Linnich - Tobias Kammerers Leinwand ist das Glas

Tobias Kammerers Leinwand ist das Glas

Von: Kr
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Tobias Kammerer, hier mit Direktorin Dr Myriam Wierschowski im Gespräch, wird ab dem 7. September eine Auswahl seiner Werke im Glasmalerei-Museum ausstellen. Foto: Kròl

Linnich. Kaum ist die viel beachtete Ausstellung „Goldene Geschichten auf Glas“ mit Kabinettscheiben aus der Tiedemann-Sammlung abgebaut und die wertvollen Stücke an den Eigentümer zurück gegeben, da haben Dr. Myriam Wierschowski und ihr Team im Deutschen Glasmalerei-Museum in Linnich wieder alle Hände voll zu tun, um eine neue Ausstellung vorzubereiten.

Mit Tobias Kammerer wendet man sich dieses Mal einem Künstler zu, der zur Avantgarde der zeitgenössischen Glasmalerei zählt und hier völlig neue Wege ging. Er beschränkt sich in seiner Arbeit nicht nur auf die Gestaltung des Glases, sondern bezieht den kompletten Raum mit ein.

Aufsehenerregend sind beispielsweise die Arbeiten, die er für die St. Pauls-Kirche in Odessa schuf, wo er Decke, Boden, Wand sogar den Altar und die vorhandenen Kunstwerke mit einbezog, oder die Katharinenkirche in Kiew. Er gestaltete auch die 250 Quadratmeter große Glasfläche am Verwaltungsgebäude der Hagener Feinstahl. Viele andere sakrale und profane Bauwerke tragen seine Handschrift wie auch die Wallfahrtskirche St. Christophorus in Dunningen.

Seine großflächigen Arbeiten wirken auf den Betrachter wie Aquarelle, die dem Raum eine neue Dimension hinzufügen. Als Tobias Kammerer 1995 mit der Glasmalerei begann, eckte er zunächst bei Handwerkern und Künstlern mit seiner Vorgehensweise an. Er wandte sich ab vom Bleiglas und malte lediglich mit Schmelzfarben auf Glas. Breitflächig geht er zu Werke, seine gemalten Schwünge geben die Bewegung des Körpers wieder. Oft ist es nur ein einzelner breiter Pinselschwung auf der Oberfläche des Glases, der voller Energie steckt.

Doch das Malen auf Glas eröffnete ihm weitere Möglichkeiten, neue Techniken wie Sandstrahlen oder Ätzen anzuwenden. Sie eröffneten dem Künstler ein neues Universum und die Möglichkeit, auch große Formate zu realisieren. In Linnich können solche Arbeiten natürlich nicht gezeigt werden, doch werden sie anhand von Projekttafeln vorgestellt. Darüber hinaus finden sich in der Ausstellung etliche autonome Glasarbeiten, drei Fenster, die aus der Justizvollzugsanstalt Kassel stammen und in einem Fuldaer Archiv gelagert waren, sowie eine Reihe seiner großflächigen Ölbilder, in der sich der schwungvolle Strich widerspiegelt.

„Er beherrscht die große Geste. Aus dem Arm heraus setzt er sie schwungvoll um. Der Linienfluss in seinen Arbeiten ist total organisch“, erklärt Dr. Myriam Wierschowski, die sich freut wieder einmal einen jungen Künstler präsentieren zu können.

1968 in Rottweil im Schwarzwald geboren, wo er auch heute noch lebt und arbeitet, studierte Tobias Kammerer von 1986 bis 1994 an der Akademie der Bildenden Künste in Wien. Schon früh faszinierte ihn die Idee des Gesamtkunstwerkes. Er wollte den Raum erobern und in sein Werk hinein arbeiten. Dazu gehört für ihn auch, bildhauerisch tätig zu sein, und so umfasst die Linnicher Ausstellung, die unter dem Titel „Tobias Kammerer – Raumkunst der Gegenwart. Glasmalerei und Skulptur“ am 7. September offiziell eröffnet wird und bis zum 9. Februar zu sehen sein wird, neben Glasarbeiten, den Projekttafeln und Gemälden auch eine Reihe von kleineren Skulpturen.

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