „The Adventures of Tom Sawyer“, die der Literaturkurs Q1 des Mädchengymnasiums Jülich auf die Bühne im PZ brachte.

Bemerkenswert ist vor allem die Tatsache, dass der Kurs von Peter Mangold auf dessen Vorschlag hin das komplette Stück souverän in fließendem Englisch spielte und damit der „Europaschule zu Ehren gereichte“, wie Schulleiterin Christiane Clemens später betonte.

Die Rolle des gewitzten Protagonisten Tom Sawyer, der Marmelade liebt und es faustdick hinter den Ohren hat, teilten sich Amelie Loevenich und Klara Reisky. Tom lebt bei „Aunt Polly“ (Busra Sürer), die ihre Rolle bemerkenswert überzeugend im Rollstuhl spielte, weil sie sich wenige Tage vor der Aufführung den Fuß gebrochen hatte. Tom verlobt sich in der Unschuld seiner jungen Jahre mit Becky Thatcher (Alina Wirtz). Als er unter Liebeskummer leidet, beschließt er, mit seinen Freunden Huckleberry Finn (Zita Langenberg) und Joe Harper (Jill Epanya), auf einer Insel unterhalb von St. Petersburg ein Piratenleben zu führen.

Während des „Funeral Service“ mit dem „Church Minister“ (Lara Lövenich) in der Kirchengemeinde St. Petersburg tauchen die drei heftig Betrauerten plötzlich wieder auf. Wie ihm im Traum suggeriert wird, sagt Tom später in der Gerichtsverhandlung als Zeuge für den angeklagten Muff Potter aus. Schlussendlich findet er gemeinsam mit „Huck“ und Aunt Polly den Schatz, den der aus der Gerichtsverhandlung entflohene „Injun Joe“ gerade vergraben wollte, bevor Aunt Polly ihn wegjagte.

Die zahlreichen Gäste im PZ feierten die 17 Schauspielerinnen verdientermaßen mit stehenden Ovationen. „Ich dachte, ich hätte Muttersprachler vor mir“, lobte Christiane Clemens die „toll transportierte Weltliteratur“.

Literaturkursleiter und Englischlehrer Mangold bedankte sich mit Rosen bei jeder Akteurin dafür, dass sie ihn „ertragen hat“. Mit Blick auf den unlängst eingeführten „bilingualen Zweig“ an der Mädchenschule war ihm die Idee zur englischsprachigen Aufführung gekommen. Nach „zwei bis dreistündiger Überzeugungsarbeit“ hatten die Schülerinnen seinen Vorschlag schließlich angenommen.

Die großartig gelungene Aufführung war das „Ergebnis einer intensiven Arbeit an den Aufgaben des Theaters und am Stück“, wie Mangold hervorhob. Trotz freien Eintritts bat er um eine Spende, die wie in den letzten Jahren der engagierten Theater-AG der Selgersdorfer Stephanus-Schule zugute kommt.

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