Aachen/Jülich - Tödliches Ehedrama in Jülich-Welldorf war kein Mord

Tödliches Ehedrama in Jülich-Welldorf war kein Mord

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:

Aachen/Jülich. Sie heirateten Anfang 2010 auf der Insel Rügen. Die Hochzeitsnacht verbrachten die Brasilianerin und der heute 52-jährige Finanzbuchhalter im Hotel Bernstein.

Beide waren voller Zuversicht und Zukunftsfreude, sie brachte ihren zehnjährigen Sohn aus erster Ehe mit. Am Donerstag nun fiel vor der Aachener Schwurgerichtskammer das Urteil gegen Heinz G. aus Jülich-Welldorf: Neun Jahre muss der 52-Jährige ins Gefängnis, der am Morgen des 15. Oktober letztes Jahr in seinem Haus in Jülich-Welldorf in den Keller ging, seine Pistole aus dem Waffenschrank holte und seine junge Frau erschoss.

Mit dem Urteil - die Kammer entschied auf Totschlag und nicht auf Mord - hat der eifersüchtige Buchhalter viel Glück gehabt. Denn genau so gut wäre ein Mordurteil in Frage gekommen, was von der Staatsanwaltschaft beantragt worden war und im Ergebnis eine lebenslange Haftstrafe bedeutet hätte. Der Vorsitzende Richter Gerd Nohl versuchte, der Öffentlichkeit die Entscheidung des fünfköpfigen Gerichts „nahe zu bringen”: „Wir sind der Tatbeschreibung des Angeklagten weitgehend gefolgt, sie erscheint als möglich und kann nicht widerlegt werden”.

Wie so oft in solch schicksalhaften Beziehungsdramen spielte sich das Geschehen unter vier Augen ab, unmittelbare Tatzeugen fehlen. So war es auch in dem Haus in Welldorf. Er habe gedroht sich umzubringen, weil sie wieder ihrer alten Tätigkeit, nämlich der Prostitution in einem Erotik-Massagesalon in Mönchengladbach nachgehen wollte. Sie habe dann versucht, ihm die Waffe wegzunehmen und bekräftige gleichzeitig, sie mache schließlich, was sie wolle. Da schoss er ihr ins Gesicht.

Erst der zweite Schuss seitlich von hinten in den Nacken war tödlich. Die Drehbewegung des in sich zusammensackenden Opfers könne den Einschussort erklären, hatte der Rechtsmediziner bestätigt. Zunächst war man von einem heimtückischen „finalen Fangschuss” ausgegangen. So entfiel für die Kammer das Mordmerkmal Heimtücke. Nohl stellte aber sehr deutlich fest: „Heinz G. handelte in Tötungsabsicht”.

Für die aus ärmlichen Verhältnissen stammende Simone G. sei Geld sehr wichtig gewesen. Und das wurde nach der Kündigung des gut bezahlten Prokuristen nun knapp. „Sie hatte große finanzielle Begehrlichkeiten”, bewertete der Richter die Ehe. Und es habe seit Monaten „Unfrieden wegen Nichtigkeiten” gegeben. So etwa auf einem Straßenfest wenige Wochen vor der Tat, als er sie brutal an den Haaren nach Hause schleifte. „Diese Beziehung konnte auf Dauer keinen Bestand haben”, diagnostizierte die Kammer, Richter Nohl: „Sie nahm ein brutales, schicksalhaftes Ende.”
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert